Der DAX kann nicht ohne den Euro! Oder doch?

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Gefühlt muss der Euro derzeit für eine ganze Menge an unschönen Dingen herhalten. Zum Beispiel dafür, dass der DAX nicht steigt. Wahr oder falsch?

Für Bewegungen im Deutschen Aktienindex muss zuletzt immer wieder der Euro herhalten. So las ich heute früh beispielsweise wieder „…Gestern hatte der als Folge der jüngsten EZB Sitzung wieder stärkere Euro den DAX in die Knie gezwungen…“. Ich weiß nicht warum, aber bei solchen Sätzen bekomme ich immer Bauchschmerzen. Die Frage ist, ob diese berechtigt sind oder nicht und da mir zuletzt für Bewegungen im DAX immer wieder der Euro als Begründung angeboten wurde, ist es an der Zeit, der Sache einmal auf den Grund zu gehen.

Nähern wir uns dem Thema zunächst von einer rein technischen Seite. Das Stichwort hier heißt Korrelation und zum Glück für uns, lässt sich diese sehr einfach messen. In Abbildung 1 sehen Sie oben den DAX, darunter den EUR und im dritten Fenster die Korrelation beider über die letzten 15 Jahre.

Quelle: Guidants Index-Analysen
Quelle: Guidants Index-Analysen

Die Korrelation ist dabei definiert als:

„… die Beziehung zweier statistischer Größen zueinander. In der technischen Analyse werden meistens die Zeitreihen von Wertpapieren, Rohstoffen oder Devisen miteinander verglichen. Laut Wikipedia.de wird mit Hilfe der Korrelation beschrieben, ob und wie eine statistische Größe eine andere statistische Größe beeinflusst. Weil die Erläuterung so wunderbar zu lesen ist, möchte ich die „je mehr/weniger desto mehr/weniger“ Erläuterungen nicht unterschlagen. „Je mehr grünes Futter, umso mehr fette Kühe!“ Eine direkte Korrelation besteht. Wobei „je weniger Störche umso weniger Kinder“, keine beweisbare Aussage ist. Kinder und Störche hängen zumindest laut Wikipedia.de nicht direkt miteinander zusammen.“ (Quelle: Tradesignal)

Skaliert wird die Korrelation in einer Werteskala von +1 bis hin zu -1. Bei einer +1-Korrelation haben die beiden verglichenen Reihen eine gleichgerichtete, sehr starke Korrelation. Sie sind nahezu deckungsgleich. Eine Korrelation von -1 beschreibt einen sehr starken negativen Zusammenhang. Steigt die eine Zeitreihe, fällt die andere in ähnlich starkem Umfang. Eine Korrelation um Null hingegen zeigt keinen direkten Zusammenhang beider Reihen.

Vor diesem Hintergrund können wir aktuell zwischen dem EUR und dem DAX tatsächlich einen gewissen Zusammenhang ausmachen. Die Korrelation liegt aktuell bei -0,53. Diese ist nicht unglaublich stark, aber auch nicht gar nicht vorhanden.

Dies ist sicher Wasser auf die Mühlen derjenigen, die den Euro für Bewegungen im DAX oder ausbleibende in diesem verantwortlich machen. Aber der Vergleich in Abbildung 1 zeigt noch mehr, vor allem auch, dass man mit diesem Ansatz vorsichtig sein muss. Die Korrelation selbst schwankt sehr stark. Mehrheitlich liegt sie zwar im negativen Bereich, aber zeigte über die letzten Jahre eine Bandbreite von ca. -0,65 bis hin zu +0,75.

So einfach wird es also nicht, um DAX Prognosen aus dem Euro abzuleiten. Es ist durchaus möglich, dass der Euro aufwertet (steigt) und auch der DAX mitzieht. Man schaue sich nur einmal die Zeit von 2003 bis 2008 an. In beiden Werten ist in der Summe ein Bullenmarkt auzumachen. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die Korrelation für diesen Zeitraum größtenteils eine negative Korrelation errechnet. Dies ist kein Widerspruch in sich, denn im Kleinen stieg der Euro vielleicht, während der DAX fiel und umgekehrt, aber in Summe erzeugte dies trotzdem in beiden Werten positive Trends.

