Vorsicht: Staatsanleihen!

0
2.176 views

Das Thema Staatsanleihen steht ja spätestens seit den Krisen in Dubai und Griechenland wieder ganz oben auf der Agenda an den Finanzmärkten. Aber es trifft nicht nur „Krisenländer“, nein auch die USA rücken in den Fokus. Jüngst erklärte die Fondsgesellschaft Pimco, dass sie sich von US-Staatsanleihen trennt und verstärkt auf Anleihen und Währungen aus Schwellenländern setzen will. Interessanterweise kommt Deutschland derzeit noch ganz gut weg. Bill Gross sieht die Effekte der Schuldenbremse ganz positiv. Wenngleich hier bis zum avisierten Ziel 2016 passieren kann.

Aber nicht nur Pimco sieht die weltweit ausufernde Staatsverschuldung sehr kritisch. Morgan-Stanley-Ökonom Joachim Fels warnt im Handelsblatt-Interview davor, dass Griechenland nur ein Vorgeschmack für andere Länder gewesen sei. Seine Erwartungen für die Staatsverschuldungen sind dabei düster:

Die Finanzmärkte werden 2010 das Thema Staatsbankrott und damit das Thema Inflation spielen. Sie haben Angst, dass die Regierungen die Notenpressen anwerfen, um die Verschuldung zu reduzieren. Die Anleger werden höhere Risikoprämien verlangen und die Langfristzinsen hochtreiben. Das wird ab 2011 die Kosten für neue Staatsschulden in die Höhe treiben.

Ganz aktuell gibt es jetzt auch im Handelsblatt ein interessantes Interview mit Thomas Mayer, dem neuen Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Besonders die Staatsanleihen von zwei Ländern sieht er hinsichtlich deren Staatsverschuldung mit großen Risiken behaftet. Zunächst einmal die Industrienation Japan:

In Japan beträgt die Staatsverschuldung inzwischen 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, Deflation ist wieder ein großes Thema und die Alterung der Bevölkerung hat brutal begonnen. Wer soll der älteren Generation die Rentenpapiere, die zu mehr als 90 Prozent in heimischer Hand sind, abkaufen?

Damit bleibt Japan auch im neuen Jahrzehnt unter den führenden Industrienationen wohl das Krisenland Nummer eins. Wie hilflos die dortige Politik reagiert sieht man ja u.a. auch am Rücktritt des Finanzministers Hirohisa Fujii, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, aber sicher auch dem neuen, wahrscheinlich höchstgradig sinnlosen Konjunkturpaket geschuldet. Damit rennt Japan in ein erneute Jahrzehnt der wirtschaftlichen Stagnation.

Ähnlich düster sieht es nach Ansicht von Mayer auch auf den britischen Inseln aus:

Auch in Großbritannien liegen die Risiken auf der Hand: Das Land war besonders exponiert im Finanz- wie auch im Immobiliensektor, wo die Krise bekanntlich ausbrach. Die Briten steckten im dritten Quartal 2009 als einziges G20-Land noch immer in der Rezession. Das alles erhöht das Anlagerisiko ganz erheblich.

Damit entfernt sich Großbritannien nun auch fiskalisch weiter von seinen europäischen Nachbarn. Ein finanziell angeschlagenes Großbritannien wird das Fortkommen der Europäischen Union sicher nicht einfacher machen. Vielleicht kommt ja dann durch die Hintertür der Währung ein neues Kerneuropa? Wer weiß das schon…

Das Thema Inflation wird übrigens von beiden Ökonomen als Problem gesehen. Dazu sagt Fels:

Die US-Notenbank wird stärker inflationieren, die EZB ist da vorsichtiger und sie ist ja schließlich auch unabhängiger von der Politik. Die Inflation wird vor allem importiert werden über höhere Rohstoffpreise und höhere Importpreise für Produkte aus Asien. Wenn die Welt inflationiert, werden wir uns, wie in den 70er-Jahren, nicht ganz abkoppeln können.

Und auch bei Mayer spielt das Thema eine Rolle. Für Japan und Großbritannien hält er eine Entwertung der Staatsschuld durch Inflation durchaus für möglich. Hier zeige sich der Vorteil einer eigenen Währung, denn für Euro-Länder wie beispielsweise Griechenland oder Irland, hält Mayer das Risiko von unmittelbarer Zahlungsunfähigkeit von Bedeutung. Da Griechenland in der aktuellen Krise ja derzeit nicht auf Hilfe durch die EZB oder andere Euro-Länder hoffen kann, wird es spannend sein zu sehen, wie sich die Athener Regierung aus dem Sumpf zieht.


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here