Irgendwo in Amerika

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Vor einigen Jahren hatte mir einer meiner früheren Kollegen von einem Familientreffen erzählt – einer Story, wie sie sich überall auf der Welt hätte zutragen können. So verbrachte K. damals mit seinen beiden Geschwistern und deren Kindern einige Zeit im Hause seiner Eltern, irgendwo in den Vereinigten Staaten. Ich konnte mir richtig gut ausmalen, wie er sich im Hochgefühl des Urlaubs auf der Couch vor dem Fernseher räkelte, als seine ältere Schwester ins Wohnzimmer rauschte und ihn fast schon tadelte: „Du fauler Sack. Komm, steh‘ auf! Lasst uns alle etwas Nettes unternehmen und zum Aquapark fahren“. Obwohl K. keine besondere Lust hatte, seinen bequemen Platz auf dem Sofa gegen einen wahrscheinlich anstrengenden, zweitägigen Familienausflug inklusive Übernachtung einzutauschen, riss er sich zusammen und unterwarf sich brav der Familienräson.

Eigentlich hatten alle schon eine böse Vorahnung, als es losgehen sollte. Denn im recht weit entfernt gelegenen Aquapark waren sie schon im vergangenen Jahr einmal gewesen – aber richtig toll war es nicht. K‘s Schwester hatte ihre Gefolgsleute indes gut im Griff. Eine Rebellion anzuzetteln wäre zwecklos gewesen. Und so schlossen sich die anderen Familienmitglieder, vielleicht auch, um die große Schwester nicht zu verärgern, widerspruchslos deren Vorschlag an. Irrigerweise schien jeder zu glauben, die Entscheidung sei ohnehin schon längst gefallen. Am Ende war es also der vermeintliche Konsens (Illusion of consensus), der die Familie wider alle Bedenken in Richtung Aquapark aufbrechen ließ.

Schon kurze Zeit später kam, was einfach kommen musste. K‘s Vater fühlte sich schon bei der ersten Rast in einem so genannten familienfreundlichen Restaurant über den Tisch gezogen, weil die Portionen zu klein waren…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

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