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Wie Bankinstitute Eigenkapital aus dem Nichts ermöglichen

Dass Banken Geld aus dem Nichts machen können, ist vielen Leuten inzwischen bekannt. Dass es auch mit Eigenkapital funktioniert, dürfte den meisten aber neu sein. Die Credit Suisse (WKN 876800) hat es vorgemacht.

Seit der Finanzkrise haben sich die Banken dickere Eigenkapitalpolster zulegen müssen. Zuweilen griffen sie dabei aber tief in die Trickkiste und ließen sich offenbar auch von Baron von Münchhausen inspirieren. Dieser behauptete bekanntlich, er könne sich selbst samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Dem Lügenbaron nahm das keiner ab. Den Banken nähme man es schon eher ab, aber sie behaupten es nicht, sondern sie machen es einfach. Denn wer es wirklich drauf hat, braucht damit nicht zu prahlen.

Wie es theoretisch funktioniert, können sich die Leser unseres Buches bestimmt vorstellen. Dazu muss man sich nur unsere Bilanz-Beispiele ins Gedächtnis rufen. Und jetzt hat Professor Richard Werner in einem Fachartikel beschrieben, wie es die Credit Suisse in der Finanzkrise gemacht hat. Sie hat für sich selbst Eigenkapital geschaffen – aus dem Nichts.

Funktioniert hat das so: Die Credit Suisse vergab einen Kredit an arabische Investoren von umgerechnet rund 9 Mrd. Euro. Dafür musste sie nur zwei Buchungen in ihrer Bilanz vornehmen: Den Betrag als “Forderung” auf der Aktivseite einstellen und eine gleich hohe “Kundeneinlage” auf der Passivseite schaffen. Fertig.

Die Bank konnte sicher sein, dass die Investoren das Geld nicht abrufen werden. Denn die Araber verpflichteten sich, dafür neu geschaffene Vorzugsaktien der Credit Suisse zu erwerben. Hierfür war bloß eine weitere Buchung nötig, im Fachjargon “Passivtausch” genannt: Die Kundeneinlage wurde umgebucht in die Position “Eigenkapital”. Der Deal war perfekt.

Dass dies möglich ist, können unsere Leser leicht nachvollziehen. Überrascht hat mich aber ehrlich gesagt, dass es die Aufsichtsbehörden zuließen. Zumal die Credit Suisse kein Einzelfall zu sein scheint. Werner zitiert einen Bankanalysten mit den Worten, dass solche Tricks in der Finanzkrise “ziemlich gängige Praxis” waren.

Den vollständigen Aufsatz von Prof. Werner finden Sie hier.

(Quelle: Werner, R.A., A lost century in economics: Three theories of banking and the conclusive evidence, International Review of Financial Analysis (2015), S. 14 f)

BrichtaEin Beitrag von Raimund Brichta.

Seit 1992 moderiert Raimund Brichta die tägliche „TELEBÖRSE“ auf n-tv, die älteste und populärste Börsensendung im deutschen Fernsehen.
Darüberhinaus ist der Diplom-Volkswirt als Sachbuchautor, sowie als freier Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig.
Raimund Brichta ist Träger des State-Street-Preises für Finanzjournalisten 2008.

Bildquelle: Raimund Brichta/dieboersenblogger.de


2 Kommentare zu Wie Bankinstitute Eigenkapital aus dem Nichts ermöglichen

  1. Joachim Weiß // 28. Januar 2016 um 17:05 //

    Leider Unsinn, weil Banken sich damit nicht aus dem Sumpf ziehen können, da sie durch diesen „Trick“ kein haftendes Kernkapital geschaffen haben (Basel III), sondern auf der Aktiva steht weiterhin eine langfristige Forderung.
    Alles Geschriebene im Zusammenhang mit Prof. Werner ist zudem bekannterweise mit Vorsicht zu genießen.

    Gruß

  2. Warum ist diese Eigenkapitalschöpfung Unsinn?
    Ein reicher Scheich gewährt einem Geldinstitut einen Kredit indem
    eine Anleihe über 15 Mrd. US-Dollar dem Käufer angedient wird. Dass
    Kreditinstitut behält sich das Recht vor, die sogenannte Wandelanleihe
    innnerhalb einer Frist von einem Jahr in Aktien umzuwandeln. Die
    Umwandlung erfolgt aufgrund des täglichen Börsenkurses. Nach der
    Umwandlung handelt es sich um „Hartes Kernkapital“. Nur so eine
    Vorgehensweise möchten die meisten Aktionäre nicht, weil dadurch
    der Anteilswert unter Umständen verwässert würde. Hier kommt es
    sich auf die Ausgabebedingungen an?

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