US-Notenbank rudert zurück, Japan gibt richtig Gas – Comeback der Notenbanken

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Die Überraschung kam heute aus Fernost: Die Bank of Japan führt Negativzinsen ein. Damit beginnt gerade in Kombination mit der Ankündigung von EZB-Chef Draghi, im März die geldpolitische Haltung zu überdenken, nach einer relativen Zurückhaltung der Notenbanken nun wieder eine aktivere Phase mit Implikationen für die Märkte. Eine wichtige Rolle kommt dabei der US-Notenbank zu. Denn eine lockerere Haltung ihrerseits könnte den Aufwertungsdruck des US-Dollar dämpfen, damit den von Kapitalflucht geplagten Asiaten etwas Luft zum Atmen geben und den Druck auf die EZB erhöhen, ihren Worten Taten folgen zu lassen.

Schwierige Mission der US-Notenbank
Zwar lieferte die erste Fed-Sitzung nach der historisch anmutenden Zinswende im Dezember keine Überraschung. Dass die US-Geldpolitiker die Zinsen nicht bereits im Januar erneut anheben würden, hatten sie bereits im Vorfeld relativ klar kommuniziert. Eine leichte Anpassung der Haltung der Teilnehmer des Offenmarktausschusses war dennoch erkennbar. Die Notenbank zeigt sich nun etwas vorsichtiger und nimmt damit wieder eine etwas lockerere Haltung ein.

Dabei hat die Fed eine schwierige Gratwanderung vor sich. Einerseits darf sie die nach außen getragene Zuversicht in die Robustheit der US-Konjunktur nicht eintrüben. Andererseits muss sie sowohl den wachsenden Sorgen der Investoren Rechnung tragen, die um die US-Quartalsbilanzen bei einem stärkeren US-Dollar bangen, als auch die Schwäche des verarbeitenden Gewerbes in den USA in ihre Überlegungen einfließen lassen. Der Optimismus der Fed ist das Eine, die Sorge, dass eine zu rasche Normalisierung der Geldpolitik das Wachstum gefährdet, das Andere.

Angst vor starkem Dollar in Asien
Zudem trägt die Fed mit ihrer Geldpolitik auch Verantwortung für andere Regionen der Welt, zuletzt insbesondere für die Schwellenländer und Asien. In Shanghai und Hong Kong dürfte mehr noch als die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft die Sorge um weitere kräftige Abwertungen des Yuan und eine Entkoppelung des Hong Kong-Dollar vom US-Dollar mit anschließender Entwertung eine noch größere Rolle spielen. Die chinesischen Investoren wollen ihr Geld so im Ausland in Sicherheit bringen, wobei der Dollar-Raum durch die Zinswende an Attraktivität gewinnt.

Gute Chance auf Bodenbildung an den Märkten
Die Börse interpretierte das Statement der Notenbank vom Mittwoch als Signal, dass es die Fed mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik langsam angehen dürfte. Die an den CME Fed Funds Futures ablesbare Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinsanhebung im März fiel auf 25 Prozent zurück. Ende Dezember lag diese noch bei fast fünfzig Prozent. Nach ersten Kursverlusten stabilisierten sich die Märkte und bleiben neutral bis leicht bullisch. Möglicherweise war dies das beste Ergebnis, das der Markt erhalten konnte.

Positiv für die globalen Märkte wäre es, wenn in Asien dank eines nun schwächeren Aufwertungsdrucks im US-Dollar die Kapitalflucht etwas zurückgeht. Ein weiterer positiver Effekt könnte aus einer zusätzlichen Stabilisierung der Ölpreise durch einen schwächeren Dollar resultieren. Den Märkten wird nun etwas mehr Zeit eingeräumt, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Wenn das klappt, besteht eine gute Chance, dass der sich zuletzt zaghaft abzeichnende Boden an den Börsen gefestigt werden kann.

Andreas PaciorekEin Beitrag von Andreas Paciorek

Er ist Market Analyst Germany & Austria bei CMC Markets, Frankfurt.
Davor arbeitete er bei der Bank of Tokyo Mitsubishi in Frankfurt sowie bei der Varengold Bank. Paciorek hat ein Diplom der Universität Bonn im Bereich Regionalwissenschaften Japan mit Schwerpunkt Wirtschaft.

Bildquellen: CMC Markets / dieboersenblogger.de


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