Deutsche Bank: Vorstände unter Beschuss

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Für den Co-Vorstand der Deutschen Bank (WKN 514000), Anshu Jain, kommt es derzeit ganz dick. Der Betriebsrat der Frankfurter Konzernzentrale brachte ein Flugblatt unter die Mitarbeiter, in dem unter der Überschrift „Wind of Change? Wind of Jain?“ indirekt ein Rücktritt des Top-Managers gefordert wird. Dem Betriebsrat geht es vor allem um die zahlreichen Rechtstreitigkeiten, die auf Deutschlands größtem Geldhaus lasten und für die Jain als langjähriger Chef des Investmentbankings die Verantwortung trägt. Egal ob überteuerte Hypothekenkredite in den USA, Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor oder Betrügereien bei Gold- und Devisenkursen – die Deutsche Bank war stets mit von der Partie. Wegen der Verfehlungen der Vergangenheit musste das Geldhaus bereits Milliarden an Strafen zahlen. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Mit der Aktie der Deutschen Bank war seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 kein Blumentopf zu gewinnen. Kostete eine Aktie damals noch mehr als 100 Euro, ist der Kurs inzwischen auf ein Viertel dessen zusammengeschrumpft. Von den Tiefständen im Jahr 2009 bei rund 13,50 Euro ist der Titel zwar weit entfernt. Doch vor wenigen Tagen hat der Kurs wieder Fahrt nach unten aufgenommen. Verliert die Notiz den aktuellen Kampf mit der 200-Tage-Durchschnittslinie, rückt das Tief aus dem vergangenen Jahr, 22,24 Euro, in Reichweite. Anschließend wäre Platz bis zu den Tiefständen aus den Jahren 2012 und 2011 bei rund 21,00 Euro beziehungsweise 20,00 Euro.

Chart: Guidants
Chart: Guidants

Schon auf der Hauptversammlung, die am 21. Mai in Frankfurt stattfand, hatten Jain und sein Vorstandskollege Jürgen Fitschen, nichts zu lachen. Das Vorstands-Duo räumte vor den Aktionären ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte war. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management die neuen Vorgaben der Aufseher weltweit unterschätzt. „Wir sind noch nicht am Ziel, der Umbau geht weiter“, rief Fitschen den Aktionären zu. „Wir liefern Ihnen noch nicht die Renditen, die Sie erwarten und verdienen.“ Doch beide Co-Chefs bekräftigten: „Wir sind davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Die Anteilseigner ließen sich jedoch nicht besänftigen: Lediglich 61 Prozent stimmten für eine Entlastung der beiden Manager. Üblich sind Quoten von 90 Prozent und mehr. „Wir Aktionäre zahlen jetzt die Zeche für die Casino-Spielchen unserer Investmentbanker aus der Vergangenheit“, kritisierte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die DSW will – notfalls vor Gericht – den Einsatz eines unabhängigen Sonderprüfers zum Thema Altlasten durchsetzen. Nur wenige Stunden vor Beginn des Aktionärstreffens hatte der Aufsichtsrat einen weitreichenden Umbau des Top-Managements besiegelt. Jain bekommt dabei mehr Macht, während Fitschen Zuständigkeiten verliert. Zudem hatte die Konzernführung bereits Ende April beschlossen, die Tochter Postbank abzustoßen. Darüber hinaus will die Deutsche Bank bis zu 200 eigene Filialen schließen. Doch der Strategiewechsel wurde von vielen Analysten als halbherzig kritisiert. Da hilft es auch nichts, dass sich mit der Bawag nun erstmals ein Kaufinteressent für die Postbank aus der Deckung gewagt hat. Kein Wunder: Angeblich ist die Bawag lediglich bereit, 4,5 Mrd. Euro zu zahlen. Das wäre deutlich weniger als das aktuelle Eigenkapital, das Ende März 6,7 Mrd. Euro betrug.

Apropos Eigenkapital: Die Ratingagentur Moody‘s sieht die Kapitaldecke des Gesamtkonzerns weiter kritisch. Zwar habe die Bank 2014 Fortschritte beim harten Kernkapital gemacht. Dennoch sei vermutlich eine bedeutende Portion frischen Kapitals nötig, um die Risiken künftiger Rechtsstreitigkeiten und Auflagen abzudecken. Die im November 2014 durchgeführte Kapitalerhöhung dürfte also nicht die letzte gewesen sein – keine guten Aussichten für den Aktienkurs der Deutschen Bank, der seinen Sinkflug seit der Hauptversammlung beschleunigt hat. Anleger sind daher gut beraten, wenn sie sich auf der Shortseite in Stellung bringen, etwa mittels eines Discount Puts von der BNP Paribas (ISIN DE000PA5T3S2).

Fazit: Mit dem Discount Put-Optionsschein von BNP Paribas können risikobereite Anleger auf einen anhaltenden Abwärtstrend der Aktie der Deutschen Bank spekulieren. Entscheidend ist die Marke von 25 Euro. Notiert die Aktie der Deutschen Bank am Laufzeitende im Dezember 2015 auf oder unterhalb dieser Marke, generiert das Papier den maximalen Ertrag von 101,3 Prozent. Für jeden Cent, den die Aktie am Schluss über dem Cap notiert, wird vom maximalen Rückzahlungsbetrag von drei Euro ein Cent abgezogen. Der Rückzahlungsbetrag errechnet sich aus der Differenz des Basispreises von 28 Euro und dem am Ende gültigen Aktienkurs. Wertlos verfällt das Papier bei einem Aktienkurs von 28 Euro oder mehr.

Ein Beitrag von Christian Scheid. Er ist Chefredakteur von ZERTIFIKATE // AUSTRIA und freier Wirtschafts- und Finanzjournalist. Er schreibt für mehrere österreichische und deutsche Fachmagazine und -zeitungen. Sein Gratis-Newsletter ZERTIFIKATE // AUSTRIA ist mehr als lesenswert. Hier geht es zur Anmeldung.

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