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Die Sache mit der Geldmenge und den Staatsschulden

In den letzten Tagen bin ich über einige interessante Artikel rund um das Thema Staatsschulden und Geldmenge gestolpert, auf die ich doch kurz eingehen möchte. Zunächst geht es um den Artikel Uncle Sam kauft alles bei Weissgarnix. Er bezieht sich dabei auch einen Post bei FT alphaville, in dem die Börsenrallye der letzten Monate auf Manipulationen seitens der US-Regierung zurückgeführt wird.

So heißt es dort:

TrimTabs Investment Research Asks Whether Federal Reserve and U.S. Government Rigged Stock Market, Pushing Market Cap up $6+Trillion since Mid-March
Only Logical Conclusion as to Why Market Soared, While Economy Faltered and Traditional Sources of Capital Remained Neutral

Eine wundervolle Verschwörungstheorie wie ich finde. Es geht also um 6 Billionen bzw. 6.000 Mrd. Dollar! Damit soll der Markt seit März nach oben getrieben worden sein. Charles Biderman, CEO von TrimTabs Investment Research, erklärt dazu: „Wir haben keinerlei Beweise, aber wir wissen, dass hinter dem Aktien-Boom weder die Wirtschaftsdaten noch traditionelle Kapitalquellen stehen.“

• Im einzelnen hätte weder die Unternehmen selbst zugegriffen – stattdessen seien hier seit April neue Aktien für 133 Mrd. Dollar ausgegebenworden.
• Fonds kommen ebenfalls nicht in Betracht. US-Aktienfonds und ETFs haben seit April nur um 20 Mrd. Dollar zugelegt.
• Auch Direktinvestments von Anlegern seien nicht möglich, dazu sei die Volaitität zu hoch gewesen.
• Ausländische Investoren haben zwischen April und Oktober nur 109 Mrd. Dollar ins Land gebracht.
• Der Beitrag von Hedge Funds wird auf lediglich 9 Mrd. Dollar geschätzt.
• Pensionsfonds. Auch hier seien nicht mehr als 100 Mrd. Dollar von Anleihen und aus dem Barbestand in Aktien geflossen.

Des Rätsels Lösung sieht für Biderman wie folgt aus:

One way to manipulate the stock market would be for the Fed or the Treasury to buy a nominal $60 to $70 billion of S&P 500 stock futures each month for as long as necessary. Depending on margin levels, as little as $5 billion to $15 billion per month was all that was necessary to lift the S&P 500 by 67%.

Also dem Kauf von S&P500-Futures im Nominalwert von 60 bis 70 Mrd. Dollar pro Monat. Abhängig vom Margin-Niveau wären dies 5 bis 15 Mrd. Dollar pro Monat, die nötig gewesen wären um den S&P500 um 67 Prozent steigen zu lassen.

Ähnliche Frage stellte sich auch Rainer Sommer bei Telepolis. Dabei fragt er sich, wer im Jahr 2009 die Staatsanleihen im Wert von 1,885 Billionen Dollar gekauft hat. Auch hier wird die Fed mal wieder als Lösung präsentiert. Die Bilanz der US-Notenbank hat Querschüsse mal detailiert aufgeschlüsselt. Wenn man alle drei Artikel mal zusammen betrachtet, kommt man schnell zu dem Schluss, dass man vom US-Markt (sowohl Aktien, als auch Anleihen) die Finger lassen sollte… aber jeder sollte sich doch selbst ein Bild machen.

Ganz anders dagegen die Situation in Europa. Bei der Zeitenwende bin ich auf die Meldung aufmerksam geworden, dass die Geldmenge M3 erstmals in der Eurozone gesunken ist. In der Pressemitteilung der EZB heißt es:

Die Jahresänderungsrate der Geldmenge M3 sank im November 2009 auf -0,2 % nach 0,3 % im Vormonat. Der Dreimonatsdurchschnitt der Jahreswachstumsraten von M3 für den Zeitraum von September bis November 2009 verringerte sich auf 0,6 %, nachdem er im Zeitraum von August bis Oktober 2009 bei 1,6 % gelegen hatte.

Zeitenwende schreibt dazu:

Wer begriffen hat, dass Geld und Schulden nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille sind, dürfte ob der erstmaligen Schrumpfung der M3-Geldmenge aufhorchen. Denn wo kein Geld ist, ist auch kein Wachstum. Da inzwischen bereits manchen Staaten die rote Karte gezeigt wird in Form von angedrohten oder bereits vollzogenen Ratingrückstufungen, wird es in Zukunft auch schwieriger, staatlich orchestriertes Wachstum aufrecht zu erhalten.

Die Situation dies- und jenseits des Atlantiks ist eben sehr unterschiedlich. Wenngleich für den Aktienanleger dann doch der Fokus eher auf Europa liegen sollte. Oder vielleicht doch gleich China oder Indien? Schwierige Zeiten…


1 Kommentar zu Die Sache mit der Geldmenge und den Staatsschulden

  1. KLASSE, dass Sie sich mit dem Thema befassen!

    Noch viel mehr auf Nationale Schulden

    Wie Voelker verwirtschaftet werden, und wie Europa es besser machen koennte…

    MfG aus Brandenburg,

    Sabine

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