Schlussgong: Warnung – Dubiose Übernahmeangebote bedrohen Ihr Kapital

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Die Aktienmärkte befinden sich weiterhin auf Erholungskurs. DAX, Dow Jones und S&P 500 konnten leicht zulegen. Schwächer tendierten dagegen die Technologie-Aktien. TecDax und Nasdaq gingen mit Verlusten in das Wochenende.

Nach den Tiefschlägen aus Dubai, Griechenland und Spanien wären am Ende dieser Woche auch deutlich tiefere Kurse möglich gewesen. Wenn ein Index wie der DAX trotz der Krisen nur gut 100 Punkte unter dem Jahreshoch notiert, ist das ein Zeichen von Stärke. Es gibt nur einen geringen Abgabedruck. Nach 2 oder 3 schwachen Tagen schlagen die Schnäppchenjäger wieder zu.

Viele Abzocker und Betrüger unterwegs

Ganz besondere Schnäppchen wollen offensichtlich einige dubiose Unternehmen machen, die Übernahmeangebote an Aktionäre verschicken. Oft geht es um Rohstoff-Aktien. So laufen ganz aktuell Übernahmeangebote für die Aktien von Pan American Silver und Monument Mining.

Die Personen und Unternehmen, die die Übernahmeangebote unterbreiten, werben mit hohen Aufschlägen auf den aktuellen Kurs. Der Trick dabei: Es wird kein Bargeld geboten, sondern andere Wertpapiere, die angeblich viel mehr wert sind als die Aktien von Pan American Silver und Monument Mining.

Um es ganz klar zu sagen: Es handelt sich fast immer um Abzockerei. Werthaltige Aktien sollen billig eingesammelt werden. Die angebotenen Wertpapiere besitzen dagegen oft nur einen sehr zweifelhaften Wert.

Mit diesen drei Kriterien schützen Sie sich vor den Abzockern

Ich werde hier im Schlussgong nicht auf die Details der oben genannten Übernahmeangebote eingehen. Aus rechtlichen Gründen möchte ich auch nicht beurteilen, ob es seriöse oder zweifelhafte Angebote sind. Das können Sie mit den 3 folgenden Kriterien testen. Wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden, sollten Sie die entsprechenden Angebote nicht annehmen.

1) Ist der Wert des Übernahmeangebots objektiv messbar?

Betrüger und Abzocker bieten kein Bargeld, sondern fast immer unbekannte Wertpapiere als “Übernahmepreis”. Zum Teil sind es Aktien, die noch nicht an der Börse notieren, aber angeblich in wenigen Wochen oder Monaten an der Börse zugelassen werden. Fast immer wird eine Prognose abgegeben, wo dann der erste Aktienkurs liegen wird. Es wird Sie nicht sehr überraschen, dass diese Kursziele völlig utopisch sind. Daher der dringende Rat: Tauschen Sie nie liquide, börsengehandelte Aktien in andere Wertpapiere, die Sie (noch) nicht täglich an der Börse kaufen und verkaufen können. Börsenkurse sind Marktpreise. Nur mit diesen Marktpreisen können Sie den tatsächlichen Wert eines Übernahmeangebots messen.

2) Überprüfen Sie die Historie der Aktie

Da das Prüf-Kriterium 1 auch den Abzockern und Betrügern bekannt ist, nutzen diese oft einen Trick. Sie erwerben oder gründen eine quasi wertlose Aktiengesellschaft und treiben durch gezielte Käufe den Aktienkurs auf das gewünschte Niveau (zum Beispiel 2 Euro). Da die Abzocker alle Aktien besitzen, können sie den Aktienkurs leicht in diese Richtung manipulieren. Im nächsten Schritt wird den Aktionären einer werthaltigen AG ein Übernahmeangebot unterbreitet: Wir übernehmen die Aktien, die 1 Euro kosten (ist im Rohstoffsektor nicht ungewöhnlich) und geben dafür eine Aktie, die 2 Euro wert ist. Als Belege werden ein Kurzfrist-Chart und der aktuelle Aktienkurs beigefügt. Das Problem: Sobald der Umtausch der Aktien erfolgt ist und die Anleger, die 2-Euro-Aktie verkaufen wollen, merken sie, dass es keine Käufer gibt. Und wenn es doch Käufer gibt, dann bieten diese nur ein paar Cent. Meine Empfehlung: Wenn Ihnen eine andere börsennotierte Aktie als “Tauschobjekt” angeboten wird, sollten Sie unbedingt den langfristigen Chart dieser Aktie überprüfen (mindestens 1 Jahr, besser 3 oder 5 Jahre). Dann können Sie feststellen, ob der Aktienkurs einige Wochen oder Monate vor dem Übernahmeangebot in kurzer Zeit in die Höhe getrieben wurde. Das ist ein klares Warnsignal. Das gilt auch, wenn die Aktie erst wenige Wochen an der Börse notiert. Vorsicht Falle!

3) Prüfen Sie die Bilanzen

Es ist kein Zufall, dass sich die Betrüger und Abzocker oft Rohstoff-Aktien als Zielobjekt aussuchen. In der Rohstoffbranche gibt es auch zahlreiche seriöse Übernahmen. Da fallen die Betrugsfälle nicht so schnell auf. Übernahmeangebote bringen oft hohe Gewinne und daher kann es passieren, dass Aktionäre nicht mehr jedes Angebot sorgfältig prüfen. An der Börse wird aber kein Geld verschenkt! Schauen Sie genau hin! Meine Empfehlung: Überprüfen Sie (zum Beispiel im Internet) mindestens die letzten 1 bis 2 Geschäftsberichte (Bilanzen) der Unternehmen. Weisen diese Unternehmen nennenswerte Umsätze und Gewinne aus? Ist es glaubwürdig, dass diese Unternehmen Konkurrenten übernehmen können? Das hört sich nach viel Arbeit an, aber in 8 von 10 Fällen dauert diese Prüfung keine 5 Minuten. Sehr oft machen sich die Abzocker erst gar nicht die Mühe, eine Bilanz zu “erfinden”. Und wenn es doch eine Bilanz einer Firma gibt, dann weisen diese Unternehmen oft nur vier- oder fünfstellige Jahresumsätze aus. Völlig unglaubwürdig, dass eine solche Firma eine große Übernahme meistern kann. Finger weg von solchen Angeboten!

Noch ein letzter Hinweis: Viele Leser, die von mir eine negative Einschätzung des Übernahmeangebots erhalten haben, entgegnen, dass das Angebot doch seriös sein muss, da die Übernahmeunterlagen von der Hausbank gekommen sind. Aber: Banken sind verpflichtet, alle Übernahmeangebote an die entsprechenden Aktionäre zu schicken. Es findet keine inhaltliche Prüfung statt. Die Banken haben hier nur eine Boten-Funktion. Das ist kein Qualitätsbeweis!

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Tipps im heutigen Schlussgong helfen kann, zukünftig einige Fallen im Börsen-Dschungel zu umgehen. Genießen Sie das Wochenende!


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