Schlussgong: Die Anlageklasse Aktien ist nicht tot

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Der erste Handelstag des neuen Jahres brachte fast allen Aktienmärkten ein kräftigen Plus. Der DAX schaffte wieder den Sprung über die 6.000-Punkte-Marke, der Dow Jones erreichte ein neues 15-Monats-Hoch. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass das neue Jahrzehnt an der Börse besser läuft als die vergangenen 10 Jahre.

Ein Blick in den Rückspiegel zeigt: Wer am 1. Januar 2000 die runde Summe von 1.000 USD in den Weltindex MSCI World investiert hat, besaß nach genau 10 Jahren ein Restvermögen von nur noch 823,80 USD. 10 Jahre investiert und dann fast 20% verloren. Ein herber Schlag für Aktien-Investoren.

Ein schlechtes Jahrzehnt ist kein Todesurteil

Wenn jetzt aber in einigen Medien die Schlussfolgerung gezogen wird, dass die Anlageform Aktien tot sei, ist das blanker Unsinn. Wie unsinnig das ist, erkennen Sie, wenn Sie die Argumentation einfach umdrehen: Wären Aktien jetzt ein “Pflichtkauf”, wenn der Weltindex 2000 bis 2009 um 300% gestiegen wäre? Das ist offensichtlich nicht der Fall.

Ein Aktien-Jahrzehnt mit dem Traumgewinn von über 300% gab es in der Tat. Die für den Aktienmarkt “goldenen” 80er-Jahre brachten einen Gewinn von 330%. Aber dieses Tempo konnte natürlich nicht gehalten werden. In den 90er-Jahren legte der Weltindex immerhin noch um 150% zu, in den vergangenen 10 Jahren folgte dann aber die Verlustphase.

Gute und schlechte Phasen wechseln sich ab

Aus der Entwicklung 1980 bis 2009 lässt sich nicht schließen, dass die Gewinnaussichten automatisch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sinken. Vor den “goldenen” 80er-Jahren kamen die für Aktionäre betrüblichen 70er-Jahren, die nur einen Mini-Gewinn brachten. Ebenfalls ein verlorenes Jahrzehnt für Aktien-Besitzer. Direkt nach der Dürre folgte dann aber die reiche Ernte.

Eine niedrige Ausgangsbasis kann also durchaus ein Vorteil sein. Allerdings kommt es auch immer auf die Rahmenbedingungen an. So wurden die 70er-Jahre von den Öl-Krisen dominiert. Anfang der 80er-Jahre besiegte dann Paul Volcker die Inflation in den USA und legte damit einen wichtigen Grundstein für die goldenen Aktienjahre.

Kurstreiber gesucht

In den vergangenen 10 Jahren gab es nicht nur einen Ölpreis-Rekord von knapp 150 USD je Barrel, hinzu kam die Technologie-Blase, die Terrorwelle, die gleich mehrere Kriege auslöste und zuletzt die Finanzkrise. Das war kein gutes Umfeld für steigende Aktienkurse.

Im neuen Jahrzehnt bräuchte der Aktienmarkt einen starken Kurstreiber. Eine Finanzmarktreform, die den Namen auch wirklich verdient, wäre so ein Kurstreiber. Noch ist ein solcher Schritt nicht in Sicht, aber das neue Jahrzehnt ist auch erst wenige Tage alt. Es besteht also noch Hoffnung. Totgesagte leben oft länger.


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