Überraschung

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Die Chinesen sind ja ein ganz erstaunliches Völkchen. Wobei „Völkchen“ in diesem Zusammenhang selbstredend eine maßlose Untertreibung ist, denn zahlenmäßig weist die Volks(Nomen est Omen!)Republik, wie Wikipedia weiß, mehr Einwohner auf als Nordamerika, Europa und Russland zusammen, nämlich knapp 1,4 Milliarden Menschen. Das wiederum macht das Reich der Mitte zum bevölkerungsreichsten Land unseres Planeten, und auch für diese interessante Information bedanken wir uns recht herzlich bei Wikipedia. Trotz dieser kaum vorstellbaren kollektiven Masse fielen die Chinesen zuletzt jedoch vor allem durch konzertierte Einzelaktionen auf. Vom umfassend geständigen Auslöser des Börsen-Crashs, Herrn Wang, haben wir in der Vorwoche an dieser Stelle bereits berichtet. Am Dienstag dieser Woche nun überraschte die Chefin der China-Sektion von Man Group, Li Yifei, mit der Nachricht, sie sei nicht etwa – wie von einigen Medien vorschnell kolportiert – in Haft gewesen, sondern habe sich lediglich zum Meditieren in die Stille und Einsamkeit zurückgezogen. Diese frohe Botschaft, verbunden mit der aufmunternden Mitteilung des chinesischen Notenbank-Chefs Zhou Xiaochuan, die Lage an Chinas Aktienmärkten sei nunmehr unter Kontrolle gebracht und somit stabil, sollte allen Spekulationen um Chinas angeschlagene Wirtschaftslage endlich ein Ende bereiten. Die Rechnung ging zunächst auf:

Teilerfolg

So viele gute Nachrichten auf einmal, da konnten die Kurse gar nicht anders, als in die Höhe zu schnellen. Den höchsten Sprung vollführte dabei der japanische Leitindex Nikkei. Der hüpfte am frühen Mittwochmorgen nämlich mal eben um knapp 8 Prozent nach oben und realisierte so den größten Tagesgewinn seit ziemlich genau 8 Jahren. Vom neuen fernöstlichen Optimismus beflügelt, packten auch DAX & Co die Steigeisen aus und kletterten erst einmal aufwärts. Immerhin +2,7 Prozent konnte der deutsche Leitindex so bis Mittwochabend in Sachen Wochenperformance aufsatteln. Dabei wären sogar durchaus noch ein, zwei Prozent mehr drin gewesen, doch kaum herrscht mal schön Ruhe im Osten, geht das im Westen auch schon wieder mit dem Zinsgewese los: In den USA stieg die Zahl der offenen Stellen auf Rekordniveau, das macht eine Anhebung des Leitzins noch in diesem September wieder wahrscheinlicher. Zu blöd, dass die Ratingagentur S&P zeitgleich den Status Brasiliens auf das gefürchtete „Ramschniveau“ absenkte, wo doch die Schwellenländer derzeit sowieso schon um ihren einstmals guten Ruf und zudem auch noch die bevorstehende Zinserhöhung in den USA fürchten müssen. Damit stieg der Druck auf die globalen Finanzmärkte wieder prompt deutlich an:

Druckstellen

Die ersten Druckstellen zeigten sich bereits am gestrigen Donnerstag und machten deutlich, wie schwankungsanfällig die Märkte derzeit sind. Nur 24 Stunden zuvor stand der DAX noch bei fröhlichen 10.512 Punkten, immerhin dem höchsten Stand seit drei Wochen. Doch schon tags drauf ging es für die Kurse im Sog einer zunächst schwach startenden Wall Street bis auf das Tagestief bei 10.157 Zählern zurück, das entspricht immerhin einer Spanne von über 350 Zählern. Zwar gaben die US-Börsen zum Abend hin noch etwas Gas, für den deutschen Leitindex reichte es aber wieder einmal nur für die Marke von 10.200 Punkten. Auf diesem Niveau – knapp oberhalb der 10.000er-Barriere – schiebt der Index nun schon seit Ende August Volumen, der Ausbruch nach oben mag jedoch bislang nicht recht gelingen. Das wiederum könnte daran liegen, dass es aus einer Seitwärtsbewegung heraus bekanntlich ebenso gut zügig nach unten gehen kann. Die Anleger scheinen jedenfalls misstrauisch – aus gutem Grund, wie wir meinen: Auch wenn sich in den vergangenen Sitzungen offenbar tatsächlich so etwas wie der erwartete Boden ausgebildet hat, sind wir von dessen Tragfähigkeit noch immer nicht vollkommen überzeugt. Aber wer weiß – vielleicht zaubern die Chinesen oder die Notenbanken in der kommenden Woche ja die ein oder andere Überraschung aus dem Hut!

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