Unsterbliche Technische Analyse (II)

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Unlängst habe ich mich über die Chartanalyse ausgelassen, ohne jedoch auf den wichtigsten Grund einzugehen, warum ich mich bereits vor vielen Jahren von dieser Art, Finanzmärkte analysieren oder sogar prognostizieren zu wollen, abgewandt habe. Dabei ging es mir nicht nur darum, dass Charts in dem Moment, wo alle auf sie schauen, zu einer so genannten self-fulfilling destruction (HIER) führen. Noch schwerer wog für mich, dass auch Chartisten einer selektiven Wahrnehmung unterliegen.

Natürlich könnte man jetzt einwenden, dass viele technische Analysten kein besonders hohes Commitment eingehen, also keine so intensive Bindung an ihre Aussagen haben, weil sie in der Regel nicht ihr eigenes Geld auf ihre Vorhersagen einsetzen. Und das ist auch gut so, denn nur ohne eigenes finanzielles Engagement können sie die Märkte halbwegs unbefangen analysieren. Vor allem aber geraten sie nicht in Not, Verluste rechtfertigen zu müssen.

Commitment entsteht jedoch nicht nur durch materielle, sondern auch durch „psychische“ Kosten. Ein Gesichtsverlust, den man vor aller Augen wegen einer krassen Fehlprognose erleidet, kann genauso schmerzen wie finanzielle Einbußen. Man denke nur an einen Analysten, der in einer bekannten Tageszeitung oder einem Fachjournal im März dieses Jahres, als der DAX noch, grob gesagt, bei 12.000 Zählern stand, eine Mega-Hausse für die folgenden 12 Monate prognostiziert hatte. Wie würde er wohl reagieren, wenn er bereits Anfang Juli feststellen muss, dass das Börsenbarometer mehr als die Hälfte seines Jahresgewinns wieder abgegeben hat und nun auch noch ein bearishes Chartsignal selbst für Laien erkennbar ist? Was macht ein kurzfristig orientierter Händler, der nach einem zehnprozentigen Kursrückgang am Jahrestief ein solches Verkaufssignal erhält? Sie werden es geahnt haben: möglichst nicht verkaufen…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

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