Griechenland, der Euro und die Aktien-Chancen

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Journalisten sind eine seltsame Gattung Mensch, und bisweilen bemühen sie sich geradezu, alle Vorurteile „normaler“ Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen: Immer nur das Negative suchen, Geschichten „aufblasen“, dramatisieren und skandalisieren. Ich hatte die Gelegenheit, das Griechenland-Referendum von Deutschland aus zu verfolgen. Besonders hervorgetan haben sich da in seltsamer Einigkeit „Bild“ und „Spiegel“. Warum Angela Merkel zurücktreten muss, wenn der Euro scheitert, warum das „Nein“ der Griechen eine Niederlage „der Kanzlerin“ sein soll, all das habe ich einfach nicht verstanden. Deutschland hat das Äußerste getan, um Griechenland zu retten. Dass Gläubiger (die das Geld ihrer Steuerzahler zu verantworten haben) Bedingungen stellen, ist nicht nur normal, sondern alles andere wäre verantwortungslos. Und versuchen Sie einmal, Ihrer Bank, bei der ein Kredit läuft, zu erklären, sie werden das Geld, erstens, nicht zurückzahlen, sie werden, zweitens, zu Hause darüber abstimmen, was sie wie bezahlen wollen und, drittens, soll die Bank gefälligst neues Geld herüberrücken.

Die gute Nachricht: Der patzig-überhebliche und unerträgliche griechische Finanzminister ist aus dem Amt geflogen. Die Turbulenzen an den Börsen waren absehbar und – siehe Leitartikel der vergangenen Woche – das „Nein“ eröffnet den Gläubigern jetzt immerhin die Gelegenheit, Griechenland aus der Eurozone zu entlassen (technisch muss es allerdings umgekehrt laufen, und auch da braucht es noch weitere Rahmenbedingungen). Damit liegt der Ball tatsächlich bei den Griechen – das Votum des Volkes ist jedenfalls als „Nein“ zum Euro zu interpretieren. Was aber bedeutet das für die Börsen?

Lassen wir an dieser Stelle ausnahmsweise einen unabhängigen Vermögensverwalter zu Wort kommen. In einer Aussendung beurteilt Edmond de Rothschild Asset Management die Situation folgendermaßen: Nach Meinung der Analysten waren die Aussichten auf eine anhaltende Erholung in den Industrienationen trotz politischer Risiken in Ländern wie Griechenland und der Ukraine, die ernsthafte Konsequenzen haben könnten, selten so gut. Die Experten des Hauses Edmond de Rothschild Asset Management (France) halten in ihrer jüngsten Analyse „Konjunkturaussichten und Anlageüberzeugungen“ an ihrer Prognose fest, dass das Weltwirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte 2015 an Fahrt aufnehmen wird.

Insbesondere in den USA ist es zu erwarten, dass die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes, der steigende Konsum und ein normalisiertes Investitionsniveau zum Wachstum beitragen werden. Nach Meinung der Rothschild-Analysten deute vieles auch auf eine wirtschaftliche Erholung in Europa hin. Die Region profitiert vom günstigen Ölpreis sowie von der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit einer massiven Lockerung der geldpolitischen und finanziellen Bedingungen Unternehmen ermöglicht, durch mehr Kreditaufnahme die Gewinne zu steigern. Skeptischer gibt man sich, was die Aussichten in den Schwellenländern betrifft. Die Kernaussage lautet jedenfalls: Griechenland ist aus mittelfristiger Sicht in den Kursen eingepreist. Voraussetzung allerdings: Die Schuldner lassen sich nicht weiter an der Nase herumführen.

Franz C . Bauer, Trend RedakteurEin Beitrag von Franz C. Bauer

Franz C. Bauer ist Chefkolumnist des Austria Börsenbriefs

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