DAX wieder auf Rekordkurs?

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

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Auch wenn der DAX in den vergangenen Tagen oft sommerlich müde daherkam, hat er nach meiner Einschätzung gerade jetzt ein interessantes Stadium erreicht. Deshalb ist es Zeit für ein DAX-Update.

Lassen Sie sich nicht vom täglichen Nachrichtenwirrwar rund ums Börsengeschehen in die Irre führen. Dieses sorgt allenfalls für Begleitmusik, nicht jedoch für den Grundton der Kursentwicklung. Ein Beispiel: Als die DAX-Korrektur im April begann, spielte das Thema Griechenland als Grund dafür noch keine Rolle. Trotzdem begann die Korrektur, und erst später dienten die Nachrichten rund um das Athener Schuldengezerre immer wieder als Anlässe für die Ab- und Aufschwünge der Kurse.

Aber das ist immer so an der Börse. Wenn es nicht Griechenland gewesen wäre, hätte es andere Nachrichten gegeben, die dafür verantwortlich gemacht worden wären. Entscheidend ist, was hinten rauskommt: Und das ist in diesem Fall ein sauberer, nicht allzu steiler Abwärtstrend, wie er in einem Lehrbuch stehen könnte (siehe DAX-Grafik). Ein solcher Trend mit gemäßigter Abwärtsneigung, der auf einen vorangegangenen starken Aufwärtstrend folgt, gilt an der Börse als klar trendbestätigend. Das heißt, dass sich in der Mehrzahl der Fälle danach der Aufwärtstrend fortsetzt. Deshalb ist dies auch hier mein bevorzugtes Szenario.

Im Prinzip handelt es sich um ein ganz normales Verschnaufen nach einem vorangegangenen starken Anstieg – ähnlich wie bei einer Bergtour in den Alpen. Da legt man nach einem steilen Bergabschnitt auch erst mal eine Rast ein, bevor man sich weiter auf den Weg nach oben macht.

Wie lange eine solche Rast an der Börse dauert, steht im Vorhinein zwar nie fest, das weiß man immer erst im Nachhinein. Es gibt aber Erfahrungswerte, und danach wären für eine Situation wie der derzeitigen runde drei Monate durchaus angemessen.

Womit wir bei der aktuellen Lage wären: Ein Abwärtstrend zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm Tiefpunkte ausgebildet werden, die stets unter den vorherigen Tiefpunkten liegen (siehe Grafik). Entsprechendes gilt auch für die Hochpunkte. Solange es also fallende Hoch- und fallende Tiefpunkte gibt, ist ein Abwärtstrend in Takt.

Die ersten Signale sind da

Und hier wird es jetzt interessant: Der letzte Hochpunkt im Juli lag nämlich über dem vorherigen Hoch, und danach folgte ein Tief, das ebenfalls über dem vorausgegangenen Tief lag. Damit ist zum ersten Mal seit April die Serie fallender Hoch- und Tiefpunkte gebrochen – ein Signal, das auf ein Ende dieses Abwärtstrends hindeutet. Die Normalerwartung wäre nun, dass sich daran ein Aufwärtstrend anschließt, der sich durch ansteigende Hoch- und Tiefpunkte auszeichnet.

Wer das alles für Kaffeesatzleserei hält, der hat nicht verstanden, wie Börse funktioniert. Denn die Kurse werden hauptsächlich durch das Verhalten und die Psychologie der Massen bestimmt, also durch die Empfindungen, Einschätzungen und Erwartungen aller Marktteilnehmer – die selbstverständlich sehr unterschiedlich sind. Zum Beispiel gibt es fast immer Leute, die an steigende Kurse glauben, genauso wie solche, die auf fallende Kurse setzen. Trotz dieser Gegensätze ergeben sich aus dieser Gemengelage aber stets Trends wie der gezeigte, und Trendwenden erkennt man zuerst an solchen Signalen, wie ich sie beschrieben habe. Wer diese Signale beobachtet und analysiert, betreibt also weniger Kaffeesatzleserei als vielmehr Verhaltensforschung. Nach meiner Erfahrung ist das die beste Art, um das Börsengeschehen einigermaßen gut abschätzen zu können.

Wie geht es aber nun weiter? Jetzt muss natürlich strikt darauf geachtet werden, ob sich die Signale bestätigen oder nicht. Die größere Wahrscheinlichkeit sehe ich momentan eindeutig in einer Bestätigung. Das heißt, der nächste markante Hochpunkt sollte über dem vorangegangenen liegen und der nächste Tiefpunkt (denn auch fallende Kurse wird es in einem Aufwärtstrend geben) über dem zuletzt gesehenen Tief.

