Abgewürgt

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Bildquelle: Pressefoto Volkswagen

Potz Blitz, was war das für eine turbulente Handelswoche? Und wer hätte gedacht, dass man sich als Marktanalyst auch mit Stickstoffoxiden, Emissionsschlüsselnummern und Schadstoffklassen beschäftigen muss. Immerhin wissen wir jetzt: Was oben reingeht, muss nicht zwangsläufig auch hinten wieder rauskommen, denn das scheint vielmehr eine Frage der richtigen Softwarekonfiguration. Die Aktionäre des (noch) größten Autobauers der Welt erlebten jedenfalls in dieser Woche einen wilden Ritt im VW Hybris. Stolze 35 Prozent büßten die Papiere am Montag und Dienstag ein und rutschten mit nur noch 95,51 Euro auf den tiefsten Stand seit vier Jahren ab. Zur Erinnerung: Am 17. März wurde die VW-Aktie noch auf 262,45 Euro taxiert – macht also ein Minus von knapp 64 Prozent in nur 131 Handelstagen. Oder anders gesagt: 79 Mrd. Euro Marktkapitalisierung weg! Das entspricht einem Minus von 605 Mio. Euro pro Tag. Übrigens: 6,5 Mrd. Euro wurden für die erwarteten Rechtsstreitigkeiten vorsichtshalber schon mal beiseitegelegt. Damit aber nicht genug. Also schnurstracks weiter im Kuriositätenkabinett:

Massenkarambolage

Am Donnerstag verlor die BMW-Aktie – mit Verweis auf einen Artikel in der AUTO BILD – mal eben 5,15 Prozent an Wert. Noch am selben Abend wurde aber schnell zurückgerudert und plötzlich hieß es: „Kein Indiz für Manipulationen bei BMW“. Zitat: “ Viele Medien haben die AUTO BILD-Presseinfo „Exklusiv: BMW-Diesel überschreitet Abgasgrenzwerte deutlich“ übernommen und leider auch missverständlich interpretiert.“ Im Stil eines Helmut Markworts scheint heute wohl kaum noch einer zu arbeiten.

Fakten, Fakten, Fakten

Die würden wir uns auch an anderer Stelle gerne wünschen. Beispielsweise zur US-Zinspolitik oder zum angeblichen Abschwung der chinesischen Wirtschaft. „Angst ist ein schlechter Berater“ weiß der Volksmund und für „Gefährliches Halbwissen“ gilt das sowieso. Nichtsdestotrotz müssen wir mit dem hektischen Treiben auf dem Parkett wohl leben. Immerhin deutete die Fed-Chefin gestern zaghaft auf den Dezember als möglichen Zinswendetermin – vorausgesetzt es passen auch alle makroökonomischen Zahlen und es regnet nicht.

Nervenbündel

Gut möglich also, dass uns der volatile Markt noch etwas erhalten bleibt, auch wenn aus saisonaler Sicht die Trendpfeile jetzt wieder klar nach oben zeigen. Solange sich der DAX aber weiter die Zähne an der 9.700er Marke ausbeißt, dürfte es mit der Rückkehr zur Normalität schwer werden. Diese sollte strenggenommen sogar erst oberhalb von 10.275 Punkten wieder einkehren – also dann, wenn es dem DAX gelingt, den April-Abwärtstrendkanal nach oben zu verlassen. Dank durchschnittlichen Kursgewinnen von 2,37 Prozent bei einer historischen Gewinnwahrscheinlichkeit von 70,37 Prozent sind die Chancen im Oktober dafür gar nicht so schlecht. Mit etwas Glück kommt der stotternde Rallyemotor in diesem Jahr also vielleicht doch noch mal ins Laufen.

PrimequantsEin Beitrag von Prime Quants

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Bildquelle: VW / Prime Quants


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