Ist Volkswagen bei den Abgasen kein Einzelfall?

2
2.740 views
Bildquelle: dieboersenblogger.de

Wie es aussieht, wird uns die Volkswagen-Geschichte noch einige Zeit begleiten. Solche Stories haben die Eigenschaft, zumindest über einen bestimmten Zeitraum hinweg alles andere zu überstrahlen. Klar ist inzwischen auch schon, dass der Skandal weite Kreise ziehen könnte. Wir haben es schon angedeutet:

Nicht nur bei VW übersteigen die tatsächlichen Emissionswerte die Messergebnisse bei den offiziellen Abgastests um ein Vielfaches. Nun hat die italienische Regierung angekündigt, bei allen großen Herstellern von Dieselfahrzeugen Abgastests durchführen zu lassen. Ein Ergebnis wird interessanterweise erst für Mai erwartet. Ob das an technischen Hindernissen oder dem Arbeitstempo italienischer Behörden liegt, entzieht sich unserer Kenntnis. Sicher ist allerdings, dass die gemessenen Werte die „offiziellen“ Testergebnisse um ein Vielfaches übersteigen werden.

Überraschung ist das aber keine – vielmehr handelt es sich dabei um eine längst bekannte und sogar „offiziell“ verlautbarte Erkenntnis. So weist das International Council on Clean Transportation (ICCT) in einer im Oktober 2014 erschienenen Studie darauf hin, dass die realen Abgaswerte die unter Laborbedingungen ermittelten Daten deutlich überschreiten. Wie bereits gesagt: Betroffen ist die ganze Branche, so ungeschickt (und möglicherweise überheblich – angeblich gab es vor dem Auffliegen des Skandals von der US-Umweltbehörde nämlich bereits die Aufforderung, die Sache zu reparieren) wie VW hat sich bisher aber noch kein Mitbewerber verhalten. Klar ist: Autoaktien und die Werte der Zulieferer bleiben riskant.

Ein anderes Risiko ist inzwischen etwas aus dem Blickwinkel der Investoren gerutscht: Nach Griechenland hat nun mit Portugal ein weiteres „Euro-Krisenland“ gewählt. Gewonnen hat jene konservative Regierungskoalition, die das Land in den vergangenen Jahren mit einem eisernen Sparkurs aus dem Schatten des Euro-Rettungsschirms hinaus- und in ein (freilich noch bescheidenes) Wirtschaftswachstum hineingeführt hat. Allerdings: Für die Absolute hat´s leider nicht gereicht – die Parlamentsmehrheit, bestehend aus drei Linksparteien, ist gegen das Sparprogramm. Wohin das führen kann, hat Griechenland gezeigt, bis hin zur Sperre der Bankschalter. Sollte Portugal den Sparkurs verlassen, droht eine Signalwirkung auch für Spanien – mit entsprechenden Folgen für den Euro. Nach der jüngsten Stärkephase könnte das der Europawährung auf den Finanzmärkten wieder einen Dämpfer versetzen, was allerdings keineswegs eine Katastrophe wäre.

Unangenehm ist das nur bei den Energieimporten, doch der Rohölpreis liegt ohnedies am Boden – derzeit droht von dieser Seite also keine Gefahr. Die Rückkehr Irans auf den Markt sowie die immer noch betriebene Produktion durch Fracking in den USA sollte gröbere Preissprünge in nächster Zeit verhindern. Andererseits fördert ein niedriger Euro-Wechselkurs die Exporte aus dem Euroraum, was gerade in einer Zeit, in der einer der wichtigsten europäischen Industriebetriebe in gröberen Schwierigkeiten steckt, durchaus gelegen kommt.

Franz C . Bauer, Trend RedakteurEin Beitrag von Franz C. Bauer

Franz C. Bauer ist Chefkolumnist des Austria Börsenbriefs

Wöchentlich konkrete Empfehlungen zum Kauf und Verkauf von Aktien, Analysen, Prognosen sowie hochaktuelle Hintergrundinformationen zu Österreich und zu den internationalen Börsenplätzen. Leicht verständlich aufbereitet – im Austria Börsenbrief. Testen Sie uns unter boersenbrief.at

Melden Sie sich hier für den kostenlosen Newsletter „Markteinblicke“ an. Die wichtigsten Marktereignisse, geldwertes Börsenwissen sowie Interviews und Meinungen rund um die Börsen Frankfurt und Wien.

Bildquelle: dieboersenblogger.de / boersenbrief.at


2 KOMMENTARE

  1. Wirklich der absolute Wahnsinn das Ganze. Habe aber auch schon von Freunden aus den USA gehört, dass dieser Skandal dort gar nicht so populär behandelt wird wie man meinen könnte.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here