Gute Aktien in schwierigen Zeiten finden

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Wie lassen sich in Krisenzeiten die richtigen Aktien finden? Benjamin Graham, der Lehrmeister von Warren Buffett, hat bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein einfaches Schema entwickelt, mit dem sich gute und gleichzeitig günstig bewertete Aktien finden lassen.

Die aktuellen Zeiten sind für Anleger alles andere als einfach. Doch eines galt bisher in allen Krisenzeiten: Wer die richtigen Aktien im Depot hat und wer einen längerfristigen Anlagehorizont hat, kann auch schwierige Zeiten gut überstehen. Benjamin Graham, der Lehrmeister von Warren Buffett, hat bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein einfaches Schema entwickelt, mit dem sich gute und gleichzeitig günstig bewertete Aktien finden lassen.

Wer jetzt denkt, das Schema sei überholt, der irrt: Gerade in Zeiten niedriger Zinsen hat das Schema einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Methoden. Die angemessene Bewertung der Aktien wird bei der Grahams Methode nämlich abhängig gemacht vom aktuell vorherrschenden Zinsniveau. In Zeiten niedriger Zinsen, wenn also mit festverzinslichen Anlagen weniger zu holen ist, sind auch höhere Aktienbewertungen gerechtfertigt. Bei vielen anderen Methoden zum Aktienscreening bleibt das aktuelle Zinsniveau außen vor – was gerade im aktuellen Umfeld problematisch ist.

Grahams Schema zur dynamischen Auswahl von Aktien umfasst zwei Bewertungs- und ein Qualitätskriterium:
•  Die Gewinnrendite (Kehrwert aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis) soll mindestens doppelt so hoch sein wie die Rendite einer langlaufenden (Im Fall von Graham 20-jährigen) Staatsanleihe.
•  Die Dividendenrendite soll mindestens 2/3 der langlaufenden Anleiherendite betragen.
•  Die Eigenkapitalquote soll mindestens 50 Prozent betragen, das Unternehmen soll also höchstens so hohe Schulden haben wie es über Eigenkapital verfügt.

Warum sind diese Kriterien sinnvoll? Die Forderungen zu Gewinnrendite und Dividendenrendite haben zur Folge, dass nur Aktien ausgewählt werden, die im Verhältnis zu dem von ihnen erwirtschafteten Gewinn und der von ihnen an die Anleger ausgeschütteten Dividende nicht zu hoch bewertet sind. Was hoch ist, hängt dabei von der aktuellen Rendite einer 20-jährigen Staatsanleihe und damit den längerfristigen Erwartungen für das Zinsniveau ab.

Die Forderung nach einer Eigenkapitalquote von mindestens 50 Prozent führt dazu, dass nur Unternehmen ausgewählt werden, die nicht zu hoch verschuldet sind. Eine hohe Verschuldung kann vor allem in Krisenzeiten (wenn zum Beispiel die Verfügbarkeit von Krediten eingeschränkt ist) und in Zeiten steigender Zinsen fatal sein.

Was bedeuten die oben genannten Kriterien aktuell für den deutschen Aktienmarkt? Die Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 20 Jahren rentiert aktuell mit 1,025 Prozent. Dies bedeutet, dass die von Graham geforderte Gewinnrendite mindestens 2,05 Prozent und die Dividendenrendite mindestens 0,68 Prozent betragen soll. Beide Forderungen sind im aktuellen Umfeld (wegen der niedrigen Zinsen) nicht sehr restriktiv. Die geforderte Gewinnrendite von 2,05 Prozent entspricht zum Beispiel einem astronomisch teuren KGV von 48. Die allermeisten Aktien am deutschen Aktienmarkt liegen darunter, haben also eine höhere Gewinnrendite. Dies zeigt, dass die Aktien im Verhältnis zum niedrigen Zinsniveau in ihrer Gesamtheit trotz der Rally in den vergangenen Jahren nicht zu hoch bewertet sind.

Die von Graham geforderten Kriterien lassen sich wunderbar mit dem Aktien-Screener der Investment- und Analysplattform Guidants umsetzen. Sortiert man die Ergebnisse nach absteigender Dividendenrendite, ergeben sich zum Beispiel folgende Top-Ergebnisse für qualtitativ hochwertige und gleichzeitig günstig bewertete Aktien in DAX, MDAX, TecDAX und SDAX:

Quelle: Guidants Index-Analysen
Quelle: Guidants Index-Analysen

Für den US-Aktienmarkt gelten die folgenden Kriterien: Da die US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 20 Jahren aktuell mit 2,64 Prozent rentiert, muss die von Graham geforderte Gewinnrendite mindestens 5,28 Prozent (entspricht einem KGV kleiner 19) betragen und die Dividendenrendite mindestens 1,76 Prozent. Filtert man die im S&P 500 enthaltenen Aktien nach diesem Kriterium und sortiert wieder absteigend nach Dividendenrendite, ergeben sich zum Beispiel die folgenden Ergebnisse für qualitativ hochwertige und gleichzeitig günstige Aktien:

Quelle: Guidants Index-Analysen
Quelle: Guidants Index-Analysen

Wegen des stark gesunkenen Ölpreises finden sich viele Unternehmen aus dem Öl-Sektor unter den Ergebnissen. Besonders sicherheitsbewusste Anleger könnten diese Aktien (ebenso wie Aktien von Unternehmen aus dem Finanzsektor) ausschließen.

Die gezeigten Screenshots stammen alle aus dem Aktien-Screener der Investment- und Analysplattform Guidants. In der Basisversion kann der Screener kostenlos verwendet werden. Die Profi-Features im Screener können von den PROup- und PROmax-Usern verwendet werden. Über die vielen Vorteile der PRO-Versionen von Guidants können Sie sich hier informieren.

Autor: Oliver Baron, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de.

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Bildquelle: dieboersenblogger.de


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