Um 10: DAX kämpft gegen den Abwärtsdruck – Zahlreiche Faktoren belasten

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Die gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine Zinswende in den USA, schwache Daten aus China und Befürchtungen, dass die EZB die erhoffte QE-Ausweitung im Dezember doch nicht durchzieht, das alles belastet aktuell die Stimmung an den Aktienmärkten.

Dabei kann alles stets von zwei Seiten betrachtet werden: Stimuli-Hoffnung aus China gegenüber globalen Konjunktursorgen, Schwacher Euro versus sinkende Wahrscheinlichkeit einer handelnden EZB, und ein boomender US-Arbeitsmarkt versus dem Gegenwind für US-Unternehmen durch einen starken Dollar. Aktuell aber überwiegen die Zweifel, wobei aber auch eine Rolle spielen dürfte, dass bereits durch die Rally im Oktober jede Menge Optimismus eingepreist wurde.

China dürfte diese Woche weiter im Fokus bleiben, nachdem die Erzeugerpreise und die Inflationsentwicklung enttäuschten. Zusätzliche Stimuli würden die Marktteilnehmer erfreuen, aber eine erneute Abwertung des Yuan könnte an den Märkten wieder für eine größere Unsicherheit sorgen. Durch die Koppelung des Yuan an den US-Dollar wurde mit der letzten Dollar-Rally die komplette Abschwächung des Yuan gegen Euro und Yen durch den Abwertungsschritt im August zunichte gemacht. Damit ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Abwertung des Yuan in den kommenden Wochen wahrscheinlicher geworden.

Am deutschen Aktienmarkt haben die gestern veröffentlichten Äußerungen ungenannter EZB-Ratsmitglieder das Risiko einer zu großen Zuversicht der Marktteilnehmer gegenüber einer QE-Ausweitung offengelegt. Dass diese Notenbanker eine Senkung des Banken-Einlagesatzes als die am wenigsten umstrittene geldpolitische Maßnahme für Dezember bezeichneten, liefert eventuell einen Hinweis darauf, dass sich die EZB angesichts eines Euro auf einem neuen 6,5-Monats-Tief gegen den Dollar vorerst weiter zurückhalten könnte. Der Handlungsdruck ist auf jeden Fall gesunken.

Die Industrieproduktion in Frankreich lieferte heute Morgen ein positives Konjunktursignal für die Eurozone. Sollten die italienischen Zahlen daran anknüpfen, könnten die Wachstumszahlen aus der Eurozone, die am Freitag veröffentlicht werden, beruhigend wirken, was den Einfluss der chinesischen Schwäche auf die europäische Konjunktur anbelangt. Dies würde wiederum aber auch das Argument der EZB etwas entkräften, die als Risiko für die Eurozone auf die Schwellenländer verweist.

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Aus charttechnischer Sicht testet der DAX aktuell die untere Kanallinie vom 23.Oktober sowie eine kurzfristige Aufwärtstrendlinie vom 14. Oktober. Wenn diese potenziellen Unterstützungen nicht verteidigt werden können, dann droht auf der Unterseite der Test der 10.680-Punkte-Marke. Der jüngste Fehlausbruch über 11.000 Zähler erhöht dieses Risiko noch. Erst bei einem nachhaltigen Anstieg über 11.000 und einer Zurückeroberung der 200-Tage-Linie um 11.070 Zähler rückt die 11.260 wieder in den Fokus.

Andreas PaciorekEin Beitrag von Andreas Paciorek

Er ist Market Analyst Germany & Austria beiCMC Markets, Frankfurt.
Davor arbeitete er bei der Bank of Tokyo Mitsubishi in Frankfurt sowie bei der Varengold Bank. Paciorek hat ein Diplom der Universität Bonn im Bereich Regionalwissenschaften Japan mit Schwerpunkt Wirtschaft.

Bildquellen: CMC Markets / dieboersenblogger.de


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