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DAX & Co.: Ein gutes Jahr

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich mir die heutige Überschrift nicht selbst ausgedacht, sondern beim britischen Schriftsteller Peter Mayle entliehen habe. Der gute Mann mag zwar nicht unbedingt der begnadetste unter den Literaten sein, die Bücher über seine Wahlheimat Südfrankreich verdienen aber dennoch das Prädikat „lesenswert“, vor allem, wenn man eine gewisse Affinität zur Provence und dem dortigen Lebensstil in sich trägt. Doch auch Nicht-Frankophile kommen bei den witzig-charmanten Werken des Briten auf ihre Unterhaltungskosten, und wer partout nicht lesen mag, der kann sich ja gerne die gleichnamige Verfilmung des Romans „A good Year“ in einer dieser neumodischen Online-Mediatheken besorgen. Und schon sind wir beim eigentlichen Thema, dem Rückblick auf das Börsenjahr 2015, das unter dem Strich und damit – allen zwischenzeitlichen Höhen und Tiefen zum Trotz – ein wirklich gutes war. Beim DAX steht ein sattes Plus von 9,56 Prozent für 2015 zu Buche, macht vier Rallye-Jahre in Folge, und den Endstand von 10.743,01 Punkten hatten zu Beginn des Jahres schon einige Analysten so oder ähnlich auf dem Zettel. Dabei sah das zunächst gar nicht mal so gut aus:

Rekordjahr

Mit einem Punktestand von 9.805.55 Zählern startete der deutsche Leitindex ins Jahr 2015, wobei nach den beiden äußerst lukrativen Rallyeabschnitten 2012 und 2013 mit zweistelligen Gewinnen (+29,06 bzw. +25,48 Prozent) für 2014 nur noch ein mageres Plus von 2,65 Prozent erzielt werden konnte. Doch wie so oft, wenn die Skepsis überwiegt, geht es genau dann aber mal richtig aufwärts. Auslöser für die beispiellose Rallyebewegung Anfang des Jahres war die Ankündigung Mario Draghis, ab März ein ebenfalls beispielloses Anleihekaufprogramm mit einem Volumen von über 1 Billion Euro (Stand Januar 2015) zu starten. Damit startete eine Rekordjagd, in der der DAX zunächst die 10.000er-Marke zurückeroberte, anschließend auf direktem Weg auch die 11.000er-Hürde übersprang und schließlich am 10. April bei sagenhaften 12.391,75 Punkten den allerhöchsten Höchststand aller Zeiten erreichte. Etwaige exogene Störfaktoren wie Eurokrise oder der drohende Grexit – wir erinnern uns heute noch gerne an den damaligen griechischen Finanzminister Varoufakis und seine tolle Unterhaltungsshow – wurden auf dem Parkett dabei völlig ignoriert. Das änderte sich erst im Sommer (auch der übrigens rekordverdächtig). Jetzt übernahmen nämlich die Chinesen das Nachrichtenzepter, und die Meldungen, die da aus Fernost zu uns drangen, waren alles andere als vertrauenerweckend – Börsencrash und Konjunktureinbruch lauteten die Schlagworte, die den DAX im August wieder unter die 10.000er-Marke abstürzen ließen. Im Herbst dann sorgte ein hausgemachter Skandal für weitere Kursverluste – die Abgasmanipulationen bei VW zogen den gesamten Markt in die Tiefe, genauer auf das Jahrestief bei 9.325,05 Punkten. Wer also das Allzeithoch vom April als Kaufsignal interpretiert hatte und sich zu einem Einstieg beim Index hat verleiten lassen, der musste Ende September ein Minus von über 3.000 Zählern bzw. rund 25 Prozent verkraften. Doch wofür hat man schließlich Freunde:

That’s what friends are for

Einmal mehr wurde Mario Draghi zu aller Anleger Liebling. Mit der Erneuerung seines im Sommer 2012 gegebenen Versprechens, wirklich alles zu tun, um den Euro (wahlweise auch gleich die ganze Welt) zu retten und der (eher vage formulierten) Aussicht auf eine Ausweitung der Anleihekäufe riss der EZB-Präsident das Ruder noch einmal herum und brachte die Märkte wieder auf Kurs – mit dem zweitstärksten Oktoberergebnis aller Zeiten (+12,32 Prozent, nur) setzte der DAX eine weitere Duftmarke in diesem Jahr der Superlativen. Dieser zweite Rallyeabschnitt des Jahres 2015 konnte allerdings nicht an die Ergebnisse vom Frühjahr anknüpfen. Ein mit -5 Prozent für seine Verhältnisse miserabler Dezember (auch da hatte Draghi seine Hände im Spiel, diesmal allerdings weit weniger erfolgreich) verhinderte, dass aus einem guten ein noch besseres Jahr wurde. Stellt sich zum Schluss eigentlich nur noch die Frage: was kommt, was geht, was bleibt? Wir glauben: Die Geldschwemme der EZB wird uns auch über 2016 hinaus erhalten bleiben. Dadurch wird es an den europäischen Märkten tendenziell weiter aufwärts gehen, allerdings kann es durchaus zu einer noch höheren Volatilität als 2015 kommen.

PrimequantsEin Beitrag von Prime Quants

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse / Prime Quants


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