Schlussgong: Konjunktur – Die Regierung will Kredit-Wachstum erzwingen

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An den Aktienmärkten ist heute wenig passiert. In Europa und in den USA notierten die meisten Indizes leicht im Plus. Der Markt beruhigt sich wieder. Einen klaren Trend gibt es nur beim Gold: Mit gut 1.217 USD je Unze wurde erneut ein neues Allzeithoch erreicht.

Kampf gegen die Kreditklemme

Wenn schon an der Börse wenig passiert, lohnt sich ein Blick auf die Politik. Die neue Bundesregierung hat der “Kreditklemme” den Kampf angesagt. Wenn die Unternehmen in der Erholungsphase keine Kredite für neue Investitionen bekommen, wird der Aufschwung sehr träge ausfallen. Ohne Kredite geht in unserem Wirtschaftssystem nichts mehr.

Da die Banken aktuell aber eigene Probleme haben, sind die Kredit-Abteilungen weniger großzügig als in normalen Zeiten. Die Politiker beurteilen die Lage etwas anders: Die Notenbanken stellen Geld fast gratis zur Verfügung, die Banken reichen das Geld aber nur zu einem kleinen Teil an die Unternehmen weiter. Mit dem großen Rest wird schon wieder an den Kapitalmärkten “gezockt”.

Die Banken “zocken” schon wieder

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Zum einen ist es verständlich, dass die Banken angesichts der schnell steigenden Ausfallraten sehr genau hinschauen und im Zweifel den Kreditantrag ablehnen. Zum anderen deuten jedoch die überraschend guten Quartalszahlen der Großbanken darauf hin, dass schon wieder am großen Rad gedreht wird. Irgendwie muss das Geld verdient worden sein… Das Kundengeschäft wirft nicht so hohe Renditen ab.

Die neue Bundesregierung hat sich dieses Spielchen eine Zeit lang angeschaut und dann heute beim Wirtschaftsgipfel zum großen Schlag ausgeholt. Schon einige Tage vorher wurde der Druck erhöht. So soll, wenn der Finanzmarkt versagt, die staatliche Förderbank KfW direkte Kredite an Unternehmen vergeben dürfen. Da sich die KfW als Staatsbank sehr günstig refinanzieren kann, wäre das eine harte Konkurrenz für die Privatbanken.

Staatlich beeinflusste Commerzbank als Vorreiter

Direkt vor dem Wirtschaftsgipfel ist der Commerzbank-Chef Martin Blessing in die Offensive gegangen und hatte angekündigt, das Kreditangebot für mittelständische Unternehmen um 5 Mrd. Euro zu erhöhen. “Zufällig” handelt es sich bei der Commerzbank um die Bank, die zu 25% dem Staat gehört. Blessing dürfte daher sanften Druck verspürt haben.

Der Krisengipfel musste – aus Sicht der Politiker – natürlich auch Ergebnisse bringen. So wurde verkündet, dass die Sparkassen einen Fonds gründen möchten, um die Kreditvergabe an Unternehmen zu erleichtern. Das Volumen soll bei 5 bis 10 Mrd. Euro liegen.

Deutsche Bank demonstriert Unabhängigkeit

Die Bank, die am geringsten vom Wohlwollen der Bundesregierung abhängt, hat keine konkreten Zusagen gegeben. Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hat nur ganz unverbindlich größere Anstrengungen seines Hauses beim Thema Unternehmensfinanzierung versprochen.

Die unterschiedlichen Reaktionen der Commerzbank und der Deutschen Bank zeigen sehr klar, welche Bank unabhängig ist und welche Bank staatliche Hilfsgelder braucht. Die “moralische” Verpflichtung, der deutschen Wirtschaft zu helfen, dürfte in den vergangenen Tagen nicht das Leitmotiv der Commerzbank gewesen sein. Hier gilt der alte Spruch: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!


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