Wochenrückblick KW21: Commerzbank, EZB und andere Banken-Lieblinge

1
Bildquelle: dieboersenblogger.de

Die vergangene Woche brachte den DAX wieder zurück auf Kurs. Schuld hatte dabei die EZB und ihre Ankündigung noch mehr Geld über den Märkten auszuschütten. Doch beinahe hätte das niemand mitgekriegt. Niemand ist übertrieben. Der französische EZB-Direktor Benoît Coeuré hatte sich nämlich am Montagabend in einer Rede vor Hedge Fonds-Managern und anderen Finanzmanagern in London quasi verplappert. Seine Message: Die EZB druckt mehr Geld. Mit diesem Informationsvorsprung konnten die Hedge Fonds-Manager 14 Stunden arbeiten. Der genaue Schaden dieser Indiskretion oder Kommunikationspanne, wie die EZB es nannte, lässt sich nicht beziffern. Der Euro-Kurs macht jedenfalls in dieser Zeit interessante Bewegungen, so dass man sicher sein kann, dass jeder der Händler einen guten Schnitt gemacht hat. Der breiten Öffentlichkeit wurde der Schritt der EZB erst am Dienstagmittag bekannt gegeben. Die Reaktion des Euro war dann zwar noch einmal deutlich signifikanter, doch für die vorab informierten Hedge Fonds-Manager vergrößerte dies nur den Profit. Mit solchen Notenbankern braucht man als Privatanleger eigentlich keine Bankster mehr. Vertrauensbildend sind solche Aktien jedenfalls nicht, zumal sich die EZB mit ihren geldpolitischen Maßnahmen bereits auf dünnem Eis befindet.
Dieses dünnen Eis bekamen in dieser Woche auch die beiden großen deutschen Banken Commerzbank (WKN CBK100) und Deutsche Bank (WKN 514000) zu spüren. Der Branchenprimus erlebt auf seiner Hauptversammlung, wie eine Abreibung auf Anlegerart aussieht: Die beiden Vorstandschefs erhielten von 40 Prozent ihrer Aktionäre keine Entlastung. Folgen: Leider keine. Selbst beim Gehalt bleibt alles beim alten, während Deutsche Bank-Aktionäre den in Rechtsstreitigkeiten versenkten Milliarden hinterher trauerten.
Bei der Commerzbank war die Trauer dann nicht ganz so groß. Zwar hat die US-Ratingagentur Fitch ernst gemacht und die Ratings von zahlreichen europäischen Banken teilweise deutlich gesenkt, doch bei den Anlegern der Commerzbank reagierte man achselzuckend. Dabei steht das Fitch-Rating nun nicht mehr bei “A+”, sondern vier Stufen schlechter bei “BBB” und damit gerade einmal zwei Stufen über Ramschniveau. Aber man ist Kummer gewohnt. Kurstechnisch tat sich derweil jedoch wenig. Die Hoffnung ruht hier nun auf dem Handel nach Pfingsten.

Aus Deutschland

Nach einer hervorragenden Bilanz von Daimler (WKN 710000) für das erste Quartal, konnte die Aktie dank des mauen Umfelds nicht so Recht an Fahrt aufnehmen. Dies dürfte sich jedoch angesichts des steigenden DAX ändern. Der Kursanstieg der letzten Tage ist ein Vorgeschmack, wie wir finden.
Südzucker (WKN 729700) hat für das gerade angelaufene Geschäftsjahr 2015/16 noch einmal Umsatz- und Ergebnisrückgänge vorhergesagt, nachdem schon das Fiskaljahr 2014/15 richtig schwach ausgefallen war. Trotzdem scheinen Anleger die im MDAX gelistete Südzucker-Aktie immer besser zu finden und auf ein nachhaltiges Comeback zu setzen. Unsere Einschätzung dazu hier.
Der Internetdienstleister United Internet (WKN 508903) ist äußerst erfolgreich in das Geschäftsjahr 2015 gestartet. Vor allem das Kundenwachstum konnte hierbei überraschend stark ausfallen. Der Aktie dürfte dies weiteren Schwung verleihen. Mehr dazu hier.
Beim Stuttgarter Spezialisten für Bau- und Architektursoftware RIB Software (WKN A0Z2XN) läuft es weiterhin rund. Nach einem starken Geschäftsjahr 2014 fiel auch der Auftakt in das Jahr 2015 positiv aus. Dank des Bau-Booms in vielen Teilen der Welt profitiert das TecDAX-Unternehmen von seiner internationalen Expansion, während die Umstellung auf Cloud-Dienste für wiederkehrende Umsätze sorgt. Mehr dazu hier.
Beim Hamburger Windturbinenhersteller Nordex (WKN A0D655) lief es zuletzt richtig rund. Dank des positiven Jahresauftakts 2015 und der guten Auftragslage kletterte die Aktie in den vergangenen Tagen auf ein neues Mehr-Jahreshoch, während sich der Wert des TecDAX-Papiers in nicht einmal einem Jahr in etwa verdoppelte. Der Führungswechsel an der Unternehmensspitze schmeckt Investoren dagegen gar nicht. Unsere Einschätzung dazu hier.

