Wochenrückblick KW25: Commerzbank im Dauertief, Bilfinger unter Druck, Griechen-Drama geht weiter

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Schon wieder ist eine weitere Woche im endlos erscheinenden Griechen-Drama vergangen. Die Welt dreht sich noch immer, wenngleich die Spannung von Tag zu Tag anstieg. Nun macht man sich also Sorgen, ob die Banken in Athen am Montag noch öffnen oder nicht. Hintergrund ist der stille Bankrun, der seit einiger Zeit die griechischen Banken an den Rand des Kollapses bringt. Dank der EZB-Liquiditätsspritzen in Form der ELA-Kredite ist zumindest elektronisch kein Problem in Sicht. Das findet man nur auf der Ebene des Papiergelds. Denn es könnte die Zeit kommen, da die Geldautomaten keine Scheine mehr ausspucken, weil alle Griechen ihre Ersparnisse cash unter dem Kopfkissen liegen haben. Aus ihrer Sicht verständlich. Kommt die Währungsreform, hat man immer noch harte Euro. Geldbestände auf Konten können dagegen elektronisch einfach auf eine neue Währung umgestellt werden. Angesichts der kolportierten 4 Mrd. Euro, die allein in dieser Woche abgehoben worden sein sollten, dürften also bald wieder Flieger mit Euro-Noten nach Athen gehen. Das ist ein erprobtes Mittel, das bereits vor dem ersten Rettungspaket 2010 eingesetzt wurde. Für Anleger wiederum heißt es auf eine baldige Entscheidung im Griechen-Drama zu hoffen. Egal was passiert: ein Grexit ist im Großen und Ganzen im DAX eingepreist und dürfte nur kurzfristig belasten. Nichts nervt Börsianer so sehr, wie offene Entscheidungen.
Bei der Commerzbank (WKN CBK100) ist die nach wie vor offen – die Frage nach der Erholung. Angesichts der Griechenland-Krise und der allgemeinen Marktunsicherheit bleibt die Aktie weiterhin schwach.
Klarheit gab es indes bei Bilfinger (WKN 590900). Wenn auch anders als gehofft. Nach einer neuerlichen Gewinnwarnung will man nun die Kraftwerkssparte mit rund 11.000 Mitarbeitern verkaufen. Ob sich ein Käufer findet, wird noch am Markt bezweifelt. Anders lässt sich der Kurseinbruch in der Folge nicht bewerten. Die Talsohle ist also leider noch immer nicht erreicht.

Aus Deutschland

Lange Zeit war es in Sachen mögliche Übernahme des US-Mobilfunkgeschäfts der Deutschen Telekom (WKN 555750) ruhig. Doch nun sorgt T-Mobile US neben dem erfolgreichen Kundenfang auch wieder mit Übernahmegerüchten für Aufsehen. Allerdings tut sich bei den Bonnern auch abseits des US-Marktes einiges. Mehr dazu hier.
Bei den beiden DAX-Versorgerwerten RWE (WKN 703712) und E.ON (WKN ENAG99) sind Anleger einiges an Kummer gewohnt. Insbesondere die RWE-Aktie hat dabei die Hoffnungen auf eine Bodenbildung zuletzt enttäuscht, während nach dem Unterschreiten der 20-Euro-Marke nun auch ein neues Allzeittief winkt. Allerdings sind noch nicht alle Marktteilnehmer bereit, die Essener aufzugeben. Unsere Einschätzung dazu hier.
Die Aktie des Stahlhändlers Klöckner & Co (WKN KC0100) war am Freitag der Top-Performer im MDAX, weil die Analysten bei Goldman Sachs angesichts des Kursturzes der vergangenen Wochen ein verbessertes Chance/Risiko-Profil sehen und daher das Kursziel angehoben haben. Im Fall der ThyssenKrupp-Aktie (WKN 750000) spielt sich alles nach dem gleichen Drehbuch ab.
Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 (WKN PSM777) besteht nicht nur aus Stefan Raab oder dem Sender ProSieben. Allerdings wird der Entertainer dem MDAX-Unternehmen nach seinem Abgang zum Jahresende als Aushängeschild fehlen. Damit dürfte letztlich auch der DAX-Aufstieg, mit dem ProSiebenSat.1 in der Vergangenheit immer wieder in Verbindung gebracht wurde, schwieriger werden. Unsere Einschätzung dazu hier.
Die mobile Geldbörse „Apple Wallet“ startet im Herbst in Europa und der Zahlungsabwickler Wirecard (WKN 747206) ist ebenfalls vertreten. Dabei dürfte es nicht schaden, wenn man mit Apple (WKN 865985) zusammenarbeitet. Allerdings konnte Wirecard zuletzt auch abseits der Kooperation mit Apple ein beeindruckendes Wachstumstempo hinlegen. Nur wollte der Aktienkurs in jüngerer Vergangenheit nicht mehr ganz mitziehen.

