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Facebook und Twitter – wird 2010 das Jahr der großen Börsengänge?

Die Berichte reißen nicht ab. Seit einigen Tagen wird groß über die Börsengänge der beiden großen Web 2.0-Unternehmen Facebook und Twitter orakelt. Vom Handelsblatt über FTD bis zur FAZ – Land auf Land ab wird schon von einem zweiten Google-Erfolg geträumt.

Was sind Twitter und Facebook überhaupt Wert?

Zunächst einmal muss man feststellen, dass beide Unternehmen solide finanziert sind, also derzeit wohl keinen dringenden Bedarf an neuem Kapital haben. Aber die Welt des Web 2.0 ist schnelllebig und lebt von Veränderungen – teuren Veränderungen. Zudem wachsen die Nutzerzahlen rasant, was auch irgendwie technisch gestemmt werden muss, was wiederum Geld kostet. Ende September hat bspw. Twitter eine neue Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen – in der Presse war von 100 Mio. Dollar für 10 Prozent der Anteile die Rede. Was zu einem Gesamtwert von rund 1 Mrd. Dollar führen würde – für ein Unternehmen, was bislang kaum Umsätze, geschweige denn Gewinn erzielt nicht schlecht. Im Vergleich zu Google ist das aber immer noch wenig, denn hier liegt die Marktkapitalisierung derzeit bei rund 185 Mrd. Dollar.

Aber schauen wir mal zu Facebook. Hier ist die letzte Finanzierungsrunde schon etwas länger her. Im Mai hatte die russische Investmentgesellschaft Digital Sky Technologies 200 Mio. Dollar für rund 1,96 Prozent investiert. Allerdings handelt es sich um Vorzugsaktien. Daneben hat Digital Sky Technologies Alt-Aktionären Stammaktien für rund 100 Mio. Dollar abgekauft. Damit wird Facebook mit insgesamt 10 Mrd. Dollar bewertet. Wobei diese Zahlen nicht absolut sind. Auf dem Zweitmarkt, wo Facebook-Aktionäre ihre Aktien bereits jetzt verkaufen können, waren zuletzt starke Schwankungen zu beobachten.

Wagen Twitter und Facebook wirklich den Schritt an die Börse?

Ob, und wenn ja, wann der Börsengang kommt, ist derzeit Gegenstand vieler Diskussionen und vor allem Spekulationen. Allerdings nicht ganz ohne Grund, denn Facebook hat nun bestätigt eine Zwei-Klassen-Aktienstruktur einzuführen. Mit dem in den USA durchaus üblichen Verfahren werden unterschiedliche Stimmrechte und/oder Gewinnbeteiligungen eingeführt. Vergleichbar mit unseren Vorzugs- und Stammaktien. Allerdings sind in den USA feinere Unterscheidungen möglich. Ganz wie man es eben braucht. One Share – one Vote gilt dabei nur selten. Im aktuellen Fall sollen alle bisherigen Anteilseigner Class B-Aktien erhalten, die mit einem 10-fachen Stimmrecht ausgestattet sind. Ziel der Aufteilung ist offensichtlich die Einflusssicherung der bisherigen (Groß-)Aktionäre – allen voran Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit rund 30 Prozent. Nicht unwesentlich die Fäden zieht dabei sicher auch der PayPal-Gründer Peter Thiel, der vielfältige Erfahrungen im ersten DotCom-Hype gesammelt hat. Mit seinem frühen Einstieg konnte sich Thiel 7 Prozent, zu einem sicherlich sehr lukrativen Preis sichern. Im Dezember 2007 gab Thiel übrigens der Zeit ein kleines Interview in dem er die Revolution des Werbemarktes prophezeite: „Und wir kennen die Berufe und Vorlieben unserer Nutzer. Mit diesem Wissen werden wir die Werbung revolutionieren.“

Die Meldung mit der neuen Aktienstruktur und der nachgeschobenen Aussage „Wir streben derzeit keinen Börsengang an“ ließ vor allem US-Finanzblogger mehr oder minder hämische Kommentare abgeben. So bspw. Eric Savitz im Tech Trader Daily:

Facebook said the dual-class structure “should not construed to signal the company is planning to public,” and added that “Facebook has no plans to go public at this time.”
Okay, sure, whatever you say. Wink, wink.

Oder Tom Johansmeyer schreibt bei BloggingStocks:

„So, the latest move could be the groundwork for an imminent IPO, or it may just be a touch of forward thinking in case that sort of transaction arises someday. I’m wondering, though, why such a granular play would be made if not for a near-term reason.

(Hervorhebungen jeweils von mir)

Bei Twitter wiederum sind es nicht konkrete Taten, sondern nur Worte. So erklärte Twitter-Mitgründer Biz Stone, dass ein Börsengang zu einem gewissen Zeitpunkt durchaus eine Option sein könne. Man wolle in nächste Zeit das Werbegeschäft deutlich ausweiten und bereits nächstes Jahr schwarze Zahlen schreiben.

Und was wird nun?

In beiden Fällen wird deutlich: Solange die beiden Unternehmen nicht dringend neues Kapital brauchen, wird es keinen Börsengang geben. Ein IPO wird es sicher nur in einem guten bis sehr guten Börsenumfeld geben, denn die Preise sollen ja auch stimmen. Derzeit wäre die Lage sicher nicht verkehrt, aber soweit sind weder Twitter noch Facebook. Bis die Unternehmenslage und das (Börsen-)Umfeld passen, wird man sich im Zweifel mit kleineren Finanzierungsrunden begnügen. Wichtig ist in beiden Fällen, dass bald die große Popularität der Dienste in Dollar umgemünzt werden. Gerade Twitter hat noch viel zu tun, bis es Geld (in ausreichendem Maße) verdient.

Aber die Chancen sind enorm. Der Online-Werbemarkt wächst und wächst. Passend dazu hat DB Research die Studie Online-Werbung in Deutschland: Lichtblick in der Krise (pdf) veröffentlicht. Man sieht also genau wohin die Reise geht. Facebook und Twitter müssen nun nur alles Stück für Stück richtig machen. Wobei dies gerade für Twitter sehr schwer werden wird. Die bspw. bei der Telebörse skizzierten Wege Gebühren und Verkauf von Nutzerdaten fallen m.E. weg. Bleibt also nur die bereits genannte Werbeschiene. Hier ist allerdings die Umsetzung noch offen. Aber dazu gibt es ja Kreativabteilungen.

Bei Facebook wiederum läuft die Werbemaschinerie so langsam an. Von daher ist das Geschäftsmodell hier schon gefunden. Spannend wird es sein, wie dieser Markt ausgebaut wird. Aber wenn man sich zurück erinnert. Beim Börsengang von Google hat auch noch niemand so richtig an den an den Siegeszug von AdWords geglaubt. Mit Facebook und Twitter hat es sich dann aber auch an interessanten Web 2.0-Börsenkandidaten. Von daher muss man keinen Internethype 2.0 fürchten. Eins ist auf jedenfall sicher: Twitter und Facebook werden von nun an, regelmäßig auch in den Wirtschafts- und Börsemedien Erwähnung finden. Und vielleicht heißt es dann wirklich im Spätsommer 2010 in der Tagesschau: Heute gelang dem Sozialen Netzwerk Facebook ein fulminanter Einstand an der New Yorker Börse…


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