Deutsche Annington: Der DAX-Countdown läuft

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Annington Immobilien SE

Wenn am 3. September in Frankfurt der „Arbeitskreis Aktienindizes“ zu seinem viertel-jährlichen Treffen zusammenkommt, um über mögliche Auf- und Absteiger in den deutschen Auswahlindizes zu beraten, dürfte es erstmals seit September 2012 wieder zu einer Änderung im DAX kommen. Umgesetzt würde diese zum 21. September. Clevere Anleger bringen sich schon jetzt bei den möglichen Aufsteigern in Stellung. Denn die Änderungen bewegen viel Geld: Indexfonds (ETFs) müssen die Wechsel in Deutschlands wichtigstem Auswahlbarometer nachvollziehen. Allein im größten DAX-ETF, dem iShares Core DAX von Blackrock, sind derzeit knapp elf Mrd. Euro investiert. Da kann schon ein einziger Wechsel zu Orders von mehreren hundert Mio. Euro führen. Auch viele aktiv gemanagte Fonds orientieren sich an den Indexzusammensetzungen.

So gesehen ist es kein Wunder, dass die Kurse der späteren Indexaufsteiger in der Vergangenheit schon lange vor der Entscheidung meist kräftig stiegen. Aus Berechnungen des Anlegermagazins BÖRSE ONLINE, das die DAX-Umschichtungen der vergangenen neun Jahre unter die Lupe genommen hat, geht hervor, dass sich die Aktienkurse der späteren Aufsteiger in den sechs Monaten vor Ankündigung der Indexänderung im Schnitt um 5,5 Prozentpunkte besser entwickelt haben als der DAX. Würde man den Ausreißer Infineon mit einrechnen – die Aktie des Chipkonzerns verfälscht mit einem Plus von mehr als 600 Prozent die Statistik – käme sogar eine Outperformance von 54,4 Prozent heraus. Selbst wer erst einen Monat vor der Ankündigung kaufte, konnte noch 3,2 Prozentpunkte mehr verdienen als mit dem DAX.

Über Auf- und Abstiege entscheiden zwei Kriterien: der Börsenwert des Streubesitzes und die Handelsumsätze. Dabei wird bei der DAX-Überprüfung im September ein Titel herausgenommen, der in einem der beiden Kriterien einen Rang höher als 40 aufweist, sofern ein Aufsteiger existiert, der in beiden Kriterien Rang 35 oder besser ist („Regular Exit“). Auf Basis der Monatsrangliste vom Mai lieferten sich die Immobiliengesellschaft Deutsche Annington (WKN A1ML7J) mit den Plätzen 28 und 32 sowie der Medienkonzern ProSiebenSat.1 mit den Rängen 29 und 33 noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen um einen Platz in der Oberliga. Doch dank einer kürzlich durchgeführten milliardenschweren Kapitalerhöhung haben sich die Anteilscheine von Deutsche Annington inzwischen auf Platz 25 beim Kriterium Börsenwert verbessert und damit deutlich von ProSiebenSat.1 abgesetzt. Hugo Boss hat mit den Rängen 35 und 34 lediglich Außenseiterchancen. Im Gegenzug wird das DAX-Mitglied Lanxess mit Platz 42 beim Börsenwert den Index wohl verlassen müssen.

Hintergrund der Kapitalerhöhung ist eine große Akquisition, mit der die Gesellschaft ihre Position als Marktführer in der deutschen Wohnungswirtschaft ausbauen will: Für 1,9 Mrd. Euro wird Deutsche Annington Südewo mit 19.800 Wohnungen kaufen. Mit dem Schritt steigt die Zahl der Wohnungen auf rund 370.000. Der Branchenzweite, Deutsche Wohnen, kommt aktuell nicht einmal auf halb so viele Einheiten. „Im stark fragmentierten deutschen Markt für Mietwohnungen nutzen wir eine weitere Gelegenheit, unsere bundesweite Aufstellung strategisch zu erweitern“, sagte Annington-Chef Rolf Buch. Durch die Kapitalmaßnahme ist der Streubesitz deutlich gestiegen, wodurch dem Konzern der DAX-Aufstieg kaum noch zu nehmen wird.

Chart: Guidants
Chart: Guidants

Nach dem Börsengang vor ziemlich genau zwei Jahren hat sich die Aktie von Deutsche Annington in der Spitze mehr als verdoppelt. Dann kam es im Zuge des deutlichen Renditeanstiegs bei Anleihen, der auch Baufinanzierungen verteuerte, zu empfindlichen Abschlägen. Börsianer fürchteten, dass die Nachfrage nach Immobilien nachlässt und Preise sowie Mieten unter Druck geraten. Das würde die Geschäftsaussichten von Gesellschaften wie Deutsche Annington eintrüben. Jedoch ist eine generelle Zinswende nicht in Sicht. Inzwischen hat sich die Aktie des DAX-Anwärters wieder an die 200-Tage-Linie nach oben gearbeitet – ein gutes Zeichen.

Spekulative Anleger setzen daher mittels eines Mini Future Long-Zertifikats (ISIN DE000PS66BX6) von BNP Paribas auf positive Kursimpulse. Das Papier bildet mögliche Gewinne der Aktie von Deutsche Annington mit einem Hebel von 4,6 ab.

Fazit: Spekulativ orientierte Anleger können mit dem Mini Future Long-Zertifikat von BNP Paribas auf positive Kursimpulse bei der Aktie des Immobilienkonzerns durch den wahrscheinlichen DAX-Aufstieg setzen. Das Papier bildet Kursgewinne mit einem Hebel von 4,6 ab. Ein Kursanstieg der Aktie von beispielsweise fünf Prozent würde bei dem Mini Future in einen Gewinn von rund 23 Prozent münden. Die Knock-Out-Schwelle, bei der das Zertifikat ausgestoppt wird, liegt bei 22,61 Euro. Diese Marke ist rund 17,9 Prozent vom aktuellen Kurs entfernt. So niedrig notierte die Aktie seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr. Auch die jüngste Korrektur endete bereits bei 23,80 Euro. Für zusätzliche Sicherheit sorgt der innere Wert (Net Asset Value, kurz NAV), der per Ende des ersten Quartals 2015 bei rund 28,00 Euro je Aktie – und damit leicht oberhalb der aktuellen Notiz – lag. Die jüngste Übernahme ist hier noch nicht eingerechnet.

Ein Beitrag von Christian Scheid. Er ist Chefredakteur von ZERTIFIKATE // AUSTRIA und freier Wirtschafts- und Finanzjournalist. Er schreibt für mehrere österreichische und deutsche Fachmagazine und -zeitungen. Sein Gratis-Newsletter ZERTIFIKATE // AUSTRIA ist mehr als lesenswert. Hier geht es zur Anmeldung.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Annington Immobilien SE


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