Schlussgong: Zitat des Tages – Keine Kursgewinne, weil die schlechten Nachrichten fehlen

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An den Aktienmärkten haben wir einen ruhigen Wochenauftakt erlebt. Fast scheint es so, als ob schon viele Marktteilnehmer die Bücher für 2009 geschlossen haben. Nach dem Kursdebakel im 1. Quartal ist es verständlich, dass die Investoren mit einem Plus von rund 50% seit März mehr als zufrieden sind. In Deutschland gab es keinen klaren Trend. Der DAX hat leicht verloren, MDax und TecDax leicht zugelegt. An der Wall Street ein ähnliches Bild. Der Dow Jones hat ein winziges Plus bis zum Schlussgong gerettet, der S&P 500 hat einige Punkte abgegeben.

Im Tagesverlauf sah es zeitweise etwas freundlicher aus. Doch eine Rede des amerikanischen Notenbank-Chefs Ben Bernanke sorgte dann für Ernüchterung. Bernanke erwartet 2010 nur ein sehr moderates Wirtschaftswachstum, keine dynamische Erholung. Damit dürfte auch das Thema Zinserhöhung überraschend schnell wieder verschwinden. Etwas anders bewertet ein Fondsmanager, den die deutsche Nachrichtenagentur dpa ohne Nennung von Namen zitiert, das Marktgeschehen: “Bernankes Aussagen haben nicht gereicht, um die Risikobereitschaft der Anleger zu wecken. Die Marktteilnehmer müssen erst einmal ein paar wirklich schlechte Konjunkturdaten sehen, um glauben zu können, dass die Notenbank die Zinsen tatsächlich nicht anhebt.”

Eine überraschende Argumentation. Wenn das richtig ist, wäre es wohl am besten, die Arbeitslosenquote steigt um 5 Prozentpunkte und die Immobilienmärkte brechen weiter ein. Diese Nachrichten würden die Leitzinsen sicherlich bei 0% zementieren. Anschließend werden dann die Anleger die Börse stürmen und für einen Aktien-Boom sorgen.

Börsenaufschwung: Unternehmensgewinne sind ein besseres Fundament als eine Null-Zins-Politik

Mir persönlich gefällt das Szenario des Fondsmanagers nicht so gut. Vielleicht bin ich hoffnungslos altmodisch, aber mir würde es besser gefallen, wenn positive Konjunkturdaten folgen, Arbeitskräfte eingestellt werden, Produktion und Konsum steigen, die Umsätze und Gewinne der Unternehmen das Vorkrisen-Niveau erreichen und dann der Aktien-Boom einsetzt. Meine Erfahrung mit Unternehmen ist auch, dass das Zinsniveau in starken Wachstumsphasen relativ egal ist. Wenn der Umsatz zweistellig wächst, achten die Unternehmen nicht darauf, ob sie für Kredite 1 oder 2% mehr oder weniger bezahlen müssen. Steigende Zinsen sind kein Gift für Unternehmen. Wenn ein Nachfrageschub in Sicht ist, wird investiert. Wenn die Nachfrage tot ist, wird auch dann nicht investiert, wenn die Zinsen bei 0% liegen (und Kredite verfügbar wären).

Crack-up-Boom

Wenn überhaupt, dann kann es nur einen Grund geben, warum die Aktienkurse in einer langen konjunkturellen Schwächephase explodieren: In einem Crack-up-Boom. Wenn es nicht mehr um Unternehmensgewinne geht, sondern um die Flucht in Sachwerte, um sich vor der Hyperinflation zu schützen (Details zu diesem Szenario finden Sie im Schlussgong vom 12. August 2009).


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