Schlussgong: Citigroup – selbst ein Verlierer hat gute Seiten
19. Januar 2010 von Rolf Morrien | kein Kommentar
Dieser Börsentag war alles andere als langweilig. Die Aktienmärkte präsentierten sich zunächst schwach. Der DAX markierte sein Tagestief bei unter 5.850 Punkten. Die Investoren warteten zitternd auf die Quartalszahlen der Citigroup. Es war klar, dass die amerikanische Bank, der ehemalige Weltmarktführer, wieder viele Milliarden verbrannt hatte.
Und so kam es auch: Die Citigroup hat es erneut geschafft, in nur 3 Monaten über 7 Mrd. USD zu „verbrennen“. Die Reaktion an der Wall Street: Nach einer kurzen Denkpause zogen die großen Indizes deutlich ins Plus. Der Schwung reichte auch noch, um den DAX Richtung 6.000 Punkte zu treiben. Plötzlich herrschte Sonnenschein.
Viel verloren, aber überlebt
Zu den größten Tagesgewinnern (!) gehört bisher die Citigroup-Aktie. Einige Investoren zeigten sich fast erleichtert. Im Vorjahresquartal hatte die Citigroup sogar über 17 Mrd. USD verbrannt. Das Nettoergebnis wurde also um 10 Mrd. USD „verbessert“. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Citigroup für die staatlichen Hilfsgelder rund 6 Mrd. USD gezahlt hat, war das operative Ergebnis nicht einmal so weit von einer schwarzen Null entfernt.
Die Quartalszahlen zeigen also, dass die Citigroup eine Überlebens-Chance hat. Das war vor einigen Monaten eine offene Frage. Ein Restrisiko besteht auch jetzt noch. Eine neue Krisenwelle würde die Citigroup wahrscheinlich nicht mehr überstehen. Kurzfristig hat sich die Lage aber stabilisiert. Das wird heute an der Wall Street gefeiert.
Verlierer können leichter positiv überraschen
Es klingt schon paradox: Intel veröffentlicht Traumzahlen und wird von der Börse kurzfristig abgestraft, die Citigroup präsentiert neue Milliardenverluste und gehört in der ersten Reaktion dennoch zu den Tagesgewinnern.
Des Rätsels Lösung: Die unterschiedliche Erwartungshaltung! Bei Intel waren die Zahlen sensationell gut. Die Erwartungen waren aber auch extrem hoch. Es gibt immer ein paar Investoren, die noch bessere Zahlen erwartet hatten und dann enttäuscht verkaufen.
Umgekehrt bei der Citigroup. Gut möglich, dass einige Investoren sogar eine verkappte Pleite-Meldung erwartet und auf fallende Kurse gesetzt haben. Dieser Verkaufsdruck ist jetzt verschwunden. Das treibt heute den Kurs, obwohl die Aktie fundamental sicherlich kein Kauf-Kandidat ist.
Verkaufen Sie kurzfristig, wenn die Erwartungshaltung zu groß ist
Daher zum Abschluss meine Empfehlung: Prüfen Sie Ihre Depot-Werte. Wo sind die Erwartungshaltungen besonders hoch? Genau bei diesen Positionen drohen kurzfristig Rückschläge. Verkaufen Sie im Zweifel vor den Quartalszahlen. Sie können dann später wieder einsteigen, wenn die Zahlen die Erwartungen erfüllt haben und der Markt grünes Licht gibt.
Da die Transaktionskosten für Käufe und Verkäufe in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind und die Abgeltungsteuer „Aktionärs-Treue“ nicht mehr belohnt, bieten sich in unsicheren Zeiten solche Absicherungsstrategien an.
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geschrieben am Dienstag, den 19. Januar 2010 um 23:03 Uhr
Kategorien: Heard in New York
Tags: Bankaktien, Bankenkrise, Citigroup, Quartalszahlen







