Schlussgong: Ein Jahr nach dem Selbstmord von Adolf Merckle – Die Finanzkrise hat ein menschliches Gesicht bekommen

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Achtung: Ab heute gibts den Schlussgong schon am selben Abend, nach Börsenschluss in Frankfurt.

Die Aktienmärkte konnten heute den Aufwärtstrend nicht fortsetzen. Die Kursabschläge fallen jedoch moderat aus. Der DAX verteidigte die Marke von 6.000 Punkten erfolgreich.

Wenn Sie ein Jahr zurückdenken, sind ruhige Börsentage wie heute fast schon eine Wohltat. In den ersten Wochen und Monaten des Jahres 2009 befanden sich die Aktienmärkte im freien Fall. Wir mussten lernen, dass auch ein Börsenschwergewicht wie BASF an einem einzigen Handelstag 10% und mehr verlieren kann.

Wir mussten uns auch an ganz neue Zahlen gewöhnen. Der US-Versicherungskonzern AIG beichtete einen Jahresverlust von fast genau 100 Mrd. USD. Und die Zahlen werden immer größer. Die Staaten im Euro-Raum werden 2010 neue Anleihen im Wert von knapp 1.000 Mrd. Euro am Markt platzieren. Das sind Größenordnungen, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen.

Ein Selbstmord zeigt die menschliche Seite der Krise

Heute vor genau 12 Monaten hat die Finanz- und Wirtschaftskrise aber auch ein menschliches Gesicht erhalten. Am 5. Januar 2009 nahm sich der Unternehmer Adolf Merckle das Leben. Der Ex-Milliardär, der über Jahre stets ganz oben in den Ranglisten der reichsten Deutschen auftauchte, hatte sich verzockt. Der „Macher“ war nur noch ein Spielball der Banken. Diese Ohnmacht muss für den Unternehmer aus Leidenschaft die größte Strafe gewesen sein. In dieser Krisensituation sah Merckle nur noch einen Ausweg, den Selbstmord.

Man könnte es sich leicht machen und die These aufstellen, dass die bösen Banker mal wieder Schuld waren: Erst haben Sie Merckle ermuntert, hohe Kredite aufzunehmen, als es aber eng wurde, zogen sie das Rettungstuch weg. Sicherlich ist es auch so, dass einige Banken eine sehr aktive Rolle in diesem Drama gespielt haben.

Merckle wurde nicht gezwungen, sich zu verschulden

Aber bei einem Kredit gibt es immer 2 Seiten: Den Kreditgeber und den Kreditnehmer. Niemand hat Merckle gezwungen, gewaltige Milliardenkredite aufzunehmen. Seine Hauptbeteiligung, der Baustoffriese HeidelbergCement, hat 2007 einen großen Konkurrenten gekauft und sich eine Schuldenlast von rund 11 Mrd. Euro aufgehalst. Die Schulden waren so hoch wie der gesamte Jahresumsatz.

Im Boomjahr 2007 wurden viele verrückte Sachen gemacht, aber ein alter Hase wie Merckle, der seit Jahrzehnten im Geschäft ist, hätte nicht alles auf die Karte Aufschwung setzen dürfen. Als der Boom über Nacht einbrach, stand HeidelbergCement vor dem Aus (und damit viele Tausend Arbeitnehmer) und auch Merckle versank im Schuldensumpf. Seine Beteiligungsgesellschaft VEM Holding war mit rund 5 Mrd. Euro verschuldet.

In der Krise gelten andere Regeln

Natürlich gab es mit den Beteiligungen HeidelbergCement, Ratiopharm, Phoenix und Kässbohrer werthaltige Sicherheiten, aber der Börsen-Crash 2000 bis 2003 hatte nur wenige Jahre vorher gezeigt, dass solche Beteiligungen auch über einen längeren Zeitraum fast nicht zu verkaufen sind (oder nur zu extrem niedrigen Preisen). Ein Investor und Unternehmer, der so lange im Geschäft ist, hätte kaufmännisch vorsichtiger agieren müssen.

Aber dieser Fall zeigt das Grundproblem der Krise: Es fehlte die „Bodenhaftung“. Natürlich kann ein Unternehmer einen Kredit aufnehmen. Oft muss er das sogar. Die Relationen müssen aber passen. 11 Mrd. Euro waren für einen MDax-Wert wie HeidelbergCement zu viel und 5 Mrd. Euro waren für Merckles Beteiligungsholding zu viel. Es muss immer einen Plan B für Notfälle geben. Einen solchen Plan hatte Merckle offensichtlich nicht.

Auch erfahrene Profis werden übermütig

Wie kann dieser Leichtsinn erklärt werden? Vielleicht wollte der Milliardär Adolf Merckle am Ende der beruflichen Laufbahn auch einmal im Rampenlicht stehen. Es war sicherlich ein Traum von Merckle, dass sein „Baby“ HeidelbergCement nach der Übernahme als Weltmarktführer in den deutschen Leitindex DAX aufsteigt.

Es ist schon auffällig: In der Crash-Phase 2000 bis 2003 sind die Träume der „IT-Wunderkinder“ geplatzt. In der Krise 2007 bis 2009 hat es dagegen viele „alte Hasen“ erwischt. Das Merckle-Imperium musste schwer leiden, der Familienkonzern Schaeffler hat sich mit der prestigeträchtigen Übernahme des DAX-Wertes Continental finanziell total verhoben und das traditionsreiche Bankhaus Sal. Oppenheim musste in die Arme der Deutschen Bank flüchten.

Fuchs Petrolub: Erfolgreiches Gegenmodell

Wie erfrischend ist es angesichts der vielen Negativbeispiele, wenn ein Unternehmen wie Fuchs Petrolub, das von der Familie Fuchs geführt wird, in der Krise die Eigenkapital-Quote auf Rekordwerte erhöht und nicht mehr weit davon entfernt ist, die Nettoverschuldung auf Null zu senken.

Das „Erfolgsgeheimnis“: Fuchs Petrolub hatte vor gut 10 Jahren massive Probleme mit den hohen Schulden. Die Unternehmensführung hat aber offensichtlich daraus gelernt und ist in der Boomphase bis 2007 nicht wieder in die Schuldenfalle getappt. Das ist auch der Grund, warum die Aktie von Fuchs Petrolub seit Jahren einen Stammplatz auf der Empfehlungsliste des Depot-Optimierers hat.


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