Internationales

Hewlett-Packard (HP) (WKN 851301) musste in seinem zweiten Geschäftsquartal 2014/15 (Ende April) einen Umsatz- und Gewinnrückgang hinnehmen. Während die Erlöse des PC-Riesen auch durch den starken US-Dollar belastet wurden, konnte man auf der Ergebnisseite die Markterwartungen übertreffen. Außerdem soll die geplante Aufspaltung günstiger werden als gedacht. Unsere Einschätzung dazu hier.
In einer Welt der Sozialen Medien, in der die Nutzerzahlen besonders wichtig sind, hat es der Kurznachrichtendienst Twitter (WKN A1W6XZ) zuletzt immer wieder geschafft, genau in dieser Disziplin zu enttäuschen. Allerdings könnten nun mit der Hilfe des Internet-Giganten Google (WKN A0B7FY) bessere Zeiten anbrechen. Mehr dazu hier.
US-Starinvestor Carl Icahn macht wieder Stunk. In einem Brief an Tim Cook bittet er doch höflichst darum, dass Apple (WKN 865985) noch mehr eigene Aktien zurückkauft, damit diese Unterbewertung der Aktie des Apfelkonzerns doch bitte endlich ein Ende haben möge. Man muss sich nur vor Augen führen, dass wir hier von dem mit knapp 750 Mrd. US-Dollar an Marktkapitalisierung mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt sprechen. Unsere Einschätzung dazu hier.
Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova (WKN 893484) konnte im Ende März beendeten Geschäftsjahr 2014/15 sowohl auf der Umsatzseite als auch bei den Ergebnissen gegenüber dem Vorjahr zulegen. Allerdings blieb man unter den eigenen Zielen. Das heißt aber trotzdem nicht, dass sich die Anteilseigner mit einer geringeren Dividende begnügen müssen. Vielmehr steigt die Ausschüttung um 8 Prozent auf 2,05 CHF je Aktie. Mehr dazu hier.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

Die Berichtssaison ist weitgehend durch. In der kommenden Woche berichten u.a.: AutoZone, TiVo (Dienstag); Costco, CTS EVENTIM, Michael Kors, Tiffany & Co (Mittwoch); Abercrombie & Fitch, EVN (Donnerstag); Big Lots, STRABAG (Freitag).

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

Montag
00:00 DE Pfingstmontag – Börse Frankfurt geschlossen
00:00 US Memorial Day – Börse New York geschlossen

Dienstag
14:30 US Auftragseingang langlebige Güter (April)
14:30 US Auftragseingang Investitionsgüter (April)
15:00 US Case-Shiller-Hauspreisindex (März)
16:00 US FHFA Hauspreisindex (März)
16:00 US Neubauverkäufe (Mai)

Mittwoch
08:00 DE GfK Konsumklima (Juni)

Donnerstag
08:00 DE Einfuhrpreise (April)
11:00 EU Economic Sentiment (Mai)
14:30 US Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche)
16:00 US Schwebende Hausverkäufe (April)

Freitag
08:00 DE Einzelhandelsumsatz (April)
14:30 US BIP (Q1)
15:45 US Chicago Einkaufsmanagerindex (Mai)
16:00 US Verbrauchervertrauen Uni Michigan (Mai)

Bildquelle: dieboersenblogger.de


1 KOMMENTAR

  1. Irgendwie scheint es bei den Banken (sowohl EZB als auch bei der Dt. Bank und der CoBa) diese Woche nicht ganz rund gelaufen zu sein. Ich frage mich vor allem, was die Entscheidungen der EZB für Folgen haben werden…
    Auch die Entwicklungen bei Südzucker und Nordex find Ich sehr interessant – jedoch aus positiver Sicht.
    Gruß,

    Claudius

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here