Schlussgong: JP Morgan – Prognosen übertroffen, Erwartungen verfehlt

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Was hätte das für ein schöner Wochenausklang an der Börse werden können. Der Chip-Gigant Intel hat in der Nacht phantastische Zahlen präsentiert. Der Gewinn je Aktie erreichte 0,40 USD. Damit wurde die Prognose von 0,30 USD je Aktie pulverisiert. Eine starke Leistung!

Die rasante Gewinnsteigerung ist auch nicht nur das Ergebnis von eisernen Sparbemühungen. Auch der Umsatz entwickelte sich prächtig und stieg um 28% auf über 10,5 Mrd. USD. Die Kunden kaufen wieder Computer-Chips. Ein sehr positives Signal für die Konjunktur.

Es kam aber noch besser: Im Gegensatz zu Alcoa wagt das Intel-Management auch eine Prognose für das 1. Quartal 2010. Es läuft wieder rund beim Marktführer. Kein Wunder, dass die Aktie nachbörslich stark zulegen konnte und auch beim Handelsstart in Europa zu den Gewinnern gehörte.

US-Bank überdeckt den positiven Intel-Effekt

Doch dann kam der große Spielverderber: Die US-Großbank JP Morgan präsentierte seine Zahlen und fungierte als „Eisbrecher“ für die amerikanische Finanzbranche. Die Bank verdient wieder – wie in den „guten alten“ Zeiten – hohe Milliardenbeträge pro Quartal. Im Schlussquartal 2009 waren es immerhin 3,3 Mrd. USD. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,74 USD – damit übertraf die US-Bank die Gewinnprognose der Analysten, die bei 0,61 USD je Aktie lag, klar und deutlich…

…und dennoch wurde die Latte gerissen. Denn: Es gibt offizielle Analysten-Prognosen und es gibt die berüchtigten „Flüsterschätzungen“. Viele Analysten wagen sich offiziell nicht aus der Deckung und nennen eine Gewinn-Prognose, die relativ dicht am Durchschnittswert liegt. In inoffiziellen Gesprächen werden dann aber teilweise ganz andere Prognosen genannt. Bei JP Morgan lagen einige der „Flüsterschätzungen“ bei 0,75 USD + X. Diese Latte wurde gerissen. Das verdarb die Stimmung.

Nur die Großbanken profitieren

Dieser negative Effekt reicht aber noch nicht aus, um zu erklären, warum die Aktienmärkte nach den Zahlen so stark ins Minus rutschten (sogar die Intel-Aktie drehte in die Verlustzone). Ein genauer Blick in die Quartalszahlen von JP Morgan zeigt ein sehr gemischtes Bild. Im Investmentbanking hat die Bank wieder Traumgewinne erwirtschaftet.

Das war aber auch so zu erwarten: Die Großbanken finanzieren jetzt die Folgen der Krise. Unternehmen und Regierungen brauchen dringend Geld. Die Großbanken leihen sich fast gratis Kapital (Null-Zins-Politik der US-Notenbank) und kassieren von den anderen Marktteilnehmern Zinsen. Das sind also „geschenkte“ Gewinne, damit die Großbanken die zahlreichen Bilanzleichen entsorgen können.

Das Bankensterben geht in der 2. und 3. Reihe weiter

Anders sieht es in den anderen Banksparten aus: Das Privatkundengeschäft schwächelt und das Kreditkartengeschäft bleibt ebenfalls ein Sorgenkind. Das große Problem: Genau das sind die Sparten, in denen die kleinen und mittleren US-Banken ihr Geld verdienen müssen.

Wenn JP Morgan im Privatkundengeschäft massiv Geld verliert, werden die kleineren Banken noch mehr leiden. 2009 sind bereits über 100 Banken gestorben, 2010 könnten die Zahlen noch schlechter werden. Das konnte man schon vorher ahnen, die Zahlen von JP Morgan machen daraus fast schon eine Gewissheit.

Besonders bitter: Da immer mehr kleinere Banken vom Markt verschwinden, werden die Top-10-Banken fast zwangsläufig noch größer und wichtiger. Ich sehe hier dringenden Handlungsbedarf!


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