Zeitreise

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Dass ich gelegentlich ganz gerne einen guten Film anschaue, dürfte Ihnen mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Und ein solcher lief auch gerade auf einem ansonsten programmtechnisch eher mäßig ausgestatteten Privatsender im Spätprogramm. Die Rede ist von Terry Gilliams großartigem Werk „12 Monkeys“, und wer den Streifen kennt, der/die weiß, dass es im selbigen unter anderem ums Thema Zeitreise geht. Und da sind wir auch schon mitten drin in unserem Thema der Woche, denn beim Blick auf den DAX hatte man zuletzt ebenfalls das Gefühl, in der Zeit gereist zu sein – zurück an den Jahresanfang nämlich. Wir erinnern uns – der Index ist bei einem Stand von 9.806 Punkten ins neue Jahr 2015 gestartet, und gucke da, exakt 9.806 Zähler betrug auch der erste Kurs am Montagmorgen dieser Woche. Knapp neun Monate und eine Performance von zwischenzeitlich 30 Prozent Plus sozusagen ausradiert. Nun gut, wir hatten in der Vorwoche an dieser Stelle zwar noch lang und breit erklärt, warum und wieso ein solcher Rücksetzer durchaus ins Bild passt und den Bereich um 9.800 Punkte als realistisches Kursziel identifiziert. Wer jetzt aber glaubte, das sei schon alles gewesen, für den hatte das Drehbuch dieser Handelswoche noch ein paar ordentliche Spannungsspitzen parat:

Alles auf Anfang

„Keine Panik“ hatten wir am vergangenen Freitag noch geschrieben, aber was sich am Montag auf dem Parkett abspielte, war – Panik pur! Nachdem in China gleich mehrere Dutzend Säcke Reis umfielen und der dortige Festland-Index um weitere gut 8 Prozent abstürzte, rauschten die europäischen Börsen mit einem Affenzahn nahezu ungebremst in die Tiefe. Zeitweilig stand beim DAX ein Minus von rund 7 Prozent auf der Anzeigetafel, womit der Index bei 9.338 Zählern sogar den bisherigen Tiefststand vom Januar unterbot und ein neues Jahrestief markierte. Alles auf Anfang, gewissermaßen! Der Sell-off nahm phasenweise chaotische Züge an und erinnerte damit an ähnliche Crash-Tage aus dem Jahr 2011 oder 2008. Nun ist es ja an und für sich ganz spannend, solche „schwarzen Tage“ live mitzuerleben, auf das man später noch den bis dahin hoffentlich zahlreich vorhandenen Enkeln davon erzählen kann. Wirtschaftlich betrachtet sind derartige Kursabstürze allerdings ein Super-GAU. Mehr als 200 Milliarden Euro wurden allein im DAX in den zurückliegenden zwei Wochen förmlich verbrannt, wie einschlägigen Pressemeldungen zu entnehmen war. Schade um das schöne Geld! Noch bedauerlicher wird ein solcher Verlust, sobald man sich wieder einmal kurz vor Augen führt, dass unser gesamtes Wirtschaftssystem an ausgesprochen dünnen Fäden hängt:

Schuldenfalle

Ohne die Eingriffe der Notenbanken mit ihrer Nullzinspolitik und den Unsummen billigen Geldes, die seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 in die Märkte gepumpt wurden, wären die Lichter an den Börsen dieser Welt möglicherweise schon viel früher ausgegangen. Das System und sein Wachstum basiert vor allem auf, siehe oben, Pump. Und diese Schuldenfalle könnte bald zuschnappen. Der Handlungsspielraum der Zentralbanken ist nahezu erschöpft. Umso grotesker erscheint vor diesem Hintergrund die aktuelle Darstellung der chinesischen Notenbank, die mögliche Zinserhöhung in den USA sei der Auslöser des Börsencrashs im Reich der Mitte. Nein, die Ursache liegt ganz woanders. Die Liquiditätsschwemme der vergangenen Jahre hat die Märkte – auch in den Schwellenländern und vor allem in China – auf ungesunde Weise in die Höhe getrieben. Ungesund deshalb, weil dieses kreditfinanzierte Wachstum künstlich hochgepusht wurde. Die tatsächlichen Raten sehen anders aus: Chinas Konjunktur wird 2015 eben nicht mehr zweistellig, aber voraussichtlich immer noch um rund 7 Prozent zulegen. Für Deutschland werden, je nach Quelle, beim BIP etwa +1,8 Prozent erwartet. In den USA dürften es +2,5 Prozent werden, weltweit rechnet beispielsweise der IWF mit einem Plus von 3,3 Prozent. Das ist vielleicht nicht besonders spektakulär, aber realistisch und: es muss reichen. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob die aktuelle Marktphase „nur“ eine Korrektur oder womöglich gar der Anfang einer längerfristigen Schwächephase ist. Raus aus der Schuldenfalle und zurück zur Realität, so sollte das Motto lauten!

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