Trotz Volkswagen, Glencore & Co: Niedrigzinsen sprechen für die Aktie

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Kann man Krisen als Aktienanleger überhaupt noch richtig ernst nehmen? Wir hatten die Vogelgrippe, Ukraine, Griechenland, China, VW (WKN 766403) und es werden wahrscheinlich noch weitere Meldungen kommen, die zwischenzeitlich für große Nervosität bei den Anlegern sorgen. Doch dauerhaft nach unten haben diese Bedrohungen die Aktienkurse nicht gerissen. An der Börse sind schlechte Nachrichten oftmals gleichzeitig auch gute Nachrichten, weil die internationalen Notenbanken weltweit seit Jahren Krisen mit einem Aufdrehen der Geldschleusen bekämpfen. Dies gilt auch für die zuletzt wieder schwächeren Konjunkturdaten aus den USA. Dies sorgte für keinen Schreck bei den Börsianern. Im Gegenteil: Die Erwartung einer noch längere Zeit verschobenen Zinsanhebung in den USA sorgte sogar für Rückenwind an den Märkten.

Die Notenbanken halten somit offenbar immer ein Sicherheitsnetz unter die Aktienkurse. Doch ist diese Strategie gesund? Einige Investoren erkennen diese Systematik und gehen immer größere Risiken ein, weil sie ja ohnehin wenig zu befürchten haben und Krisen stets rasch von den Notenbanken mit schnell rotierenden Geldpressen ausgebügelt werden. Da liegt es nahe, die eigenen Renditen mit immer höherem Fremdkapital auszuweiten. Es scheint schon wieder vergessen, dass sich vor Jahren eine führende Investmentbank bei diesem Spiel zu weit vorwagte und mit ihrer Pleite fast unser gesamtes Finanzsystem in den Abgrund gerissen hätte.

Eigentlich sollten wir alle aus dieser Katastrophe gelernt haben. Doch die langjährige Nullzinspolitik der Notenbanken und der Renditehunger der Investoren sorgen dafür, dass es zunehmend wieder neue Auswüchse gibt, die fatal an Lehman Brothers erinnern. So ist beispielsweise der Rohstoffkonzern Glencore (WKN A1JAGV) ins Wanken geraten. Die Ursache: Der Rohstoffgigant hat einen Schuldenberg von 30 Milliarden Dollar angehäuft, um die Profitabilität zu verbessern und höhere Gewinne ausweisen zu können. Doch hohe Schulden bergen bekanntlich nicht nur Chancen, sie machen ein Unternehmen auch deutlich anfälliger für unerwarteten konjunkturellen Gegenwind. Und bei Giganten wie Glencore, die mit ihren rund 200 Milliarden Dollar Umsatz eng verzahnt mit Branchennachbarn sind, könnte ein Konkurs einen Dominoeffekt auslösen und für eine Pleitewelle im Rohstoff-Sektor sorgen. Keine Frage: Eine anhaltende Nullzinsphase ist eine Brutstätte für gefährliche Fehlentwicklungen und neue Blasen an den Finanzmärkten.

Dies wissen auch die Notenbanken. Doch angesichts einer globalen Überschuldung ist eine Rückkehr zu normalen Zinsenhöhen extrem schwierig. Denn auf der einen Seite drücken die hohen Verschuldungen auf das Wachstum sowie die Preissteigerungsraten und zudem könnten viele Staaten die Schuldenlast dauerhaft nicht mehr tragen, sofern die Zinsen wieder signifikant steigen.

Wir gehen somit noch längere Zeit von sehr tiefen Zinsen aus. Und dies spricht – trotz aller Risiken – weiterhin für die Aktienanlage.

RiegerEin Beitrag von Matthias Rieger

Er ist Chefredakteur des Hanseatischen Börsendiensts.

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