Schlussgong: US-Bankenreform oder die richtige Idee – genau zur falschen Zeit

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An den Börsen geht es heute erneut bergab. Besonders die Finanzwerte drücken die Aktienindizes in Europa und in den USA in die Verlustzone. Im EuroStoxx verlieren die Bank-Aktien 3 bis 5% und führen damit die Verliererliste an.

Die Kursabschläge bei Bank-Aktien sind die direkte Reaktion auf die Reformvorschläge des US-Präsidenten Barack Obama. Der US-Präsident will die Freiheit der Banken beschneiden und eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken erreichen. Da die Anleger eine Beschneidung der Geschäftsfelder mit sinkenden Gewinnen verbinden, werden Bank-Aktien fast blind verkauft.

Rückkehr zum alten Trennsystem

Die Grundidee der Reform geht in die richtige Richtung und folgt einem historischen Vorbild: Nach der Weltwirtschaftskrise in den 30er-Jahren wurde das amerikanische Bankensystem in Geschäfts- und in Investmentbanken getrennt. Erst seit 1999 dürfen die US-Banken wieder alle Bankgeschäfte betreiben.

Die Kritiker bezweifeln den Erfolg der Obama-Pläne. So sei mit Lehman Brothers eine reine Investmentbank in den Abgrund gestürzt. Die geplante Reform hätte diese Pleite nicht verhindert. Diese Aussage ist nur halb richtig: Die Pleite von Lehman Brothers hätte durch die Reform nicht verhindert werden können, aber die Folgewirkungen wären entschärft worden. Wenn es nur um Lehman Brothers gegangen wäre, hätte der Finanzmarkt den Schock schnell verdaut.

Die „Schockstarre“ im Finanzsektor ist nur deshalb eingetreten, weil die Marktteilnehmer Angst hatten, dass weitere Banken mit in den Abgrund gezogen werden. Ganz oben auf der Todesliste stand der ehemalige Weltmarktführer, die Citigroup. Durch das reine Streben nach Größe wurde die Citigroup zu einem unkontrollierbaren Monster. Die jetzt geforderten Reformen würden eine Wiederholung verhindern.

Großer Fehler: Obama macht aus der Banken-Reform ein Wahlkampfthema

Die Reform-Idee ist also begrüßenswert. Der Zeitpunkt ist aber eine Katastrophe!!! Obama hat die Banken-Reform direkt nach einer verlorenen Senats-Wahl in Massachusetts verkündet. Die Wahlschlappe zeigt, dass der „Stern“ Obama nicht mehr so hell leuchtet. Außerdem haben die Republikaner im Senat jetzt die Möglichkeit, Reformen der Demokraten zu blockieren. Obamas Lieblingsprojekt, die Gesundheitsreform, ist bedroht.

Und plötzlich veröffentlicht Obama nach der Wahlniederlage die Pläne für die Banken-Reform. Da die Banker bei den Wählern extrem unbeliebt sind, soll diese Reform die Stimmung unter den Wählern kippen. Ein fast schon peinlich, naiver Plan. Das wirkt wie ein verzweifelter Hilferuf. US-Wähler lieben aber starke Führungspersönlichkeiten.

Die Chance auf eine gemeinsame Lösung wurde verschenkt

Wie werden die Reaktionen ausfallen? Die Republikaner müssen die Banken-Reform jetzt fast schon blockieren, damit sich Obama nicht als strahlender Held feiern lassen kann. Die zeitliche Verbindung von Wahlkampfschlappe und Banken-Reform war extrem unglücklich.

Das Thema muss sachlich diskutiert werden. Obama hätte die Reformvorschläge deutlich vor oder nach der Wahl veröffentlichen müssen. Dann hätte er die Chance gehabt, einige Republikaner mit ins Boot zu holen. Aber welcher Republikaner soll jetzt für die Reform stimmen und damit Obama einen politischen Sieg schenken? Wenn die Bankenreform in den USA scheitert, ist das ein neuer Tiefpunkt in dieser Krise. Die Zeit war reif für eine Reform, doch Obamas Timing gefährdet den Erfolg.


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