Schlussgong: Gold – Kurzfristig angeschlagen, aber danach ein Pflichtkauf

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Erst Dubai, dann Griechenland und heute Spanien. Die Länder-Krisen verhindern an den Aktienmärkten eine Jahresendrally. Teilweise gibt es sogar heftige Blitzeinschläge. So hat der österreichische Leitindex ATX heute über 4% verloren. Damit hat die Börse Wien, die gestern geschlossen war, die Vortagesverluste der internationalen Börsen nachgeholt und sogar deutlich übertroffen.

Anders sah es an der Wall Street aus. Lange konnten sich die Investoren nicht richtig entscheiden, aber im Endspurt gewannen Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 ein paar Punkte. Es ist fast immer das gleiche Bild: An den europäischen Börsen gibt es heftige Ausschläge nach oben und unten und die US-Börsen gehen ihren ruhigen Weg.

Am Ende des Jahres ist das Ergebnis ähnlich, aber der Weg zum Ziel hat viel weniger Nerven gekostet. Bedauerlich, dass die Dollar-Problematik US-Investments für europäische Anleger so schwierig macht.

Marode Staatsfinanzen stützen kurzfristig den Dollar und schwächen Gold

Da sich der Dollar heute wieder fester präsentiert hat, gab im Gegenzug der Goldpreis nach. Innerhalb weniger Tage ist der Goldpreis um 100 Dollar gefallen. Irgendwann musste der Rückschlag kommen, aber der Auslöser des Schwächeanfalls macht die Sache wieder kompliziert.

Gestern hat das EU-Land Griechenland sein A-Rating verloren, heute wurde die Kreditwürdigkeit des EU-Landes Spanien von “stabil” auf “negativ” gesenkt. Das wird eine echte Bewährungsprobe für die EU und für den Euro.

Auf der anderen Seite: Welcher Investor, der sich ernsthaft mit wirtschaftlichen Daten befasst, vertraut noch den Rating-Noten? Die gefährdeten Schrott-Investments in den Bankbilanzen verfügten oft noch kurz vor der Finanzkrise über das beste Rating AAA. Die US-Staatsschulden werden heute noch mit AAA bewertet. Ich persönlich würde eine US-Staatsanleihe mit 30 Jahren Laufzeit und Mini-Zins-Kupon in der aktuellen Situation nicht einmal mit der Kneifzange anfassen.

Wenn es am Anleihenmarkt hohe Geldabflüsse gibt, wird der Goldpreis explodieren

Was passiert aber, wenn die Kreditwürdigkeit der Industrienationen tatsächlich in Frage gestellt wird? Der Anleihenmarkt ist riesig – rund doppelt so groß wie der Aktienmarkt. Das bedeutet: Wenn die Zweifel an der Kreditwürdigkeit steigen und das zu Umschichtungen führt, wird die pure Masse dafür sorgen, dass die Preise in den anderen Anlageklassen steigen werden.

Gold ist aus meiner Sicht die natürliche Anlage-Alternative, wenn ein Investor Angst vor Staats-Pleiten und Währungsreformen hat. Wird aus den kleinen Brandherden Griechenland und Spanien ein Flächenbrand, wird das den Goldpreis in völlig neue Dimensionen führen. Weltweit wurden rund 85 Billionen Dollar in Anleihen investiert. Wenn davon 2 bis 3% zusätzlich in den Goldmarkt fließen, kann eine Unze Gold schnell 2.000 USD und mehr kosten.

Situation ähnlich wie nach der Lehman-Pleite

Die jetzige Schwäche des Goldpreises erinnert an die Entwicklung im Herbst 2008. Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers wurden auch Goldbestände in Panik verkauft. Der Goldpreis sackte von 900 auf 700 Dollar je Unze. Fonds brauchten das Geld, um die Anleger auszahlen zu können. Der Spuk war aber schnell vorbei.

Schon wenige Wochen nach der Lehman-Pleite setzte beim Gold der Trendwechsel ein. Ende 2008 war wieder das alte Niveau erreicht, 2009 eilte der Goldpreis von Rekordhoch zu Rekordhoch. Sollte die Staatsfinanzen-Krise eskalieren, wird sich die Geschichte wiederholen. Spätestens dann ist Gold ein Pflichtkauf.


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