Über platzende Blasen und den Verlust von 2.366 Euro

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Bildquelle: Pressefoto © Erste Group

Erstens: Die nächste Blase droht demnächst zu platzen. Zweitens: Sie haben in den vergangenen Jahren 2.366 Euro verloren. Nichts verstanden? Also gut, der Reihe nach.

Immer noch stehen die Aktienbörsen im Zeichen der Griechenland-Krise und der Turbulenzen an den chinesischen Wertpapiermärkten. In China sei eine spekulative Aktienblase geplatzt, und dieser Umstand drohe, alle anderen behaupteten Aktienblasen in aller Welt zum Platzen zu bringen. Stimmt, an den Finanzmärkten geht die Angst vor dem Platzen einer Blase um. War China der Vorbote? Ein nüchterner Blick auf die Ereignisse in Shenzen und Shanghai zeigt: Bislang ist da nichts passiert, was nicht zu erwarten gewesen wäre. Innerhalb eines Jahres kletterte der Shanghai A-Index von rund 2.250 bis auf rund 5.400. Ein Rückschlag, der 30 bis 50 Prozent (je nach zugrunde gelegter Charttheorie) des vorherigen Anstieges kostet, darf noch als normale Korrektur gelten, überdies machte die Abwärtsbewegung artig vor dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt kehrt.

Eine Blase ganz anderer Natur sollte die Anleger aber doch besorgt stimmen: Die Anleihenkurse kannten in den vergangenen Jahren praktisch nur eine Richtung, nämlich aufwärts. Hier droht eine Blase, die Anlegern im Gegensatz zu Aktien tatsächlich zwingend Verluste bringt. Wenn sich Aktien auf Talfahrt begeben, dann hilft meist ausreichend Geduld, um wieder ins Plus zu kommen – das hat der Crash 2007-2009 eindrucksvoll bewiesen. Wer „drinnen“ geblieben ist (wie übrigens auch der Autor dieser Zeilen) ist längst wieder in der Gewinnzone angelangt. Anleihen hingegen laufen irgendwann aus, und dann ist der Verlust sozusagen „zwangsrealisiert“.

Genau diese Situation droht, wenn die Zentralbanken wieder beginnen, die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen auf Normalniveau zurückzuführen. In den USA wird dies in absehbarer Zeit der Fall sein. FED-Chefin Janet Yellen kündigte dieser Tage die Zinswende noch für das heurige Jahr an. Was geschieht, wenn diese Ankündigung in die Tat umgesetzt wird, lässt sich schwer einschätzen. Rational wäre, dass die Anleihenkurse fallen, und zwar stärker als die Aktienkurse, die ebenfalls unter steigenden Renditen leiden würden, allerdings mit weniger dramatischen Konsequenzen. Wenn die Anleger aber einmal feststellen, dass Anleihen riskanter sind als Aktien, dann ist ein Crash am Bondmarkt tatsächlich nicht ausgeschlossen. Immerhin weist der JPMorgan Government Bond Index bereits seit einigen Wochen abwärts.

Fazit: Es droht tatsächlich eine Blase, diese betrifft aber Anleihen. Und was hat es mit den 2.366 Euro für eine Bewandtnis, die angeblich jeder Österreicher verloren hat? Diese Zahl präsentierte kürzlich die „Erste“, die fiktive „Gewinne“ (eigentlich sind es nicht anfallende Kosten) durch niedrige Kreditzinsen den „Verlusten“ durch mies verzinste Sparbücher etc. gegenüberstellte. Die Kalkulation ist natürlich einigermaßen gewagt und beruht auf fiktiven längerfristig beobachteten Zinsen. Die Grundaussage aber stimmt: Die niedrigen Zinsen gingen zu einem Großteil zu Lasten der Sparer. Drohende Anleiheblase, schlecht verzinste Sparbücher – gibt es da eine Alternative zu Aktien?

Franz C . Bauer, Trend RedakteurEin Beitrag von Franz C. Bauer

Franz C. Bauer ist Chefkolumnist des Austria Börsenbriefs

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