Warum stürzt der Dollar gegenüber dem Yen ab?

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Der Dollar wertet derzeit gegenüber dem japanischen Yen dramatisch ab, der Yen wertet auf. Das Währungspaar USD/JPY befindet sich immer dann im Sturzflug, wenn es auch an den Aktienmärkten nach unten geht. Woran liegt das?

Das Währungspaar USD/JPY befindet sich im Sturzflug. Mit anderen Worten: Der Dollar wertet gegenüber dem Yen deutlich ab bzw. der Yen wertet gegenüber dem Dollar deutlich auf. In den vergangenen beiden Wochen hat USD/JPY um knapp zehn Prozent abgegeben, was auf dem Devisenmarkt sehr viel ist.

Quelle: Guidants Devisen-Analysen
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Schon seit längerer Zeit ist zu beobachten, dass der Yen immer dann kräftig zulegt, wenn die Aktienmärkte abstürzen. Oder anders ausgedrückt: Das Währungspaar USD/JPY steigt, wenn die Aktienmärkte steigen und fällt, wenn die Aktienmärkte fallen.

Woran liegt das? Die Erklärung hat vermutlich mit dem sogenannten Yen-Carry-Trade zu tun. Da in Japan die Zinsen schon sehr lange sehr niedrig sind (mit Unterbrechungen seit Anfang des Jahrtausends), war Japan früher ein beliebter Ort für Spekulanten, sich mit billigem Geld zu versorgen. In Japan wurde also zu niedrigen Zinsen Geld geliehen und überall in der Welt investiert.

Nun wird dieser Yen-Carry-Trade rückabgewickelt: Die Spekulanten verkaufen ihre Assets in aller Welt und kaufen dafür Yen, um mit diesen Yen ihre Kredite zurückzahlen zu können. Da das alle gleichzeitig tun, wertet der Yen deutlich auf und USD/JPY stürzt entsprechend ab.

Dieses Verhalten zeigt sich auch in einer starken positiven Korrelation zwischen USD/JPY und dem DAX.

Quelle: Guidants Devisen-Analysen
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Autor: Oliver Baron, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de.

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3 KOMMENTARE

  1. Sehr aufschlussreicher Beitrag. Eine kurze Ergänzung dazu.

    Es geht nicht nur um die Rückabwicklung der Kredite, also die Auflösung von Carry-Trades, sondern auch um die Auflösung von Hedging-Positionen. Nehmen wir beispielsweise an ein US-Investor, der im DAX investiert ist und sich in Japan finanziert hat. Der hedged sein Exposure in Euro. Denn wenn er EU-Aktien wieder verkauft, bekommt er dafür Euros, diese sind aus seiner Sicht aber weniger Wert als noch vor sagen wir zwei Jahren. Er macht also einen Währungsverlust mit diesen Aktien, wenn er es nicht absichert. Diese Absicherungen (Euro-Shorts) werden ebenfalls aufgelöst, weshalb auch der Euro steigt. Abgesehen davon ist aber auch der Euro selbst eine Funding-Currency geworden.

    Anders ist es mit den Finanzierungen in Yen. Je schwächer der Yen, desto besser für den Kredit, denn dieser wird für den US-Investor damit geringer im Vergleich zum US-Dollar. Und da der Yen nun steigt muss der US-Investor folglich nicht nur sein EU-Exposure und die Absicherung auflösen, sondern auch seinen Kredit so schnell wie möglich bezahlen.

    Dennoch, mit dieser Erkenntnis wären wir aber immer noch nicht bei der eigentlichen Frage angelangt, nämlich was uns dieses Wissen hinsichtlich unserer Erwartungen an Währungskurse und Aktien bringt? Ist es deshalb nur ein kurzfristiger Anstieg im Euro und Yen und wenn alle Positionen bereinigt sind, geht es wieder in die andere Richtung? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich in meinem börsen-blog auf http://2i-services.com/boersen-blog/

    Grüße

  2. Einen Zusatz. Wenn man USD/JPY mit 10 jährigen US Staatsanleihen vergleicht wird man feststellen, dass diese eine hohe Korrelation haben. Aus diesem Grund können auch Einschätzungen an den Fixed Income Märkten in den US mit USD/JPY ausgedrueckt werden. Dies kann u.U kostenguenstiger am Devisenmarkt gemacht werden und führt zu extra Volumen in dem Paar. Den carry trade verstehe ich, gebe allerdings zu bedenken, dass bspw. USDCHF die gleichen Eigenschaften besitzt (safe haven) und noch einen besseren carry trade darstelt, da die Zinsen in der Schweiz relativ niedriger sind als in den US – und übrigens auch im Vergleich zu Japan.

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