Schlussgong: Stunde der Wahrheit – Alcoa präsentiert die ersten Zahlen

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DAX und EuroStoxx lagen zum Wochenauftakt lange im Plus, doch am späten Nachmittag ging es wieder zurück auf den Ausgangswert. So kurz vor den ersten Jahreszahlen möchte sich kaum ein Investor aus der Deckung wagen.

Das ist verständlich, denn am späten abend werden die Karten an der Börse neu gemischt. Der amerikanische Aluminium-Konzern Alcoa präsentiert dann seine Zahlen für das 4. Quartal 2009 und wagt wahrscheinlich auch einen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr.

Da die Alumium-Branche sehr zyklisch ist, gilt Alcoa als guter Indikator für die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft. Sind die Auftragsbücher voll, können wir etwas ruhiger in das neue Börsenjahr gehen.

Die Latte liegt zu hoch und wird gerissen

Schon vor den ersten Zahlen wage ich die Prognose: Die Erwartungen sind so hoch, dass es fast zwangsläufig Enttäuschungen geben muss. Die Analysten erwarten, dass die US-Unternehmen den Gewinn um durchschnittlich über 25% steigern werden. Da viele Unternehmen aus den Branchen Pharma, Nahrung, Konsum oder Energie-Versorger den Gewinn nur leicht werden steigern können, müssen Wachstumswerte um 50% und mehr zulegen.

Einige Unternehmen werden das schaffen, andere die Latte klar reißen. Wenn dann noch KGV-Bewertungen von 50 oder 100 ins Spiel kommen, ist ein „Schlachtfest“ garantiert. Sie werden in den nächsten Tagen und Wochen Aktien erleben, die 2009 zu den Überfliegern gehörten und 2010 an einem einzigen Handelstag 20% und mehr verlieren.

Das Comeback der Börsen-Langweiler

Umgekehrt erwarte ich, dass Unternehmen, die 2009 als extrem langweilig galten, im neuen Jahr ihr Comeback schaffen. Ein Weltklasseunternehmen wir Johnson & Johnson hat im Vorjahr im Dow Jones nur ein Mini-Plus erreicht und galt als Ladenhüter. Das wird sich ändern.

Auch die deutschen Stromversorger Eon und RWE lagen – gemessen an der Kursentwicklung – in den vergangenen 12 Monaten im unteren Tabellendrittel. Ende 2010 werden sich einige Investoren wünschen, dass sie auf diese langweiligen DAX-Werte gesetzt hätten.

Die Dividende gewinnt wieder an Bedeutung

Sehr interessant sind die Dividenden-Statistiken. Europäische Energie-Versorger werfen im Durchschnitt Dividenden-Renditen von über 5% ab. Gleichzeitig bringen Staatsanleihen Renditen von nur 3%. Diese Rendite-Differenz wird Ende des Jahres nicht mehr vorhanden sein.

Ein ganz seltenes Bild liefern die europäischen Telekom-Werte. Hier liegt die durchschnittliche Dividenden-Rendite sogar bei 7,5%. Einen solchen Durchschnittswert werden Sie in Niedrig-Zins-Phasen alle 10 Jahre finden – vielleicht auch noch seltener.

Kursgewitter und sichere Häfen

Fazit: Stellen Sie sich auf einzelne Kursgewitter ein. Die Gewinnerwartungen sind bei vielen Unternehmen zu hoch. Es muss eine Kursbereinigung geben. Gleichzeitig bieten sich defensive Branchen als Fluchthafen an. Bei 5% Dividenden-Rendite brauchen Sie nur noch einen kleinen Kurszuwachs von 5%, um auf eine Gesamtperformance von 10% zu kommen. Mit der Dividendenausschüttung im Frühjahr sichern Sie sich frühzeitig im Jahr die halbe Ernte.


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