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BRICdown

Es gibt ja so viele kluge Weisheiten über die Börse, und eine davon besagt, dass an derselben alles möglich ist, sogar das Gegenteil. Na Gott sei es gedankt, möchte man da ausrufen, denn nach dem schlechtesten Jahresauftakt aller Zeiten in der vergangenen Woche bedeutete dies schließlich, dass es nun – zumindest zaghaft, aber wir wollen nicht gleich wieder meckern – an den Märkten aufwärts ging. Nach einem verhaltenen Start drehten die Kurse jedenfalls zur Wochenmitte ins Plus und verzeichneten am Dienstag den zweiten positiven Tagesabschluss des Jahres 2016. Nachdem also zunächst etwas Ruhe auf dem Parkett eingekehrt zu sein schien, richtete sich der Blick selbstverständlich auf die Verursacher des Desasters. Die Schuldfrage war schnell geklärt, die Chinesen waren es. Der einstige Star unter den Emerging Markets – noch im Jahr 2010 und damit nachdem Deutschland den Titel „Exportweltmeister“ an das Reich der Mitte verloren hatte, betrug das chinesische Wirtschaftswachstum über 10 Prozent und lag damit an der Spitze der sogenannten BRIC-Staaten – hat seine Vormachtstellung schmählich eingebüßt und kommt im abgelaufenen Jahr auf lediglich 6,8 Prozent Wachstum. Oder so, denn nichts Genaues weiß man bekanntlich nicht, da durchaus Zweifel an der betreffenden Darstellung der chinesischen Machthaber angebracht sind und die vorliegenden Angaben auch nur auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds IWF beruhen. Allerdings stehen die übrigen BRIC’s ebenfalls nicht gut da:

Arme Hunde

Wendet man die berühmte „Boston Matrix“ auf Brasilien, Russland, Indien und China an, wären die vier wohl dem Feld der „Poor Dogs“ zuzuordnen. Schwund- statt Schwellenländer, und die Aussichten für die ehemaligen Anlegerlieblinge sind miserabel: Die anhaltende Rezession in Brasilien führte zur Abstufung des Landes auf Ramschniveau, die anhaltende Ölpreiskrise hat in Russland Premier Medwedew zur Warnung gezwungen, das Land müsse sich aus wirtschaftlicher Sicht auf „das Schlimmste“ vorbereiten. An Chinas Börsen wurden in der vergangenen Woche mal eben eine Billion Dollar verbrannt (dabei findet das chinesische Neujahrsfest doch erst am 08. Februar statt!?). Einzig Indien verbreitet unter den Analysten noch einen Hoffnungsschimmer – zwar hat der indische Leitindex SENSEX seit seinem 2015er-Jahreshoch vor ziemlich genau 12 Monaten bereits rund 15 Prozent verloren, in punkto Wachstum trauen die Experten dem Subkontinent allerdings am meisten zu: Etwa 8 Prozent könnten per Saldo für 2016 unter dem Strich herauskommen, da träumen nicht nur die Chinesen von! Wobei der weitere Verlauf der aktuellen Handelswoche eher einem Albtraum glich:

Absacker

Wer am Dienstag dachte, mit der Rückeroberung der 10.000er-Marke sei der DAX spät, aber nicht zu spät in den Aufwärtsmodus zurückgekehrt, den bestraften am Mittwoch die Kurse. Nach einem positiven Start drehte jenseits des Atlantiks die Wall Street ins Minus und zog dabei den deutschen Leitindex – wenn auch noch moderat – mit in die Verlustzone. Richtig dramatisch wurde es am darauffolgenden Tag, als sich die Verluste um bis zu 3 Prozent in der Spitze ausweiteten. Gut, zum Handelsschluss konnte das Börsenbarometer sein Minus auf 1,7 Prozent begrenzen, aber: Den Optimisten der Vorwoche, die an der 9.800er-Marke schon vermeinten, die Tiefststände 2016 gesehen zu haben, sei an dieser Stelle gesagt: Tiefer geht immer! Gelegentlich sogar unter null, wie die neueste Einschätzung einer Rohstoff-Expertin (Gail Tverberg) zum Thema Ölpreis beweist. Nach Ansicht der Dame könnte der Preis für das schwarze Gold im kommenden Jahr zumindest theoretisch weniger als 0 US-Dollar betragen; dann nämlich, wenn die Lagerkapazitäten vollständig erschöpft und dem Käufer von Rohöl noch Geld dafür gezahlt wird, wenn er denn ein wenig davon mitnimmt! Das klingt ziemlich verrückt, wenn es auch am Strom- und Gasmarkt durchaus gelegentlich zu solchen Inversionen kommt. So etwas ist beim Öl nicht zu befürchten, der notiert mit Kursen unter 30 Dollar je Barrel zwar auf einem 13-Jahres-Tief, allerdings drehen sicherlich die Saudis vor der Null einfach den Hahn wieder etwas zu. Zunächst dürfte sich die Talfahrt aber fortsetzen, und das gilt wohl auch für die Aktienmärkte. Der heutige Tag scheint unsere Theorie mit einem neuen Jahrestief zu bekräftigen, und auch für die kommenden Sitzungen sehen wir noch keinen Hoffnungsschimmer am Horizont!

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Bildquelle: dieboersenblogger.de / Prime Quants


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