Teufelskreis

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Egal, wohin der sorgenvolle Blick sich derzeit wendet, es gibt kein Entrinnen! Die Krisenherde in Politik und Wirtschaft sind mittlerweile so ausgeprägt, dass selbst die optimistischste Frohnatur nicht umhin kommt festzustellen: Wir haben ein Problem! Also, eines in jeder Richtung, in die man blickt, um genau zu sein. Da wäre beispielsweise die Flüchtlingsproblematik. Es fehlen eine Linie, ein Plan, und vor allem die Unterstützung des restlichen Europas. Solidarität wäre vonnöten, doch die ist offensichtlich im Vertrag von Maastricht nicht festgeschrieben worden. Dafür werden gleich reihenweise geltende Abkommen gekippt – Dublin? Hinfällig. Schengen? Nur noch ein kleines Dorf in Luxemburg. Damit steht Europas Union politisch, aber auch wirtschaftlich nur ein Vierteljahr nach der vorläufigen Rettung Griechenlands vor der nächsten Zerreißprobe. Und dabei haben die Griechen bislang noch gar nicht neu gewählt, das Spektakel steht am Sonntag bevor! Sie sehen, da ist ordentlich was los in der Welt, aber richtig rund wird der aktuelle Teufelskreis natürlich erst mit den Chinesen:

Zinsfalle

Es war ein netter Versuch, aber die chinesische Regierung musste zuletzt erkennen, dass Börsenkurse eben nicht auf die Kommandos aus der Parteizentrale reagieren. Denn obwohl Peking in der Vorwoche das Ende der Kursturbulenzen verkündete, gaben die chinesischen Märkte weiter nach. Die Sorgen um Chinas stotternde Konjunktur und die möglichen Folgen für die Weltwirtschaft wurden damit wieder größer, was beispielsweise die deutschen Autobauer zu warnenden Worten verleitete. Von drohenden Einbußen und Gewinnrückgängen im Reich der Mitte wurde auf der IAA in Frankfurt gesprochen, die sagenhaften Renditen der Vergangenheit dürften für Audi, BMW, Daimler und VW daher künftig derselben angehören. Doch die Automobilbranche ist nicht die einzige, für die es hierzulande derzeit mau aussieht: Die Rede ist natürlich von den Energieversorgern. Denen werden gerade ihre Altlasten in Sachen Atomenergie zum Verhängnis, nachdem die Bundesregierung ein schnelles Gesetz (ja, manchmal kann Deutschlands Exekutive auch schnell!) über die unbegrenzte Haftung der Konzerne für die Kosten des Ausstiegs aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie durchprügeln will. Dass E.ON, RWE & Co nicht kostenfrei aus der Atomnummer herauskommen, stand schon lange fest, sodass bereits entsprechende Rückstellungen in Milliardenhöhe gebildet wurden. Ob die jedoch ausreichen, wenn die Kosten aufgrund der jetzt geplanten unbegrenzten Haftung möglicherweise um ein Vielfaches steigen, ist mehr als fraglich, zumal die Unternehmen bei der Zinskalkulation offensichtlich sehr optimistisch voRWEggingen: Laut einem vom Bundeswirtschaftsministerium angeordneten Stresstest sind die bislang von den Energiekonzernen zurück gelegten rund 39 Milliarden Euro mit einem Zins von 4,5 Prozent zu hoch kalkuliert. Ein derartiger Zinssatz „sei in der aktuellen Niedrigzinsphase nicht angemessen“, wie das Handelsblatt berichtet. Kein unerhebliches Problem für die Versorger, aber in der Zinsfalle sitzen bekanntlich noch ganz andere:

Nullnummer

Ganz ehrlich – ich möchte nicht in der Haut der Fed-Oberen stecken. Schließlich ist die Pro-und-Contra-Liste zum Thema Zinserhöhung in den USA mittlerweile länger als mein Bart und die prominenten Befürworter bzw. Gegner einer solchen Maßnahme liefern sich seit Wochen einen medialen Schlagabtausch. Dementsprechend unentschlossen fiel denn auch die gestrige Entscheidung der US-Notenbank aus: Zinserhöhung ja, aber erstmal noch ein wenig abwarten undsoweiterundsofort. Das kennen wir nun ja schon zur Genüge. Die Märkte reagierten erwartungsgemäß, nämlich mit deutlichen Abschlägen. Damit hat díe Fed den Börsen einen Bärendienst erwiesen. Der so wichtige und dringend benötigte Impuls für einen Befreiungsschlag aus dem tagelangen Seitwärtsgeschiebe ist ausgeblieben, stattdessen sorgt die Unentschlossenheit der US-Notenbank für eine Fortsetzung der Unsicherheit an den Handelsplätzen. Und Unsicherheit ist bekanntlich Gift für die Märkte. Kein Wunder also, dass der DAX heute wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten abrutschte! Dennoch – dies bedeutet (noch) nicht den gefürchteten Ausbruch aus der bisherigen Seitwärtsrange nach unten! Der heutige Kursrutsch dürfte vielmehr ein Zeichen der Enttäuschung sein, dass seitens der Fed keine deutlichen Signale für die künftige Geldpolitik und damit auch die wahrscheinliche künftige Marktentwicklung ausgesendet wurden. Aber so ist das nun einmal in einem Teufelskreis – den zu durchbrechen, erfordert vor allem Kraft. Die können die Kurse auf dem aktuellen niedrigen Niveau zumindest sammeln, hoffen wir, dass im Anschluss auch der Ausbruch gelingt!

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