Schlussgong: Aktienboom – Allianz setzt Gesetzgeber unter Druck

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Der Wochenauftakt war an den Aktienmärkten sehr ruhig. Da die US-Börsen heute geschlossen bleiben, fehlt der starke Impulsgeber. Ohne Nachrichten von der Wall Street schaffte es der DAX zumindest, wieder über die Marke von 5.900 Punkten zu klettern.

Damit setzt sich ein Trend fort: Nach starken Kursabschlägen – wie am Freitag nach den Quartalszahlen der US-Bank JP Morgan erlebt – greifen anschließend sehr schnell die „Schnäppchenjäger“ zu und stabilisieren den Markt. Dieses Verhalten verhindert einen stärkeren Abwärtstrend und zeigt, dass noch viele Marktakteure am Spielfeldrand stehen und nach und nach das Börsenparkett wieder betreten.

Versicherungen geraten in Zugzwang

Zu den großen Marktteilnehmern, die über sehr niedrige Aktien-Quoten verfügen, gehören die Versicherungen. Während früher die Versicherungen zu den eifrigsten Aktienkäufern gehörten, fehlt ihnen heute oft dazu der Mut.

Allerdings geraten die Versicherungskonzerne langsam unter Zugzwang, da „sichere“ Staatsanleihen mit AAA-Rating nur Mini-Renditen abwerfen. Daher ist es sehr spannend zu beobachten, wie der europäische Branchenführer, die Allianz, reagiert.

Allianz plaudert Anlagestrategie 2010 aus

Es war sicherlich kein Zufall, dass Allianz-Vorstandsmitglied Paul Achleitner direkt am Jahresanfang die mögliche Anlagestrategie der Allianz ausplauderte. So fühle sich die Allianz, so Achleitner, mit der aktuellen Aktien-Quote, die bei knapp 10% liegt, sehr wohl. Gleichzeitig soll der Bereich „alternative Anlagen“ (Private Equity, Infrastruktur erneuerbare Energien) stark ausgebaut werden. In einigen Medien tauchten daher Schlagzeilen auf, die den Tenor hatten: Allianz meidet Aktien und steckt Milliardenbeträge in alternative Anlagen.

Diese Aussagen sind in dieser Form aber etwas ungenau. Man muss genau analysieren, was Achleitner gesagt hat. So wird der Bereich „alternative Anlagen“ selbst nach einer Verdopplung nur rund 30 Mrd. Euro (von insgesamt rund 400 Mrd. Euro Anlagevermögen) ausmachen und unter dem Aktien-Anteil liegen. Von einem Favoritenwechsel kann also keine Rede sein. Die Allianz will nur etwas breiter streuen.

Der Deal: Frisches Börsenkapital, wenn die Bilanzregeln geändert werden

Noch interessanter sind aber die Aussagen zur Aktien-Quote. Achleitner hat nicht gesagt, dass die Allianz grundsätzlich nicht den Aktien-Anteil aufstocken will, sondern nur, dass unter den aktuellen Bilanzregeln nicht weiter aufgestockt wird.

Die Allianz bietet dem Gesetzgeber relativ offen einen Deal an: Ändert die Bilanzregeln, dann steigen wir groß in den Aktienmarkt ein. Wenn die Börse wieder aufblüht und den Unternehmen den Zugang zu Eigenkapital ermöglicht, wäre das natürlich ein großer Schritt, um die Abhängigkeit der Unternehmen vom Fremdkapital zu mindern (Stichwort: Kreditklemme).

Rückkehr zum HGB

Was genau sich die Allianz wünscht, hat Achleitner sehr schön in einem Rückblick formuliert: „Meine Vorgänger in diesem Job hätten die 2 vergangenen Jahre als gigantische Gelegenheit zum Aktien-Investment gesehen. So etwas (Anmerkung: Aktienkauf im großen Stil) kann man nur machen, wenn man nach den alten HGB-Regeln bilanziert.“

Im Klartext: Wenn die neuen Bilanzregeln (die übrigens in guten Zeiten von der Finanzbranche ausdrücklich gefordert wurden) wieder verschwinden und durch das gute alte Handelsgesetzbuch (HGB) ersetzt werden, steigt die Allianz in den Markt ein. Denn dann müssen kurzfristige Kursschwankungen nicht mehr direkt in der Bilanz abgebildet werden (besonders sinkende Kurse sehen in der Bilanz nicht schön aus).

Börsenboom mit Ankündigung

Herr Achleitner hat der neuen Bundesregierung also die Hausaufgaben für 2010 ins Schulheft diktiert. Ich bin gespannt, ob der Plan aufgeht. Wenn der Gesetzgeber im Sinne der Versicherungskonzerne handelt, wäre der nächste Börsenboom fast schon vorprogrammiert.


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