Dubai, was ist denn da los?

0

Liebe Leser,

aus der aktuellen Situation heraus möchte ich heute auf den Anlass des Kurzsturzes an den Börsen eingehen. Ich schreibe bewusst ‘Anlass’, denn der eigentliche Grund liegt in dem schon seit Wochen labilen Marktzustand, auf den mein von mir sehr geschätzter Kollege Andreas Sommer und auch ich hier auf Chartanalyse-Trends mehrfach hingewiesen haben.

Nein keine Sorge: Das wird jetzt nicht einer der bei manchen Analysten verbreiteten ‘Ich habe es ja schon vorher gesagt’-Artikel. Werfen wir stattdessen heute einmal einen Blick auf das, was in Dubai passiert ist und versuchen, es in das Börsenumfeld  einzuordnen.

Dubai: Eine Wirtschaftswunder-Story ohne Gleichen

In den letzten 20 Jahren hat sich Dubai von einer Handelsmetropole im arabischen Raum zu einer bedeutenden touristischen Region gewandelt. Hotels, Restaurants und Freizeitanlagen schossen in einer weltweit einmaligen Qualität und Anzahl aus dem Boden. Besonders bekannt, auch durch vielfache Reportagen in den Medien, ist ein gigantisches Projekt namens ‘Palmeninsel’, das aus 2 künstlichen Inseln besteht, die im Meer mit einem Milliardenaufwand aufgeschüttet und bebaut wurden. Investoren aus aller Herren Länder wurden durch die Aussicht auf satte Renditen angelockt und finanzierten mit Begeisterung die gigantischen Bauprojekte.

Der Investitionsmotor ist ins Stocken geraten

Gestern schockierte Dubai die weltweiten Investoren mit der Bitte um einen Zahlungsaufschub für fällig werdende Anleihen und Zinszahlungen. Und plötzlich machen Gerüchte um einen möglichen Staatsbankrott die Runde. Die weltweiten Aktien- und Rohstoffmärkte reagierten mit deutlichen Kursabschlägen.

Warum reagieren besonders die Aktienmärkte so massiv?

Auf die bereits seit Wochen angeschlagene charttechnische Situation möchte ich heute weniger eingehen als sonst üblich. Dass sich der deutsche Markt immer noch in einem Verkaufssignal befindet, hatte ich bereits am vergangenen Mittwoch im Beitrag ‘So gut sieht das mit den deutschen Aktien doch nicht aus‘ für Sie analysiert.

Konzentrieren wir uns heute auf die fundamentale Sicht der Dinge.

Das Denkschema, das jetzt an den Börsen abläuft, ist einfach, aber in sich sehr logisch. Wenn ein arabisches Land wie Dubai offensichtlich an einem Liquiditätsmangel leidet (und das tut es, sonst würde es nicht um einen Zahlungsaufschub bitten), muss diese Liquidität irgendwo herkommen. Eine denkbare Lösung wäre der Verkauf von Aktienbeteiligungen, von denen auch Dubai in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine große Anzahl aufgebaut hat. Aber auch Rohstoffe und Edelmetalle könnten auf den Verkaufslisten stehen. Wohlgemerkt: Ich spreche nicht davon, dass Dubai bereits beginnt, seine Beteiligungen abzustoßen. Aber allein die Befürchtung, dass es so kommen könnte, ist für die aktuellen Verwerfungen an den internationalen Börsen verantwortlich.

Welche deutsche Aktien wären von einem Verkauf durch Dubai besonders betroffen?

Es sind genau die Aktien, die gestern und heute besonders gelitten haben. An der Daimler AG , der VW AG und der Porsche AG sind arabische Investoren massiv beteiligt. Kein Wunder, dass es diese Aktien besonders stark getroffen hat. Sollten diese Beteiligungen wirklich massiv abgebaut werden, dürfte sich der Kursrutsch in diesen Werten weiter fortsetzen.

Was soll man als Anleger nun tun?

Wer die Warnsignale, die uns der Aktienmarkt seit Wochen gegeben hat und die wir Ihnen hier auf Chartanalyse-Trends klar aufgezeigt haben, ernst genommen hat, kann die momentane Lage gelassen sehen. Wer allerdings immer noch voll investiert im Aktienmarkt ist, dürfte jetzt zumindest nervenaufreibende Phasen durchleben und auch noch vor sich haben. Es würde mich sehr wundern, wenn die Börsen nun innerhalb kürzester Zeit wieder zum Alltagsgeschäft zurückkehren würden und ihr seit August gezeigtes Muster ‘Buy on Dips’ (Kaufen in jeder kleinen Schwächephase) fortführen.

Wir werden Sie wie gewohnt bei Chartanalyse-Trends über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Ich wünsche Ihnen gerade in diesen stürmischen Zeiten viel Erfolg an den Börsen,

Ihr
Jörg Mahnert