Showdown

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Vergessen Sie New York, und vergessen Sie auch London – wenn eine Stadt der Nabel der Finanzwelt ist, dann ja wohl Frankfurt am Main! Diesen Eindruck konnten zumindest all jene gewinnen, die – wie mein Kollege Sebastian Hoffmann und ich – am vergangenen Wochenende in Mainhattan auf der WoT zu Gast waren. Wo bzw. what? Na WoT, das heißt ausgeschrieben World of Trading und dahinter verbirgt sich eine Fachmesse für alle Trader (und solche, die es gerne werden wollen). Neben zahlreichen interessanten Seminaren und Vorträgen stand für uns natürlich der Austausch mit Kunden und Geschäftspartnern ganz oben auf dem Programmzettel, und wir hatten jede Menge Spaß daran, alte Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen. Einer der unbestrittenen Höhepunkte unserer Dienstreise in die Mainmetropole fand allerdings abseits der WoT statt – das Abendessen beim besten Sarden der Stadt war wirklich sensationell, falls Sie demnächst in Frankfurt zu tun haben und noch einen Tipp gebrauchen können: Ristorante No. 16 in der Wiesenstraße 52, bon appetitu! Kulinarisch betrachtet liegt die Latte damit jetzt schon sehr hoch, doch ein weiteres Highlight war für uns, ganz klar die Möglichkeit, mit Ihnen während der WoT ins Gespräch zu kommen. Dabei war vor allem ein Thema immer wieder gefragt:

Zinswende

Müssen wir uns wegen der Zinserhöhung in den USA denn nun eigentlich Sorgen machen oder nicht? Wir haben dazu, kaum dass wir wieder bayerischen Boden unter den Füßen hatten, eine entsprechende Auswertung erstellt, die wir Ihnen hier nun präsentieren wollen. Als Grundlage diente uns im oberen Teil der Grafik die Kursentwicklung des Dow Jones seit 1900, wobei es in diesem Zeitraum insgesamt 18 Änderungen der Zinspolitik in Form eines neuen steigenden Zinszyklus gab. Der Beginn dieser Zinsanhebungsphase schlug sich erwartungsgemäß im Markt nieder, an Tag Eins nach einer Zinserhöhung fiel der Dow Jones beispielsweise in 61,11 Prozent der Fälle und gab dabei durchschnittlich -0,73 Prozent ab, womit die Gesamtrendite im Mittel -0,27 Prozent ausweist. Zum Vergleich, und damit zum unteren Teil der Grafik: normalerweise können Sie im Dow Jones nach einem Tag Haltedauer mit einer Wahrscheinlichkeit von 51,87 Prozent damit rechnen, einen Gewinn in Ihrer Position zu erzielen, die Durchschnittsrendite beträgt hier +0,74 Prozent, macht eine Gesamtrendite von +0,03 Prozent.

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Auch nach 2, 5 und 21 Tagen Haltedauer bleibt die Bilanz nach einer Zinsanhebung negativ, was die Ängste der Anleger vor einer entsprechenden Maßnahme der Fed offenbar rechtfertigt. Nein, denn schon nach drei Monaten dreht sich das Bild: Wer seine an Tag Eins nach der Zinserhöhung gekaufte Position bis dahin gehalten hat, kann zwar nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 44,44 Prozent mit steigenden Kurse rechnen, sich dafür aber an diesen über eine durchschnittliche Rendite von 11,02 Prozent freuen. Der „jeder-Tag-ist-Kauftag“-Stratege punktet zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 63,54 Prozent, die Rendite dabei fällt mit 6,33 Prozent im Mittel jedoch deutlich geringer aus. Unter dem Strich, nämlich in Sachen Gesamtrendite, macht sich der Effekt einer Zinserhöhung sogar positiv bemerkbar, und das gilt auch für die Haltedauer von einem halben bzw. einem ganzen Jahr. Die Schwarzmalerei in den Medien ist demnach übertrieben, kurzfristig mag der Markt zwar negativ reagieren, spätestens nach einem Vierteljahr ist dieser Drops aber gelutscht! Mal ganz abgesehen davon, dass eine Zinsanhebung in den USA hierzulande durchaus einen weiteren Rallyeschub initiieren könnte:

Erntedank

Die Rechnung ist einfach – wer keine Lust auf die US-Zinswende hat, der flüchtet mit seinem Kapital nach Europa, am liebsten nach Deutschland. Dank der EZB bleiben in good old Europe die Geldschleusen vermutlich weiterhin ganz weit geöffnet, und dieser Divergenz zur US-amerikanischen Notenbankpolitik macht die Märkte der Alten Welt möglicherweise gleich nochmal so attraktiv. Ob das auch stimmt, werden wir in der kommenden Woche schon einmal beobachten können, denn dann (bitte vormerken: 3. Dezember!) will die Europäische Zentralbank ihre Beschlüsse zu einer Ausweitung der ohnehin schon extrem expansiven Geldpolitik verkünden. Bislang zumindest herrschte bei DAX & Co fröhliche Festtagsstimmung, und das, obwohl Thanksgiving hierzulande doch gar nicht gefeiert wird! Sei es drum, nach anfänglichen Startschwierigkeiten zum Wochenbeginn legte der deutsche Leitindex im weiteren Verlauf jedenfalls ordentlich zu und drang justament am amerikanischen Feiertag bis in den Widerstandsbereich zwischen 11.300 und 11.500 Punkte vor. Schön! Aber: Damit ist das Rallyepotenzial aus technischer Sicht eigentlich erschöpft. Ein Großteil des jüngsten Anstiegs dürfte zudem den Spekulationen um Draghis neue Wunderwaffe geschuldet sein – wenn er denn eine solche am kommenden Donnerstag auspackt. Wir lassen uns bekanntlich ja ganz gerne überraschen, allerdings würde es uns nicht wundern, wenn die Ernte des Jahres 2015 schon jetzt mit dem aktuellen Rallyeschub eingefahren wurde!

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