VW-Krise: Zusammenbruch des Weltkonzerns droht nicht

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Bildquelle: Pressefoto Volkswagen

Der Öltanker Exxon Valdez des Ölgiganten ExxonMobil löste am 24. März 1989 eine schreckliche Ölkatastrophe aus. Die Kosten für den Ölkonzern summierten sich auf knapp vier Milliarden US-Dollar. Zuvor standen deutlich höhere Strafen im Raum. Wer in der Panik seine Aktien verkaufte, hat nicht gut entschieden. Seitdem hat sich der Aktienkurs mehr als verfünffacht.

Mit BP war elf Jahre später ein anderer Öl-Konzern für eine gigantische Umweltkatastrophe verantwortlich. Sie erinnern sich sicher an die Folge einer Explosion auf der BP-Ölplattform „Deepwater Horizon“. In den Wochen nach dieser Katastrophe hat sich der Aktienkurs auf 3,70 Euro mehr als halbiert. Wenige Monate später notierte die Aktie wieder um 6 Euro. Die Schadenssumme könnte höher liegen als die von BP eingeplanten 43 Mrd. US-Dollar. Ferner wird das Geschäft derzeit massiv vom schwachen Ölpreis belastet. Dennoch notiert der Aktienkurs immer noch oberhalb der Ausverkaufskurse aus dem Katastrophenjahr 2010 und zudem konnten trotz der hohen Strafzahlungen noch stattliche Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

General Motors wurde im Zusammenhang mit tödlichen Autounfällen wegen defekter Zündschlösser angeklagt. 124 Todesfälle sollen auf diesen technischen Fehler bei den Zündschlössern zurückzuführen sein. Der Defekt wurde offenbar vor den Aufsichtsbehörden jahrelang verheimlicht und die Kunden wurden getäuscht. Bei den Wagen bestand die Gefahr, dass der Zündschlüssel unbeabsichtigt in die Aus-Position springt. Dadurch könnte während der Fahrt der Motor ausgehen und elektronische Systeme wie Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags abschalten. General Motors hatte erst im Februar 2014 damit begonnen, rund 2,6 Millionen Fahrzeuge zurückzurufen, obwohl das Problem seit Jahren intern bekannt war – ein ungeheuerlicher Skandal. Dennoch soll es offenbar für den Autogiganten ein glimpfliches Ende geben: GM soll sich zu einer Zahlung von 900 Millionen Dollar bereiterklärt haben, um eine Untersuchung durch die amerikanische Regierung zu beenden. Ein Crash wie bei VW aus diesem Skandal ist im Chartverlauf der GM-Aktie nicht zu beobachten.

Wir meinen: Die zugegebene Manipulation der Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA ist ein ernstes Vergehen. Doch dies wird auf Dauer weder am Vertrauen in die deutsche Ingenieurskunst rütteln, noch den Wert des Gütesiegels „Made in Germany“ zerstören und auch nicht den Zusammenbruch des Weltkonzerns VW herbeiführen. Wie in den oben angeführten Fällen, werden sich die Wogen der Empörung wieder glätten. Eine Trendwende gelingt oftmals genau dann, wenn die Masse der Risikofaktoren auf dem Tisch liegt und die Empörung ihren Höhepunkt erreicht – zu weit sollten wir von diesem Punkt bei VW nicht mehr entfernt sein.

RiegerEin Beitrag von Matthias Rieger

Er ist Chefredakteur des Hanseatischen Börsendiensts.

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Bildquelle: Pressefoto Volkswagen / HBD


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