Auf Negativzinsen fixiert

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Das gestern veröffentlichte Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) vom 26./27. Januar unterstreicht erneut, dass sich die Fed innerlich bereits längst von weiteren Zinserhöhungen für das Jahr 2016 immer weiter verabschiedet. Eigentlich bedarf es nur noch einiger Zeit, bis die Akteure an den Finanzmärkten, die diese Tendenz schon längst vorweggenommen haben, noch mehr verbale Statements diesbezüglich zu hören bekommen. Genau genommen hat das sogar schon angefangen, wenn etwa gestern James Bullard äußerte, es sei unklug, mit den Zinserhöhungen weiter zu machen. Dies ist derselbe Präsident der Fed von St. Louis, der sich noch vor einem Monat für vier Zinserhöhungen in diesem Jahr stark machte! Dabei ist es nicht die US-Konjunktur die während dieser Zeit einen sichtbaren Schlag ins Kontor bekommen hätte. Vielmehr sind es die Aktienmärkte, die den Entscheidern bei der Fed Sorgen machen. Genau deswegen ist nun James Bullard wie auch schon bei früheren Gelegenheiten verbal zur Stelle.

Ich habe es schon häufiger betont, was etwa ein Einsturz des US-Leitindex S&P 500 von 20 Prozent, ausgelöst durch eine „falsche“ US Notenbankpolitik, für die Superreichen in den USA bedeuten würde. Denn ein Kursrückgang im Aktienmarkt schlägt sich in deren Portfolien überproportional stark nieder. Somit kann ich nur immer wieder den Journalist und Schriftsteller Robert Frank zitieren, der den S&P 500 bereits vor Längerem als das neue Bruttoinlandsprodukt bezeichnete.

Politik für die Superreichen

Und es ist angesichts der Verwerfungen am Aktienmarkt bis zum vergangenen Donnerstag kein Wunder, dass sich die Beobachter fragen, ob die US-Notenbank nicht sogar ihre Entscheidung vom vergangenen Dezember zurücknehmen muss und letztlich sich dem Kanon der Europäischen Zentralbank und der Bank von Japan (BoJ) anschließen muss, die sich nun mit Negativzinsen versuchen.

Aber bereits der jüngste Zinsschritt der BoJ in negatives Zinsterrain hat gezeigt, dass die Finanzmärkte dieses Experiment als Verzweiflungstat interpretieren…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

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1 KOMMENTAR

  1. Das grenzt jetzt zum Teil an Verschwoerungstheorie den Zinsentscheid der Fed vom Kurs des S&P abzuleiten. Denn dieser Argumentation zufolge dürften es keine Zinserhöhungen mehr geben, da immer davon ausgegangen werden muss, dass Zinsentscheide Volatilitaet generieren – auch wenn richtig kommuniziert. Nein, ausschlaggebend für die niedrigen Zinsen bleiben die niedrige Inflationserwartungen (siehe Breakeven rates). Im übrigen haben sich- selbst bei der schlechten Kommunikation der Fed – Marktteilnehmer rechtzeitig auf die Zinswende einstellen können.

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