Zudem möchte ich einen weiteren Aspekt ansprechen: Welchen Mehrwert bringt mir der EUR/USD für Entscheidungen im Deutschen Aktienindex, selbst dann, wenn ich unterstelle, dass der DAX nur steigt, wenn der Euro schwächelt? Selbst wenn ich die negative Korrelation als Gesetz annehme, ist der Mehrwert eingeschränkt. Warum? Weil der zeitliche Versatz fehlt. Höchst interessant wäre es, den Euro für Entscheidungsfindungen im DAX mit heranzuziehen, wenn der Euro ein Vorläufer wäre. So könnte man Kauf- und Verkaufssignale im Euro nutzen, um sich vor dem eigentlichen Signal im DAX in Gegenrichtung zu positionieren (bei aktuell negativer Korrelation). Aufgrund der Signallage im Euro weiß ich quasi schon, was morgen im DAX passieren wird. Das wäre wirklich eine grandiose Sache. Da der Vorlaufcharakter jedoch fehlt, kann die Korrelation „lediglich“ als bestätigendes Argument genutzt werden. Liegt bspw. ein Kaufsignal im DAX vor, hätte dieses eine höhere Chance, wenn im Euro gleichzeitig ein Verkaufssignal aktiv ist. Dass diese Logik wenn überhaupt, nur temporär funktioniert, haben wir oben bereits festgestellt. Dafür schwankt die Korrelation historisch gesehen einfach zu stark, sie verändert sich.

Zusammenfassung: Im täglichen Auf und Ab der Kurse brauchen wir eine Orientierung und je logischer diese klingt, desto mehr Vertrauen haben wir in unser Tun. Schlagzeilen wie „…Gestern hatte der als Folge der jüngsten EZB Sitzung wieder stärkere Euro den DAX in die Knie gezwungen…“ lesen sich nicht nur gut, sondern erzeugen eine Ursache-Wirkungskette, die ein solches Vertrauen aufbaut. Dass es sich dabei aber um ein wackliges Konstrukt handelt, konnten wir mit Betrachtung der Korrelation feststellen. Wer hat zudem festgelegt, dass die Eurobewegungen den DAX bestimmen und nicht umgekehrt? So könnten bspw. Ausländer den deutschen Markt als höchst attraktiv empfinden und wollen unbedingt dabei sein. Dafür brauchen Sie Euros. Haben wir zudem in D. noch höhere Zinsen als bspw. in den USA, dann gäbe es einen weiteren Anreiz, den DAX zu kaufen. Damit hätten wir im Euro und DAX nicht nur eine positive Korrelation, sondern auch eine umgekehrte Logik. Weil alle den DAX kaufen wollen, steigt auch der Euro.

Mit den obigen Zeilen nehmen wir einen konträren Standpunkt zur mir derzeit populär erscheinenden Sichtweise ein. Ich bin mir bewusst, dass auch dieser konträre Standpunkt nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Vielmehr wollte ich aufzeigen, dass es an der Börse nicht nur schwarz und weiß gibt. Von sicheren Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten ganz zu schweigen. Der Beitrag sollte Sie zudem sensibilisieren, immer den Grundsätzen des Risiko & Moneymanagements zu folgen, auch wenn sich Begründungen für einen konkreten Trade noch so gut und sicher anhören. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und wer noch Lust hat, schaut einfach bei mir im Stream vorbei. Unter gleichem Titel finden Sie dort einen Beitrag. Ich freue mich auf Ihre Meinungen.

Autor: Rene Berteit, Charttechnischer Analyst bei GodmodeTrader.de.

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