Apropos: Beim vorletzten Tiefpunkt spielte die Griechenkrise noch die Hauptrolle. Da stand es gerade Spitz auf Knopf, und viele rechneten mit einem baldigen Grexit (ich nicht). Für das darauffolgende markante Tief war dann der China-Crash verantwortlich. Aber dieses Tief lag schon deutlich höher als sein Vorgänger. Sie sehen also: Anlässe für Hochs und Tiefs gibt es immer, an der Börse kommt es aber mehr auf die grundlegenden Trends im Hintergrund an. All dies spielte sich zudem ungefähr drei Monate nach Beginn der Korrektur ab. Zufall?

Die Mehrheit liegt oft daneben

Zugegeben: Selbst wenn sich nun tatsächlich ein Aufwärtstrend ausbilden sollte, wäre die im April gestartete Korrekturphase damit noch nicht zwangsläufig vorbei. Theoretisch könnte der DAX im Lauf dieses Trends sogar bis an seine Allzeithochs aus dem Frühjahr heranlaufen. Sollte er danach wieder nach unten abdrehen, ohne diese Hochs markant zu überspringen, wäre längerfristig noch nicht viel gewonnen. Dann hätten wir es sogar mit einer unangenehmen doppelten Spitze zu tun, die im Anschluss noch einmal deutlich tiefere Kurse provozieren würde.

Darüber hinaus gibt es zurzeit viele Analysten, die vor neuen Börsenturbulenzen im kommenden Herbst warnen. Für Oktober sagt Börsenguru Martin Armstrong sogar einen regelrechten Crash voraus.

Klar, an der Börse ist alles möglich – selbst das Gegenteil. Und wenn jetzt schon Oktober wäre, wäre auch ich noch sicherer bei meiner Prognose eines bevorstehenden Aufwärtstrends. Aber es ist, wie es ist: Jetzt stehen die ersten Signale, auch wenn wir erst August schreiben.

Außerdem gab es die üblichen Herbstturbulenzen, auf die so viele Beobachter warten, doch erst im letzten Jahr. Warum sollten sie also in diesem Jahr schon wieder kommen? Wie gesagt: Solche Schwächen gibt es oft, aber eben nicht immer. Und sie kommen vor allem dann selten, wenn sie von vielen erwartet oder “herbeigeschrieben” werden.

Im letzten Jahr war das anders. Da keimten um diese Zeit bei vielen Anlegern schon wieder Hoffnungen auf neue Rekordhochs. Damals riet ich dazu, erst den Herbst abzuwarten, in dem die Kurse dann tatsächlich noch einmal ordentlich ins Rutschen kamen. Im Oktober war ich dann aber umso sicherer, dort das Tief beobachtet zu haben, von dem aus es wieder in Richtung 10.000 DAX-Punkte gehen dürfte.

Damals schrieb ich: “Ja, es ist sehr wahrscheinlich, dass wir am 16. Oktober bei 8.355 Punkten das DAX-Tief gesehen haben.” (http://www.diewahrheituebergeld.de/das-wars/) Und so war es dann auch. Dass ich damals einigen Widerspruch bekam von Leuten, die noch tiefere Kurse erwarteten, machte mich umso sicherer. Die Mehrheit bekommt eben selten recht an der Börse.

Deshalb halte ich auch in diesem Jahr dagegen: Viel zu viele setzen derzeit auf die “übliche” große Herbstschwäche. Was ist aber, wenn sie nicht kommt, so wie sie auch 2013 ausgeblieben ist? Für mich besteht das wahrscheinlichere Szenario eher aus neuen Höchstständen im Herbst.

Ende Januar schrieb ich, dass die 12.000 Punkte in diesem Jahr nun Pflicht seien. Außerdem schätzte ich damals die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ein, “dass es spürbar mehr werden als die besagten 12.000.” (http://www.teleboerse.de/kolumnen/12-000-Punkte-sind-jetzt-Pflicht-article14389971.html) Der erste Teil ging schon in Erfüllung, jetzt wartet Teil zwei auf seine Bestätigung,

meint Ihr
Raimund Brichta

BrichtaEin Beitrag von Raimund Brichta.

Seit 1992 moderiert Raimund Brichta die tägliche „TELEBÖRSE“ auf n-tv, die älteste und populärste Börsensendung im deutschen Fernsehen.
Darüberhinaus ist der Diplom-Volkswirt als Sachbuchautor, sowie als freier Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig.
Raimund Brichta ist Träger des State-Street-Preises für Finanzjournalisten 2008.

Bildquelle: Raimund Brichta/dieboersenblogger.de


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