Freundliche Kurse, sind Verkaufskurse!

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Bildquelle: Dirk Eusterbook

Der S&P 500 bewegt sich seit Februar in einer Spanne von mageren 2.040 bis 2.130 Punkten. Bemerkenswert sind dabei zwei Dinge: Dass CNBC der Gesprächsstoff nicht ausgeht, und dass der Index die schlechte Verfassung des Aktienmarktes nicht treffend reflektiert.

Zerreißt es die Rohstoff- und Industriewerte, ziehen die Banken und Hightechs an. Erholen sich die Rohstoff- und Industriewerte, setzen wiederum Gewinnmitnahmen bei Facebook (WKN A1JWVX) und Apple (WKN 865985) ein. Die Sektorenrotation im Schnellwaschgang ist schwer zu navigieren, wobei der Schmerz bei vielen Anlegern größer ist, als vom S&P 500 oder Nasdaq reflektiert. Wie schwierig der Markt ist, zeigt auch das Verhältnis zwischen steigenden und sinkenden Aktien. Über die NYSE, Nasdaq und Amex hinweg, gab es am Donnerstag 169 neue Rekorde wie auch 170 neue Tiefs.

Löste in den ersten vier Jahren des Bullenmarktes also noch manche Gruselmeldung Panik und Korrekturen aus, üben sich Anleger seit zwei Jahren in der großen Kunst der Gleichgültigkeit. Dabei wird gerade das dritte Rettungspaket für Griechenland geschnürt, Chinas Konjunktur bekommt zunehmend die Folgen des einbrechenden Aktienmarktes zu spüren und wir sehen auf breiter Front einbrechende Rohstoffpreise. Ein Warnzeichen für die globale Wirtschaft, wie auch ein Signal, dass der Deflationsdruck zunehmen wird. Dennoch weht über das Parkett der New Yorker Aktienbörse eine weiterhin milde Brise.

Wo soll der Schwung auch herkommen? Das Gewinnwachstum der Firmen im S&P 500 Index ist so gering wie seit 2009 nicht mehr, schreibt das Wall Street Journal. Mag sein, dass 75 Prozent der bisher gemeldeten Quartalszahlen im S&P 500 Index über den Zielen der Wall Street liegt. Der historische Durchschnitt liegt bei lediglich 63 Prozent. Das ändert aber nichts daran, dass die Gewinne im ersten Halbjahr 2015 um 0,7 Prozent gesunken sind! Erstmals seit 2009 entwickeln sich die Gewinne in einem ganzen Halbjahr rückläufig. Bei solchen Zahlen kommt keine Freude, sondern Langeweile auf. Ist die Ertragssaison beendet, findet die Langeweile erst so richtig statt. Dann geht es nur noch um die Wirtschaft – und die lahmt.

Profis und Privatanleger wechseln bei schlechten Nachrichten nicht ins Lager der Bären, sondern nehmen lediglich eine defensivere Haltung ein und pausieren in Wartestellung. Nach dem Motto: Sollten wir eine Korrektur sehen, kann das am sicheren Ufer liegende Kapital rasch re-investiert werden. Dumm daran ist aber eines: Wir haben seit Anfang 2013 keine Korrektur mehr gesehen!

Historisch betrachtet geht es im August und September meist bergab. Ich habe die letzte Woche genutzt um in die freundlichen Kurse hinein zu verkaufen. Ein Ausbruch über 2.130 Punkte ist vorerst unwahrscheinlich.

In diesem Sinne, Ihnen allen ein erholsames Wochenende!
Aus New York, von der Wall Street,
Ihr Markus Koch

MarkusKochEin Beitrag von Markus Koch.

Er ist das Gesicht der Wall Street. 1996 berichtete Markus Koch erstmals fürs Fernsehen von der New Yorker Aktienbörse. Seitdem steigt seine Bekanntheit und Beliebtheit stetig. Sein Themenspektrum umfasst weit mehr als nur die Wall Street und Börse. Auch die übergeordneten Themen aus internationaler Wirtschaft und Politik bezieht er in seine Beiträge ein. Bei Markus Koch Members erleben Sie die Welt der Börse und Finanzen mit Markus Koch. Erfahren Sie, was die Märkte bewegt, wo die Hintergründe liegen und wie Sie davon profitieren können.

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Bildquelle: Dirk Eusterbrock, Markus Koch


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