Schlussgong: Gold – kräftiges Lebenszeichen im neuen Jahr

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An den Aktienmärkten fehlt noch immer der Schwung. Die großen Indizes in Europa und in den USA notieren nahezu unverändert im Vergleich zum Vortag. Die Schwergewichte im DAX gaben ein paar Punkte ab, die Nebenwerte im MDax und TecDax legten dagegen leicht zu.

Mehr Dynamik erleben wir dagegen an den Rohstoffmärkten. Der Gold-Preis präsentiert sich im neuen Jahr wieder fester. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Der Anstieg von 800 auf über 1.200 USD je Unze innerhalb von nur 10 Monaten hatte schon leichte Ähnlichkeiten mit einer Blasenbildung. Ein kurzfristiger Kurssprung von 50% kann im Gold-Sektor nicht als „normal“ bezeichnet werden (auch wenn mittel- und langfristig noch viel höhere Rekordmarken zu erwarten sind).

Als dann Ende 2009 der Dollar gegenüber anderen Währungen Stärke zeigte, wurde der Höhenflug des Gold-Preises vorerst beendet. Innerhalb weniger Tage sackte der Kurs auf unter 1.100 USD je Unze.

Neue Bomben im Finanz- und Wirtschaftssystem

Obwohl sich die US-Währung seit einigen Tagen in einer Seitwärtsbewegung befindet, hat der Gold-Preis nach oben gedreht und liegt schon wieder bei gut 1.130 USD. Ein Grund: Im Finanz- und Wirtschaftssystem tauchen immer neue Bomben auf.

Die aktuelle Meldung aus den USA: In Amerikas Rentensystem klafft eine gigantische Lücke. Laut Orin Kramer, dem ranghöchsten Rentenberater der Regierung des US-Bundesstaates Florida, fehlen in den Kassen der 25 größten öffentlichen Pensionsfonds der amerikanischen Bundesstaaten und Kommunen mehr als 2.000 Mrd. USD!

Eine Lücke von 2.000 Mrd. USD zeigt, dass das System nicht mehr zu sanieren ist

Wie bereits vor einigen Tagen hier im Schlussgong geschrieben: Wir müssen uns an immer größere Zahlen gewöhnen. Ein Betrag von 2.000 Mrd. USD hätte es vor 3 Jahren auf die Titelseite jeder Tageszeitung geschafft, in der Finanzkrise reicht es nur noch für eine kleine Meldung in der Financial Times Deutschland.

Eine Finanzierungslücke von gut 2.000 Mrd. USD zeigt, dass das System in der jetzigen Form nicht mehr zu sanieren ist. Die graue Realität wird von den Entscheidungsträgern durch eine rosarote Brille betrachtet. Die Begründung, wie ein Fehlbetrag von 2.000 Mrd. USD entstehen konnte, haut einen fast vom Hocker:

Die Pensionsfonds, die nur sehr konservativ anlegen dürfen, sind von jährlichen Renditen im Bereich von 8% ausgegangen. Da Staatsanleihen aktuell nur rund 3% abwerfen, ist diese Ziel-Rendite mit einer konservativen Anlage-Strategie schlicht und einfach nicht zu erreichen.

Die einfache „Lösung“: Flucht in die Inflation

Ich sehe nur 2 Lösungen, wie diese tickende Zeitbombe in den Pensionskassen (und das gilt für viele ähnliche Institutionen) entschärft werden kann: Entweder erhöhen die Pensionskassen das Risiko und investieren verstärkt in Anlageformen mit höheren Rendite-Erwartungen (Aktien, Rohstoffe, Private Equity), oder das Problem wird „weginflationiert“. Wenn die (echte) Inflationsrate in den USA einige Jahre lang bei 10% liegt, ist eine Summe von 2.000 Mrd. USD nicht mehr das ganz große Problem. Die Pensions-Empfänger werden dann als Bezieher von festen Geldzahlungen still und heimlich enteignet.

Weil diese heimliche Enteignung nicht direkt sichtbar ist, könnte das Inflations-Szenario für die Entscheidungsträger die „eleganteste“ Lösung sein. Der aktuell wieder steigende Gold-Preis zeigt, dass auch andere Investoren ähnlich denken und sich vor der kommenden Inflation schützen wollen.


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