Schlussgong: Börsen-Bilanz – den Gewinnern 2009 droht ein böser Absturz

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An der Börse ist in der ersten Handelswoche des neuen Jahres noch nicht viel los. Viele Investoren betreten erst nach dem Feiertag am 6. Januar wieder das Börsenparkett. Das eigentliche Börsenjahr beginnt also erst morgen. Kein Wunder, dass der DAX bei gut 6.000 Punkten auf der Stelle tritt.

Diese ruhigen Tage nutze ich, um die Ergebnisse des alten Börsenjahres auszuwerten. Die konjunkturelle Entwicklung war 2009 ein Desaster. Das sollte ein gutes Umfeld für Unternehmen mit relativ konjunkturunabhängigen Geschäftsmodellen sein.

Technik gewinnt, „old ecomomy“ verliert

Die Auswertungen der Indizes zeigen jedoch ein ganz anderes Bild. Betrachten wir den weltweit bekanntesten Index, den US-Index Dow Jones. Der Jahressieger American Express (+118%) kommt ausgerechnet aus der krisengeschüttelten Finanzbranche. Auf den folgenden 3 Plätzen folgen ausschließlich Technologie-Aktien: Microsoft (+56%), IBM (+55%) und Cisco (+46%).

Die sechs Dow-Jones-Werte, die auf Jahressicht einen Verlust aufweisen, kommen dagegen aus der „old economy“: AT&T (-1%), Procter&Gamble (-2%), Verizon (-2%), Wal-Mart (-4%), General Electric (-6%) und Exxon (-14%).

Die KGV-Bewertungen steigen schon wieder in den Himmel

Diese Kursbewegungen haben natürlich auch Auswirkungen auf die Bewertungen. In der Technologiebranche gibt es schon wieder viele Aktien, die ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 50 bis 100 aufweisen.

Ein konkretes Beispiel: Zu den Überfliegern gehörten 2009 die Aktien von Unternehmen, die energiesparende LED-Lampen herstellen (oder die entsprechenden Maschinen liefern). Kein Wunder: Mitten in der Rezession wächst dieser Markt um 25%. Dieses Tempo kann auch noch über Jahre gehalten werden.

Aixtron-Aktie: Überflieger an der Börse

Daher ist es auf den ersten Blick nicht verwunderlich, dass die Aixtron-Aktie zu den Überfliegern auf dem deutschen Kurszettel gehörte. Das Unternehmen ist genau zur richtigen Zeit in der richtigen Branche aktiv. Die Börse belohnt das: Aixtron kommt auf einen Jahresumsatz von unter 300 Mio. Euro, wird aber an der Börse mit 2,4 Mrd. Euro bewertet und kommt auf Basis der Gewinne 2009 auf ein KGV von 62 (soll 2010 auf gut 30 sinken). Analysten trauen dem Unternehmen dann einen Börsenwert von über 3 Mrd. Euro zu. Dieser Wert kann auch erreicht werden. Andere LED-Unternehmen weisen ähnlich hohe Bewertungskennzahlen auf.

Jetzt tauchen aber mehrere Probleme auf: Der Markt wächst pro Jahr um 25%, viele Analysten und Investoren erwarten aber bei den Unternehmen Umsatzsteigerungen von 100% und mehr. Diese Rechnung kann natürlich nicht bei allen Unternehmen aufgehen, wenn der Markt „nur“ um 25% wächst. Es wird zwangsläufig Verlierer geben. Und bei einem KGV von über 50 führt jede Mini-Gewinnwarnung zu einem Schlachtfest.

Auch in der LED-Branche wachsen die Bäume nicht in den Himmel

Weiterhin wird unterschätzt, dass wir (noch) nicht in einer Planwirtschaft leben. Wachstumsraten von 25% locken natürlich neue Marktteilnehmer an. Fast täglich meldet ein Unternehmen, dass es auch in den „Boommarkt“ LED einsteigen will. Wir erleben in der LED-Branche jetzt die Goldgräberstimmung, die in der Solarbranche bis 2007 herrschte. Wenn Sie die Kursentwicklungen der deutschen Solar-Aktien betrachten, wissen Sie, was aus den Träumen seit 2007 geworden ist: Es gibt wenige Gewinner, aber viele Verlierer.

In diesen „Boom-Branchen“ machen die Aktionäre der ersten Stunde, die mit „Spielgeld“ auf das Prinzip Hoffnung setzen und in Unternehmen quasi ohne Umsatz oder Gewinn investieren, gewaltige Gewinne. Später auf den fahrenden Zug aufzuspringen, kann dagegen ein teurer Fehler werden.


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