Schlussgong: VW-Stämme raus aus dem DAX, VW-Vorzüge rein in den DAX

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Der Hexensabbat an den Terminmärkten hat heute wieder für wilde Kurssprünge gesorgt. Der DAX erlebte eine Achterbahnfahrt und schloss knapp im Minus. Im Späthandel trieben die Gewinne an der Wall Street den X-DAX jedoch wieder in die Plus-Zone. Mit 5.861 Punkten ist der X-DAX nur rund 50 Punkte vom Jahreshoch entfernt.

Der X-DAX hätte sogar dieses Niveau erreichen können, wenn nicht die VW-Stammaktien als Tagesverlierer fast 5% abgegeben hätten. Dieser Verlust kam jedoch mit Ansage: Wie ganz aktuell gemeldet wird, müssen die VW-Stammaktien den DAX verlassen und werden durch die VW-Vorzugsaktien ersetzt.

Katar hat aufgestockt, Streubesitz sinkt unter 10%

Wie hier im Schlussgong mehrfach angekündigt, kam es heute zum großen Entscheidungstag. Der VW-Großaktionär Katar musste entscheiden, ob die Optionen in VW-Stammaktien umgetauscht werden. Die Meldung kam um 13:55 Uhr: Katar hat die Optionen ausgeübt und den Anteil auf 17% erhöht. In dem Moment waren weniger als 10% der VW-Stammaktien frei handelbar.

Schlagartig kam es zu den erwarteten Kursveränderungen: Der Aktienkurs des Absteigers sank deutlich, der Kurs des Aufstiegs-Favoriten VW-Vorzüge stieg deutlich. Die VW-Vorzüge schossen von 65 auf 69 Euro in die Höhe.

Rasante Umsätze und Kursbewegungen am Nachmittag

Die Börsenumsätze waren beeindruckend. Um 14:00 Uhr kaufte ein Investor 10.000 VW-Vorzüge, um 14:19 Uhr wurden auf einen Schlag fast 15.000 Vorzüge gehandelt, um 14:23 Uhr knapp 10.000, um 14:25 Uhr glatt 18.000 und um 14:51 Uhr genau 10.000 Vorzüge. Das dürften Investoren und Fondsmanager gewesen sein, die den DAX 1:1 nachbilden und direkt die Stämme in Vorzüge umgetauscht haben.

Am späten Nachmittag kam aber plötzlich ein Gerücht auf: VW/Porsche, die zusammen gut 50% der VW-Stammaktien halten, könnten Aktien verkauft haben, um den Anteil der frei handelbaren VW-Stammaktien wieder auf über 10% zu erhöhen.

Und wieder reagierten die Investoren blitzschnell: Die Vorzüge wurden abgestoßen und der Kurs sank von 69 auf 66 Euro. Gleichzeitig stiegen die Stammaktien von 75 auf 79 Euro und erreichten fast wieder das Vortagesniveau. Bis zum Handelsende wurde das Gerücht aber nicht bestätigt. Die Stämme verloren wieder stärker, die Vorzüge gewannen leicht.

Die Börse verkündet Fakten: Wechsel am 23. Dezember

Als der Handelstag endlich beendet war, veröffentlichte die Deutsche Börse die Fakten: Der Streubesitz der VW-Stammaktien liegt bei unter 10%. Damit fliegt die Aktie am 23. Dezember aus dem DAX.

Nachfolger im deutschen Leitindex wird die VW-Vorzugsaktie. Der DAX-Platz bleibt also in der “VW-Familie”. Der Krimi ist vorbei. Eine erste Reaktion: außerbörslich kostet eine VW-Vorzugsaktie aktuell knapp über 68 Euro.

Zukunft der VW-Stämme unklar

Die DAX-Frage ist entschieden, es bleiben aber offene Punkte. Was passiert mit den restlichen VW-Stammaktien?

Werden die Aktien ein Schattendasein an der Börse fristen (dann drohen weitere Kursverluste), oder wollen die Großaktionäre alle Stammaktien einsammeln (dann könnte es ein lukratives Übernahmeangebot geben). Da diese Fragen offen sind, ist eine Kurszielbestimmung nicht möglich.

Vorzüge: Aufwärts-Potenzial mit kurzfristigen Hindernissen

Bei den Vorzügen sieht die Sache ein wenig einfacher aus. Der Trend wird nach oben gehen. Ein Kursniveau von 80 bis 100 Euro ist fundamental angemessen. Allerdings wird es keine Einbahnstraße nach oben sein.

Zum einen wird die im Dezember beschlossene Kapitalerhöhung bei der Durchführung kurzfristig für Druck sorgen, zum anderen kann Katar jetzt auch noch die restlichen Vorzugsaktien verkaufen, da der strategische Investor offensichtlich nur Interesse an den Stammaktien mit Stimmrecht (und Mitspracherecht) besitzt.

Allerdings würden eine Kapitalerhöhung (größere Liquidität) und auch ein Verkauf durch Katar (höherer Streubesitz) das DAX-Gewicht der VW-Vorzüge erhöhen. Index-Fonds müssten automatisch aufstocken, was sich positiv auswirken sollte.

VW-Vorzüge waren und bleiben der Favorit

Fazit: Die VW-Vorzüge waren in den vergangenen Monaten das bessere Investment und bieten auch zukünftig das größere Potenzial. In meinen Börsendiensten werde ich diese Gewinn-Positionen weiter halten.


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