Liberté

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Um es gleich vorweg zu nehmen – als ich in der vergangenen Woche an genau dieser Stelle von meiner dunklen Ahnung schrieb, dachte ich nicht im Traum daran, dass nur wenige Stunden später tatsächlich Dinge geschehen könnten, die einen schwarzen Schatten des Terrors und der Trauer über uns alle werfen würden. Die Ereignisse von Paris bedeuten eine Zäsur, einen Einschnitt, und auch wenn der bayerische Innenminister Söder mit seiner Verlautbarung, Paris ändere alles, thematisch völlig daneben liegt, bleibt festzustellen, dass an jenem Freitag, dem 13. November 2015 die Welt eine andere wurde. Wie sich das in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren auswirken könnte, darüber lässt sich nur spekulieren. Doch daran werden wir uns nicht beteiligen. Unsere Aufgabe ist es, für Sie die Märkte zu beobachten und das Gesehene zu kommentieren. Diese Freiheit nehmen wir uns auch weiterhin. Und so wenden wir uns, trotz und wegen aller Betroffenheit und Solidarität mit den Franzosen, jetzt wieder dem eigentlichen Thema dieses Editorials zu – den Börsen und dem Verlauf dieser Handelswoche an denselben. Schließlich ging es auf dem Parkett in den jüngsten Sitzungen drunter und drüber, oder besser runter und rauf:

Egalité

Ein unter Anlegern wohlbekanntes Sprichwort besagt, dass politische Börsen kurze Beine haben, und dass daran viel Wahres dran ist, zeigte sich gleich zu Wochenbeginn. Nachdem die Märkte am Montag zunächst deutlich schwächer eröffneten und damit auf ihre Weise Paris Tribut zollten, setzten sich schon am Mittag die Käufer durch und gingen zur Tagesordnung über. Aus technischer Sicht wurde dabei im DAX ein mustergültiges Kaufsignal generiert, denn mit Eröffnungskursen um 10.600 Zähler wurde endlich dieses leidige Gap geschlossen, das seit einigen Wochen wie ein Damoklesschwert über dem nächsten Rallyeschub hing. Die logische Konsequenz: Sobald die Lücke zu war, kraxelten die Kurse nach oben. So weit, so vorhersehbar. Allerdings endete auch diese Kletterpartie, wie so oft, zunächst an der 11.000er-Marke. 10.971 Punkte standen am Dienstag als Tageshoch und gleichzeitigen Schlusskurs auf der Anzeigetafel, bevor es nachbörslich wieder abwärts ging. Tags drauf ging es dafür andersherum…schwach im regulären Handel, aber kaum war der beendet, gab der DAX Gas. Der deutsche Leitindex marschierte im Gleichschritt – und damit ganz im Sinne der vorstehenden Zwischenüberschrift – mit seinem amerikanischen Pendant Dow Jones aufwärts. Letztgenannter überquerte bei diesem Marsch sogar seine 200-Tage-Linie, was dem DAX erst einen Tag später und auch nur vorübergehend gelang, aber – und dieses ABER sollte unbedingt in Großbuchstaben geschrieben werden – immerhin knackte das deutsche Börsenbarometer am späten Mittwochabend erstmals seit dem 17. August die 11.000er-Marke! Gut, das war zwar „nur“ außerbörslich, der Schwung hielt dennoch an:

Fraternité

Die positive Tendenz setzte sich gestern nämlich fort, und mit einem Tageshoch bei 11.151 Zählern gelang dem DAX tatsächlich auch der Sprung über den GD200. Damit generierte der Index zum ersten Mal seit drei Monaten – am 18. August rutschten die Kurse unter den langfristigen Durchschnitt – ein starkes Kaufsignal. Und das, obwohl seitens der EZB doch noch gar keine neuen geldpolitischen Lockerungen versprochen wurden! Was uns das sagt? Ganz klar – der Market Mover dieser Woche waren die anderen, die Brüder (und Schwestern natürlich) von der Notenbank jenseits des großen Teichs. Mit ihrer Aussage, die Zinsen noch im Dezember (geringfügig) erhöhen zu wollen, geht die Fed einen Schritt weiter in Richtung jener Klarheit, die sich die meisten Markteilnehmer bereits seit Monaten wünschen. Damit ist der Weg für den nächsten Rallyeabschnitt frei, und zumindest im DAX spielt auch die Charttechnik perfekt mit: Mit dem Ausbruch über die 200-Tage-Linie bei 11.070 Zählern knackte der DAX auch die mittelfristige Abwärtstrendgerade, die vom Allzeithoch im April ausgehend jetzt exakt mit dem GD200 zusammentraf. Der Index hat damit hochoffiziell, nämlich auf Schlusskursbasis, drei wichtige Hürden auf einmal genommen – die wichtige 11.000er-Marke überrannt und anschließend sogar den Doppelwiderstand aus 200-Tage-Linie und 2015er-Abwärtstrendgerade überboten. Der heutige Handelsverlauf bestätigt eindeutig diese bullishen Signale, und es sieht ganz danach aus, als ob der entscheidende Impuls für die Jahresendrallye 2015 nun erfolgt sei!

PrimequantsEin Beitrag von Prime Quants

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