Erst Griechenland, dann Spanien und später? Der erste Belastungstest für den Euro

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Die Meldungen, die man derzeit zu den südlichen Euro-Ländern wie Griechenland oder Spanien vernimmt, sind ja an Dramatik nicht zu überbieten – aber eigentlich sind nichts neues. Denkt man nur mal 10 Jahre zurück, hätte die Meldung, dass die Bonität Griechenlands schlechter eingeschätzt wird, nur für Achselzucken gesorgt. Nun hat Griechenland aber keine Drachme mehr und ist (leider) Mitglied im Club der Euro-Länder. Und da sind solche Meldungen Alarmzeichen, dass etwas ganz gehörig schief gelaufen ist bzw. schief läuft. Und was macht Griechenland? Beschwichtigt und hofft auf Hilfe der anderen… aber ich denke die Zeiten müssen vorbei sein. Der Euro steht jedenfalls nun wirklich vor einer Belastungsprobe. Seiner ersten großen.

Probleme in Griechenland sind hausgemacht

Schon der Einstieg Griechenlands in den Euro war nicht so ganz koscher. Mit Tricks und Mauscheleien hat man sich durch die Kritieren gemogelt und getraut was zu sagen hat sich niemand. Insofern sind wir alle ein bisschen Mitschuld an der derzeitigen Situation. Viele haben geglaubt, dass der Euro schon für die nötige Haushaltsdisziplin, die überfälligen Staatsreformen und einen Abbau der dramatischen Staatsverschuldung sorgen wird. Nur leider sind diese Hoffnungen enttäuscht worden. Stattdessen hat man die durch den Euro günstiger gewordenen Staatsschulden weiter erhöht und den Staatssektor ausgebaut. In der Folge geriet das Land immer mehr in den Strudel der Probleme. Bereits im letzten Jahr zeigten dann ja die Studentenproteste in Athen der ganzen Welt wie ernst die Lage ist. Wenn von einer Generation – trotz Hochschulabschluss – nur die wenigsten Arbeit finden, dann muss jede Regierung handeln. Die Weltwirtschaftskrise hat dem Land nun den Rest gegeben und die Probleme haben sich nur noch schneller verschärft. Eine Volkswirtschaft, die hauptsächlich nur auf den Säulen öffentlicher Dienst, Schifffahrt und Tourismus beruht, ist eben in höchstem Maße anfällig – gerade in einer Rezession.

Griechenland muss sich selbst helfen

Die Anfälligkeit des griechischen Wirtschaftssystems und die ausgebliebenen Reformen sind der Hauptgrund für riesige Staatsverschuldung. Insofern können die anderen Euro-Länder mit zusätzlichen Finanzmitteln garnicht wirklich helfen. Stattdessen muss die Athener Regierung endlich das Thema Reformen ernsthaft angehen. Nur dann besteht für das Land überhaupt eine Chance. Nur zur Erinnerung: Der Schuldenstand Griechenlands beläuft sich derzeit auf das 1,2-fache des Bruttoinlandsprodukts. Das ist doppelt so viel wie die Maastrichtkriterien eigentlich erlauben. Insofern wird nur eine drastische Haushaltsdisziplin und ein Umbau des Staatsapperat das Problem einer Lösung näher bringen. Wenn diese Schritt wirklich vorankommt, wird sich auch wieder das Rating verbessern und eine Schuldentilgung kann effektiv stattfinden. Derweil stehen griechische Staatsanleihen vor einem riesigen Ausverkauf.

Dass der Schuldenabbau eine Sache nicht nur einiger Jahre ist, sondern eine Generationaufgabe, sollte man an dieser Stelle ebenfalls erwähnen. Es wird sich nicht angenehm werden, aber es ist machbar und notwendig. In der Welt findet Jörg Eigendorf übrigens ebenfalls einige interessante Argumente, warum wir die Griechen im Stich lassen müssen. Frank Wiebe hält im Handelsblatt bei Global Markets dagegen: Die EU und allen voran die EZB müssen Griechenland helfen, denn eine Pleite in Athen wäre zu teuer. Letztlich wird die EZB also weiterhin günstiges Zentralbankgeld bereitstellen – am Ende wird es eine Frage sein, durch welche Zugeständnisse es sich Griechenland erkauft.

Wie geht es eigentlich den anderen PIGS-Staaten

Eigentlich müsste es ja PIIGS heißen, denn neben Portugal, Italien, Griechenland und Spanien gehört inzwischen auch Irland zum Kreis der Problemkinder im Euro-Land. Nun Spanien hat ja ebenfalls schon auf sich aufmerksam gemacht. Noch droht hier nur eine schwächere Bonität, insofern ist das eher ein Schuss vor den Bug. Wenn die Madrider Regierung das Signal versteht, kann sie eine Herabstufung vielleicht noch verhinden. Nichtsdestotrotz sind auch hier die Probleme sehr ernst. Ein besonderes Thema sind hier die heimischen Immobilien. Kein sehr schönes Thema nach dem Debakel mit Subprime, aber wenigstens sind die Schrottimmobilien(papiere) im Land geblieben. Bislang haben sich die spanischen Banken ganz gut durch die weltweite und die hausgemachte Krise geschlagen. Man darf gespannt sein, wie lange noch.

Werfen wir noch einen Blick auf Italien und Portugal. Beide Ländern verhalten sich derzeit ausgesprochen still – getreu dem Motto „wer sich zuerst bewegt, verliert“. Warten wir also ab: Auch hier ist die Lage der Staatshaushalte nicht sehr rosig. Irland befindet sich derzeit auch in der Nähe des Staatsbankrotts, kann sich aber noch ganz gut über Wasser halten. Aber letztlich ist das Problem der Staatsverschuldung durch die Finanzkrise für die meisten anderen Euro-Ländern – Deutschland eingeschlossen – eine enorme Herausforderung.


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