Risky Business

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an diese nette Teenie-Klamotte von Paul Brickman aus dem Jahr 1983. Nun ist der Film zwar kein cineastisches Highlight, drei bemerkenswerte Dinge hat er dennoch zu bieten: Da wäre einmal der noch sehr junge Tom Cruise, der mit seiner Hauptrolle in dem Streifen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde und damit den Grundstein für seine spätere Hollywood-Karriere legte. Zum zweiten ist es wiederum der noch sehr junge Tom Cruise in dieser mittlerweile legendären Szene, in der er zu Bob Segers „Old Time Rock and Roll“ in weißen Tennissocken durch das elterliche Heim tanzt. Diese Szene wurde seitdem vor allem in Werbespots immer wieder gerne kopiert, zuletzt war beispielsweise die Modelmutter Heidi Klum als Sock Chick zu sehen. Ja, und zu guter Letzt ist es der Titel selbst, der einem auch nach mittlerweile drei Jahrzehnten noch zu denken gibt. Also, nicht dass wir uns jetzt missverstehen – das Original klingt selbstverständlich total einleuchtend und logisch, wenn man den Plot kennt. Wie die deutschen Filmverleiher jedoch auf die Idee kamen, das Werk in „Lockere Geschäfte“ umzubenennen, ist mir bis heute ein Rätsel. Ich habe natürlich sofort einige Übersetzungsdienste diesbezüglich in Anspruch genommen, und die Bandbreite der möglichen deutschen Begriffe für das englische „risky“ reichen von riskant über waghalsig und gefährlich bis hin zu abenteuerlich. Locker war jedenfalls nicht dabei. Was für ein Widerspruch, oder? Und genau der findet sich aktuell auch an den Märkten:

Zu riskant…

Da stellt sich nämlich durchaus die Frage, ob das, was beispielsweise die EZB da treibt, eher ein „Risky Business“ ist oder vielleicht doch unter der Rubrik „Lockere Geschäfte“ verbucht werden kann. Die Anleihekäufe in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat waren ja ursprünglich angedacht, einerseits die kaum noch vorhandene Inflation in Richtung der 2 Prozent-Marke zu hieven. Außerdem sollte – quasi als zusätzlich importierte Inflation – der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren, was wiederum die hiesigen (exportlastigen) Aktienmärkte beflügeln sollte. Dieses Vabanquespiel schien zunächst aufzugehen, die Börsen haussierten wie gewünscht und siehe da, auch die Teuerungsrate ist im Mai erstmals seit 5 Monaten wieder gestiegen, um sagenhafte 0,3 Prozent. Die gefürchtete Deflation scheint damit zwar in weite Ferne gerückt, aber so richtig rund läuft es dennoch nicht. Ganz gegen die Erwartungen steigt der Euro derzeit nämlich unbotmäßig, und folgerichtig gehen die Aktienkurse in den Keller. Dort befinden sie sich in bester Gesellschaft, denn auch die Preise für Staatsanleihen fielen in dieser Woche auf neue Tiefststände. Die Renditen für diese Papiere verzeichnen deshalb einen rasanten Aufstieg – nach dem Jahrestief bei 0,05 Prozent im April notierte die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen am gestrigen Donnerstag mit einem Tageshöchststand von 0,99 Prozent zwischenzeitlich so hoch wie seit September nicht mehr. Und was passiert, wenn die Renditen der Staatsanleihen endlich wieder Gewinne abwerfen?

…oder zu locker?

Richtig, dann gehen die Erwartungen eindeutig in Richtung steigender Zinsen. Das wiederum bedeutet über kurz oder lang, dass die Aktienmärkte insbesondere für große, risikoaverse Investoren an Attraktivität verlieren dürften. Zwar hat Mario Draghi am Mittwoch eine deutliche Warnung in Richtung Rentenmärkte abgegeben, „die Marktteilnehmer müssten sich künftig an stärkere Kursschwankungen gewöhnen“. Gut möglich aber, dass der EZB-Chef selbst die Entwicklung der Märkte derzeit zu locker sieht. Perspektivisch müssen wir uns daher wohl vor allem an eine höhere Unsicherheit bei DAX & Co gewöhnen. Die Schaukelbörsen der abgelaufenen Handelswoche waren dabei vermutlich nur ein Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Wochen bevorstehen könnte. 11.000 Punkte auf der Unter- und 12.000 Zähler auf der Oberseite, so lassen sich die Kursziele im deutschen Leitindex für die nächsten Sitzungen formulieren. Schön ist das nur bedingt.

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