Internationales

Vom 8. bis 12. Juni hatte Apple (WKN 865985) zur jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco geladen. Traditionellerweise ist die Veranstaltung weniger der Ort, an dem der Konzern sensationelle Hardware-Neuerungen vorstellt, sondern sich vielmehr auf den Bereich Software konzentriert. Trotzdem gab es auch dieses Mal viel zu sehen. Mehr dazu hier.
Der US-Softwarehersteller Oracle (WKN 871460) hat es in seinem vierten Geschäftsquartal 2014/15 sowohl bei den Umsatzerlösen als auch auf der Ergebnisseite geschafft, die Markterwartungen zu unterbieten. Schuld war unter anderem der starke US-Dollar. Allerdings hatte der Konkurrent von Europas größtem Softwarekonzern SAP (WKN 716460) noch ganz andere Sorgen. Unsere Einschätzung dazu hier.
Bei Adobe Systems (WKN 871981) liefen die Geschäfte im zweiten Geschäftsquartal 2014/15 (Ende Mai) weiter rund. Während man den Umstieg beim Softwareverkauf auf ein Abo-Modell über die Cloud weitgehend abgeschlossen hat, zeigen sich auch immer mehr die Vorteile dieses Modells. Allerdings enttäuschte das Unternehmen Investoren mit der Prognose. Diese befürchten nun eine abnehmende Wachstumsdynamik. Mehr dazu hier.
Der Jubel über den Abgang des bei Anlegern wenig beliebten Chefs des Kurznachrichtendienstes Twitter (WKN A1W6XZ) Dick Costolo hielt nicht lange an. Dabei dürften Investoren noch weniger erfreut reagieren, wenn die Unsicherheit um die Nachfolge an der Konzernspitze allzu lange anhalten sollte. Heute gab es schon einmal widersprüchliche Medienberichte zur Einstellung eines Großaktionärs. Unsere Einschätzung dazu hier.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

Die Berichtssaison ist weitgehend durch. In der kommenden Woche berichten u.a.: BlackBerry, Carnival (Dienstag); Bed Bath & Beyond, H.B. Fuller, Monsanto (Mittwoch); Accenture, Barnes & Noble, Micron, Nike, Winnebago (Donnerstag). Daneben finden noch einmal zahlreiche Hauptversammlungen statt.

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

Montag
11:00 EU Verbrauchervertrauen (Juni)
16:00 US Verkauf bestehender Häuser (Mai)

Dienstag
09:30 DE Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe (Juni)
09:30 DE Einkaufsmanagerindex Dienste (Juni)
10:00 EU Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe (Juni)
10:00 EU Einkaufsmanagerindex Dienste (Juni)
10:00 EU Einkaufsmanagerindex Gesamt (Juni)
14:30 US Auftragseingang langlebige Güter (Mai)
14:30 US Auftragseingang Industrie (Mai)
15:00 US FHFA Hauspreisindex (April)
16:00 US Neubauverkäufe (Mai)

Mittwoch
10:00 DE ifo-Geschäftsklima (Juni)
14:30 US BIP (Q1)

Donnerstag
08:00 DE GfK Konsumklima (Juli)
14:30 US Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche)
14:30 US Persönliche Einnahmen (Mai)
14:30 US Private Konsumausgaben (Mai)

Freitag
16:00 US Verbrauchervertrauen Uni Michigan (Juni)

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