Um 5: DAX nimmt 11.000 Punkte ins Visier – Worte in Frankfurt, Taten in Peking

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Nachdem der DAX bereits gestern mithilfe der Aussicht auf zusätzliche EZB-Milliarden ordentlich zulegen konnte, setzte heute die chinesische Notenbank mit einer Zinssenkung noch eins drauf. Die weltweiten Börsen danken es mit Erholungsrallys, die längst vergessene Kursstände wieder in Reichweite bringen. Sowohl die 11.000 Punkte im Deutschen Aktienindex als auch das Allzeithoch im S&P 500 sind zum Greifen nah, letzteres liegt nur noch drei Prozent entfernt. Selbst technische Hürden wie die 200-Tage-Linien bei Dow Jones und S&P 500 stellen aktuell keine Widerstände mehr dar. Mit Worten in Frankfurt und Taten in Peking ist der Startschuss für eine Jahresendrally an den Börsen ist gefallen, mit der Aussicht auf noch mehr Liquidität verschwinden plötzlich alle konjunkturellen Sorgen der vergangenen Monate aus den Köpfen der Anleger.

Aus schlechten werden nun wieder gute Nachrichten
Speziell dem EZB-Präsidenten Mario Draghi gilt in vielerlei Hinsicht der Dank der Börsen. Die Rally ist zumindest für die nächste Zeit nach unten abgesichert. Denn nun gilt für den europäischen Raum wieder, „Bad News are Good News“, also schlechte Nachrichten werden zu guten Nachrichten. Während zuletzt noch die Konjunktursorgen bei schlechten Wirtschaftsdaten hochkochten, dürften sie nun für eine steigende Markterwartung an entschlossene Aktionen durch die EZB und damit zu einer Fortsetzung der Rally führen.

Draghi forderte die Chinesen zum Handeln auf
Gleichzeitig sendete die EZB gestern aber auch Signale an die anderen Notenbanken. Die erste Reaktion sahen wir heute durch die Leitzinssenkung der People’s Bank of China. Mario Draghi hatte insbesondere Erfolg darin, den Euro gehörig gegenüber dem US-Dollar zu schwächen. Mit der Koppelung des chinesischen Yuan an den Dollar wiederum verteuerte sich auch die chinesische Währung. Inzwischen hat der Euro wieder die Hälfte der Yuan-Abwertung aus dem August ausgeglichen. So forderte Draghi die chinesische Regierung zum Handeln auf, denn die zuletzt gesehene Exportschwäche war auch auf den teureren Yuan zurückzuführen. Obwohl die chinesische Regierung weitere Abwertungen zunächst ausschloss, ganz abwegig sind weitere Maßnahmen nicht.

Bank of Japan unter Druck
Auch die Bank of Japan gerät nun stärker unter Druck zu handeln. Die für den kommenden Freitag anberaumte Sitzung dürfte durchaus spannend werden. Der Japanische Yen reagiert bereits entsprechend und wertet gegen den US-Dollar ab, wobei aber auch die nachlassende Nachfrage nach dem Yen als sicherer Hafen eine Rolle spielen dürfte.

US-Zinserhöhung in diesem Jahr wieder im Bereich des Möglichen
Und auch für die Notenbank Fed ergibt sich ein Signal, allerdings ein konträres. Sollten die EZB, die Bank of Japan und die chinesische Regierung ihre Stimuli ausweiten, könnte das der Fed den Spielraum lassen, die Zinsen noch dieses Jahr anzuheben. Die Liquidität der anderen Notenbanken reduziert das Risiko einer Schockwirkung an den Aktienmärkten. Nicht unwahrscheinlich wäre sogar eine positive Aufnahme eines solchen Schrittes, da dies die Zuversicht der Fed gegenüber der eigenen Wirtschaftsdynamik unterstreichen würde. Mit der anstehenden Offenmarktausschuss-Sitzung am Mittwoch könnten damit durchaus wieder hawkischere Töne aufkommen.

DAX nimmt 200-Tage-Linie knapp über 11.000 ins Visier
Aus charttechnischer Sicht verblüfft die Dynamik der Erholung im DAX. Wieder hatten wir von Seiten der EZB nur Rhetorik, am Markt ist man nun aber überzeugt davon, dass die EZB bereit ist zu handeln. Nachdem auch das Juli-Tief um 10.650 mit Leichtigkeit genommen wurde, bemüht sich der DAX aktuell um die Überwindung des 50%-Retracements der kompletten Bewegung vom Allzeithoch zum Jahrestief, welches um 10.850 Zähler liegt. Gelingt die Eroberung, dann rückt der Fokus auf die 200-Tage-Linie bei aktuell knapp 11.040 Zählern. Auf der Unterseite stellen die 10.500 und 10.200-Zonen nun potenzielle Unterstützungen dar.

Andreas PaciorekEin Beitrag von Andreas Paciorek

Er ist Market Analyst Germany & Austria bei CMC Markets, Frankfurt.
Davor arbeitete er bei der Bank of Tokyo Mitsubishi in Frankfurt sowie bei der Varengold Bank. Paciorek hat ein Diplom der Universität Bonn im Bereich Regionalwissenschaften Japan mit Schwerpunkt Wirtschaft.

Bildquellen: CMC Markets / dieboersenblogger.de


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