Das Gesetz der Masse

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Da den Überbringern schlechter Nachrichten gemeinhin wenig Wohlwollen entgegen gebracht wird, beginne ich das heutige Editorial selbstverständlich mit einer frohen Kunde, zum Beispiel mit dieser hier aus der Welt des Sports:

Der Internationale Fußballverband FIFA hat sich nun doch zu einer Aufarbeitung seiner korruptionsverdächtigen Vergangenheit und einem Neuanfang entschließen können und den sehr langjährigen Kopf des Syndikats, Joseph Blatter sowie seinen designierten Nachfolger und Zögling Michel Blattini, äh, Platini, zum Abschuss oder besser „Blattschuss“ freigegeben und die übliche, lückenlose Aufklärung versprochen. Und wenn wir schon beim Thema Versprechen sind – war das nicht außerordentlich vielversprechend, was die Märkte uns in den jüngst vergangenen Sitzungen geboten haben? Kaum steht auf dem Kalenderblatt Oktober, schicken sich die Kurse zu einem hurtigen Spurt zurück an wichtige Widerstandsmarken an und belegen damit zum einen, dass sich der Blick auf die Statistik durchaus lohnen kann, dazu später noch mehr. Zum anderen zeigt sich wieder einmal deutlich, wie stark das Börsengeschehen von der Einschätzung der Marktteilnehmer beeinflusst wird. Da gibt es nämlich so etwas wie das Gesetz der Masse (an die Chemiker unter Ihnen: nein, mit dem Massenerhaltungssatz hat das rein gar nichts zu tun!), und diesem Reglement folgen die Anleger immer wieder gerne und gehorsam. In dieser Handelswoche lautete das einhellige Credo der Medien (und Medienartigen) beispielsweise „Jahresendrallye voraus!“, und siehe da – brav ließ sich scheinbar die große Masse der Börsianer von diesem Schlachtruf leiten und kaufte, was die Kurse hergaben. Auf den ersten Blick auch eine prima Idee:

Taktisches Manöver

So legte der deutsche Leitindex DAX beispielsweise seit seinem Jahrestief bei 9.325,05 Zählern vom Dienstag vergangener Woche bereits rund 700 Punkte zu und eroberte während diesem Sturmlauf sogar zwischenzeitlich die 10.000er-Marke zurück. Die hatten wir zuletzt am 18. September auf der Anzeigetafel gesehen, immerhin auch schon gute zwei Wochen her. „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, so lautete offensichtlich die Parole derer, die da auf dem Parkett zuschlugen, und mal ganz ehrlich: Die Kanonen, die donnerten durchaus mächtig! An der Nachrichtenlage rund um die Börsenschauplätze dieser Welt hat sich nämlich herzlich wenig verändert, und wenn doch, dann nicht unbedingt zum Guten! Die Konjunktursorgen und Rezessionsängste sind jedenfalls schon mal nicht kleiner geworden, nachdem neben den hinlänglich bekannten Wachstumsstörungen in Chinas Wirtschaft (und denen der übrigen ehemaligen BRIC-Staaten) der US-amerikanische Arbeitsmarkt mit schwachen Zahlen überraschte. Zudem brachen hierzulande auch noch die Exporte im August so stark ein wie zuletzt im Januar 2009, also zu allerbesten Finanzkrisenzeiten. Tja, schwache Schwellenländer kaufen eben scheinbar weniger als sonst, wenn die Konjunkturpfeile nach unten zeigen! Wen wundert es, dass damit sofort und voller Furcht von einem wirtschaftlichen Abschwung (eben Rezession, siehe oben) die Rede ist. Und apropos reden – von den Gewinnwarnungen, die in den vergangenen Tagen von einigen Unternehmen herausgegeben wurden, haben wir ja bis zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht gesprochen! Die Kriegsschauplätze rund ums Parkett sind demnach nicht weniger geworden, ist die jüngste Kaufoffensive auf dem Parkett deshalb womöglich nur ein taktisches Manöver?

Kampfansage

Sagen wir es so: Dass sich bei dem jüngsten Aufwärtsschwung zunächst hauptsächlich größere Adressen mit Zukäufen auf niedrigerem Niveau eingedeckt haben, ist durchaus denkbar. Die ganz große Masse der Anleger wird das jedoch noch gar nicht gewesen sein, denn kleinere und vor allem die privaten Investoren haben den Feldzug in Richtung Jahresendrallye hingegen vermutlich erst einmal noch nicht mitgemacht. Dafür spricht auch, dass es den Kursen zur Wochenmitte hin deutlich an Feuerkraft mangelte, zumal mit der signifikanten 10.000er-Hürde ein regelrechtes Bollwerk in Sachen Widerstand auf den DAX wartet. Richtig, wartet, denn die heutige, zunächst erfolgreiche Attacke auf die Fünfstelligkeit muss sich in den kommenden Sitzungen erst noch bestätigen. Der Startschuss für die Jahresendrallye dürfte daher in dieser Woche noch nicht gefallen sein, aber: Allein aus statistischer Sicht blasen die Kurse jetzt zum Angriff! Beim Blick auf das Prime Quants DAX-FactSheet wird sofort deutlich, dass der Oktober einer der entscheidenden Börsenmonate ist. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 70,37 Prozent (!) endet der 10. Monat des Jahres mit einem durchschnittlichen Plus von 2,37 Prozent für den deutschen Leitindex. Nun hat der DAX seit dem Jahrestief aus der Vorwoche zwar bereits rund 7 Prozent aufgesattelt, dafür vorher aber auch ordentlich an Boden verloren. Zudem beträgt die durchschnittliche Jahresperformance des Index 11,5 Prozent, und da hat der DAX bei aktuell +3,1 Prozent noch eine Menge Aufholpotenzial! Möglicherweise dient aber auch das Jahr 2011 als eine Art Blaupause für die Märkte – verheerendes drittes, grandioses viertes Quartal. Die Kampfansage der Märkte ist jedenfalls unmissverständlich: da geht noch was!

PrimequantsEin Beitrag von Prime Quants

Prime Quants verfasst und veröffentlicht Finanzpublikationen für institutionelle und private Anleger, die ihre Börsengeschäfte selbst in die Hand nehmen möchten. Das angebotene Spektrum erstreckt sich von kostenfreien Markt- und Einzelwertanalysen über komplexe Research-Studien bis hin zu täglichen Prognosen und realen Trades. Weitere Informationen unter www.prime-quants.de. Dort erhalten Sie auch den kostenlosen Newsletter Market Mover.

Bildquelle: dieboersenblogger.de / Prime Quants


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